Fußball
Machtkampf zwischen Fifa und Uefa bahnt sich an

Einen Streitpunkt zwischen Fifa und Uefa bildet die neue Abseitsregelung, die erstmals bei dem Confederations Cup getestet wurde. In der Bundesliga soll am Wochenende weiterhin nach den alten Regeln gepfiffen werden.

Fast alle europäischen Nationen gehen auf Konfrontationskurs zum Fußball-Weltverband Fifa. Grund dafür ist die neue, umstrittene Abseitsregelung, die auch von den Bundesliga-Schiedsrichtern nicht akzeptiert wird. Während die Fifa nach der heftig kritisierten Einführung der veränderten Interpretation des Abseits während des Confederations Cup mit Sanktionen droht - falls sich die Verbände nicht an die Neuregelung halten - werden die deutschen Referees in der am Freitag mit der Partie Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr/live bei Premiere) beginnenden Saison das Regelwerk in bisheriger Manier auslegen.

"Konnte mir ein Lachen nicht verkneifen"

"Auch ich konnte mir am Bildschirm ein Lachen nicht verkneifen. Man kann doch wohl eine solche Regelinterpretation nicht ernst meinen, wenn man einen abseits stehenden Spieler 20, 30 Meter rennen lässt, Gegner und Assistent hinter ihm her, um dann, wenn er den Ball berührt, die Fahne zu zücken. Wo da der Vorteil liegen soll, muss man mir erst einmal erklären", sagte DFB-Schiedsrichter-Obmann Volker Roth.

17 Verbände gegen neue Regelung

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hofft kurz vor dem Saisonstart in der Bundesliga aber immer noch auf Einsicht der Fifa. Vor allem, nachdem die Europäische Fußball-Union (Uefa) vor wenigen Wochen alle Nationalverbände angeschrieben und gefordert hatte, die Interpretation der Abseitsregel aus der vergangenen Saison aufrecht zu erhalten. Daraufhin richteten die nunmehr endgültig verwirrten Nationalverbände ein Schreiben an die Fifa, wie man sich denn bitte in Zukunft verhalten solle. Bei einer Schiedsrichter-Manager-Tagung in Frankfurt vor zwei Wochen sprachen sich insgesamt 17 europäische Nationalverbände gegen die neue Auslegung aus.

Warten auf Machtwort der Fifa

"Bislang hat die Fifa aber noch nicht geantwortet. Wir hoffen aber, dass das noch bis zum Bundesliga-Auftakt am Wochenende geschieht", sagte DFB-Schiedsrichter-Sprecher Hellmut Krug dem Sport-Informations-Dienst (sid) und fügte hinzu: "Ich gehe mal davon aus, dass auch alle anderen großen Fußball-Nationen bei der alten Auslegung bleiben." Sollte die Fifa in den kommenden Tagen ein Machtwort sprechen, so bleibe aber auch den Bundesliga-Referees laut Krug keine andere Wahl, als der neuen Auslegung der Regel elf "Folge zu leisten".

Fifa-Schiris im Zwiespalt

Besonders heikel wird die Aufgabe für die international tätigen Unparteiischen wie "Weltschiedsrichter" Markus Merk. "Wir sind darauf angewiesen, ein einheitliches Regelwerk zu haben. Aber wenn die Fifa dabei bleibt, wird auch mir nichts anderes übrig bleiben, als bei internationalen Spielen anders zu pfeifen", meinte der frühere Zahnarzt und hofft auf eine Angleichung der Regel bis zu den anstehenden WM-Qualifikationsspielen am 3. September.

"Dann gibt es Ärger"

Die Fifa ficht der Widerstand aus den Reihen des europäischen Fußballs aber offenbar nicht sonderlich an. Vielmehr deutet derzeit alles auf einen Machtkampf zwischen Fifa und Uefa hin. "Sämtliche Verbände sind verpflichtet, den Beschlüssen des International Board zu folgen und gemäß Statuten entsprechend umzusetzen. Da gibt es keinen Spielraum", meinte Fifa-Generalsekretär Urs Linsi. Sollten sich der DFB und die übrigen Nationalverbände weiter weigern, die neue Interpretation der Abseitsregel umzusetzen, "dann gibt es Ärger", bestätigte auch Fifa-Sprecher Markus Siegler.

Weitere Regelungen harmloser

Weitaus unspektakulärer sind vor Saisonbeginn dagegen die übrigen Änderungen. So wird den Spielern das Tragen von Schmuck verboten. Auch ein Überkleben mit Tape ist nicht mehr erlaubt. Zudem muss beim Einwurf ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden, und die Schiedsrichter dürfen auch noch nach Schlusspfiff bis zum Verlassen des Spielfeldes Strafen aussprechen.

© SID

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