Lokalderby
Ein Derby fast wie zu alten Zeiten

Die Pause hat dem Derby gut getan. Vier Jahre lang, seit dem Bundesliga-Abstieg des TSV 1860, konnten sich die Münchner Klubs nicht ernsthaft duellieren; jetzt ist er wieder überall zu spüren, der spezielle Furor des Lokalkampfes. Weil 1860 seine Identität wiedergefunden hat, liegt große Spannung über dem Münchener Pokalduell mit den Bayern.

MÜNCHEN. Die alten Gegensätze leben wieder vor der heutigen Begegnung im DFB-Pokal-Viertelfinale. Weil die Bayern die Bayern sind. Und weil die Löwen zu ihrer Identität zurück gefunden haben.

„Bayern hat das Geld, wir sind der Arbeiterklub. Sie sind die Künstler, wir die Malocher“, sagt Daniel Bierofka, Münchner und Sechziger in der dritten Generation. Schon der Großvater war Mitglied, Vater Willi als Spieler und Trainer eine Klubikone. Als er Anfang des Jahrtausends erstmals bei 1860 spielte, war Daniel Bierofka so etwas wie der Quoten-Einheimische – sonst standen nur Zugereiste auf dem Platz.

Vor dieser Saison kehrte er zurück, zu einem Klub, der aus Geldmangel nun auf die eigene Jugend setzt. 16 Bayern stehen im Kader, sieben davon werden heute wohl auflaufen. Geschäftsführer Stefan Ziffzer kann behaupten: „Bei uns zählen regionale Werte mehr als anderswo. Wir haben eine Elf zum Anfassen.“

Die Volksnähe ist das große Pfund der Löwen, ihre ungebrochene Popularität in der Stadt trotz Jahrzehnten der Miss- und Vetternwirtschaft. Es mag für Außenstehende schwer verständlich sein, warum es immer noch Leute gibt, die sich einlassen auf einen Klub der bloß „Leiden schafft“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ einmal schrieb. Und vielleicht gibt es dafür auch nur den einen Grund, dieses eine Gefühl, das Bierofka anführt: „Ein echter Münchner ist 1860-Fan.“

Dabei ist der FC Bayern historisch gesehen kein Stück weniger münchnerisch. Man stammt aus Schwabing, und der bürgerliche, weltoffene Stadtteil prägte den Verein. Zu einer Zeit, wo das in Deutschland noch verpönt war, beschäftigten die Bayern einen englischen Trainer, ihr Fußball wurde bereits in der Zeit um den Ersten Weltkrieg herum als besonders kultiviert gelobt. Aber der FCB war eben auch elitär: Voraussetzung für die Mitgliedschaft war zumindest ein höherer Schulabschluss.

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