Lukas Podolski trifft auf sein Heimatland
Das „emotionalste Spiel“ seiner Karriere

Der 21-jährige Lukas Podolski ist in Polen geboren, spielt aber jetzt eine tragende Rolle in der deutschen Nationalmannschaft. Sein Vater hätte es gern gesehen, wenn sein Sohn das rot-weiße polnische Nationaltrikot tragen würde. Am Mitwoch geht der Stürmerstar daher mit gemischten Gefühlen in das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen Polen.

HB Düsseldorf. Im Februar 2004 schickte Pawel Janas ein Päckchen ins rheinländische Bergheim. Adressat des polnischen Nationaltrainers war ein blutjunger Stürmer, der ein paar Monate zuvor sein Debüt in der Bundesliga gegeben hatte und von den Fans des 1. FC Köln schon als Messias gehuldigt wurde: der aus dem polnischen Gliwice (Gleiwitz) stammende Lukas Podolski, dessen Eltern ins Rheinland umgesiedelt waren, als er zwei Jahre alt war.

Die Kunde von den außergewöhnlichen Fähigkeiten des Linksfußes war längst auch bis Polen gedrungen. Jedenfalls fand der begabte Jungprofi in diesem Päckchen drei Trikots der polnischen Nationalmannschaft, die jeweils mit der Nummer Zehn und seinem Namen beflockt waren. Doch Podolski entlockte das symbolische Werben kaum mehr als ein müdes Lächeln. "Das ehrt mich sehr", sagte er, jedoch hatte er sich längst entschlossen, für Deutschland aufzulaufen.

Zwei Jahre nach diesem erfolglosen Annäherungsversuch trifft Janas nun erstmals auf Podolski: Am zweiten Spieltag der WM-Vorrundengruppe A am Mittwoch in Dortmund (21 Uhr).

Von Dilettantismus zeugte das Päckchen damals allemal. Spielte Podolski doch längst in deutschen Auswahlmannschaften, und wenn die polnischen Fußballfunktionäre gut aufgepasst hätten, dann hätten sie die Torgefährlichkeit des aufstrebenden Stürmers schon zwei Jahre früher registriert. Denn im Mai 2002 hatte Podolski die polnische U-17-Auswahl im dänischen Naestved mit einem Kopfball aus dem Europameisterschaftsturnier befördert.

"Die Polen mussten mindestens Unentschieden spielen, um weiterzukommen, uns hätte auch ein Punkt gereicht", weiß Podolski noch, noch präziser erinnert er sich an die anschließenden Szenen im Hotel: "Da saßen die Polen in der Lobby und haben geheult."

Das bevorstehende Treffen mit seiner Vergangenheit nennt Podolski das "emotionalste Spiel" seiner Karriere, beeinflussen aber werde es seine Leistung nicht: "Ich will immer gewinnen, egal gegen wen." In Polen wachsen sich die verwandtschaftlichen Bande Podolskis zu einer halben Staatsaffäre aus - weil sie kein Einzelfall sind: Mit Miroslav Klose ist auch der zweite deutsche Stürmer in Polen geboren, und da sich zudem eine Reihe weiterer Spieler aus Emigrantenfamilien für ihre neue Heimat entschieden haben - Sinkiewicz (1. FC Köln) und Freier (Bayer Leverkusen) sind bereits deutsche Nationalspieler, Trochowski (HSV) wird eingesetzt in der U21-Auswahl - sieht sich der polnische Verband harten Vorwürfen ausgesetzt.

"Die Verantwortlichen haben doch jahrelang geschlafen", sagt nicht nur Michal Fabian, der als WM-Reporter für die zweitgrößte polnische Sportzeitung "Sport" arbeitet. Nun müsse man damit leben, dass die Kinder der polnischen Familien, die seit Ende der 1980er Jahre nach Deutschland zogen, die Polen vermutlich aus dem Turnier schießen würden.

Dabei gibt es durchaus Beispiele für gelungene Verbandsstrategien. "Wenn unser Verband sich genauso um die jungen Deutschpolen bemüht hätte, wie der türkische Verband um die Deutsch-Türken, dann sähe es für uns viel besser aus", so Fabian.

Zumal viele Deutschpolen ihre Wurzeln mit viel Herzblut pflegen: Wie Podolski spricht auch Klose zu Hause polnisch, und es ist kein Geheimnis, dass etwa Podolskis Vater seinen Sohn lieber in den weiß-roten Farben seiner polnischen Heimat gesehen hätte.

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