Machtprobe im DFB-Team
Löw will „zeitnahes“ Gespräch mit Ballack

Nach der Kritik an Joachim Löw muss Michael Ballack mit Konsequenzen rechnen. Der Bundestrainer kündigte bereits ein "sehr zeitnahes" Gespräch mit dem Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an.

HB BERLIN. "Ich werde mit ihm sprechen, das ist klar. Über die Vorgehensweise "bin ich mir noch nicht bewusst", sagte Löw in der "Bild"-Zeitung und ergänzte: "Jeder Spieler kennt bei uns die Regeln, was öffentliche Kritik angeht. Und Personaldiskussionen sind dem Trainer vorbehalten." Ballack hatte sich vehement für seinen langjährigen Mitspieler Torsten Frings eingesetzt und vor einem zu großen Umbruch im DFB-Team gewarnt. Nach der überraschend deutlichen Kritik an der Personalpolitik von Löw wiesen der Bundestrainer und DFB-Präsident Theo Zwanziger den Kapitän mit verbalen Kontern energisch in die Schranken. „Von den Aussagen von Michael Ballack bin ich total überrascht. Dass er nun über die Medien solch kritischen Töne äußert, verwundert und enttäuscht mich“, sagte Löw in einer vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Dienstag verbreiteten Stellungnahme. „Als Kapitän ist er ein wichtiger Ansprechpartner für mich und daran wird sich auch nichts ändern. Aber die Aufstellung und die Personalpolitik ist in letzter Konsequenz die Entscheidung von mir und meinem Trainerteam.“ Ballack hatte zuvor in einem Interview der „FAZ“ den Umgang mit dem im DFB- Team zuletzt auf die Ersatzbank verbannten Torsten Frings kritisiert.

Auf die Frage, ob Löw Frings schon abgeschrieben habe, hatte Ballack geantwortet: „Das weiß ich nicht. Aber wenn man einen nicht mehr will, sollte man das ehrlich ansprechen. Respekt und Loyalität ist doch das Wenigste, was man als verdienter Nationalspieler erwarten kann.“ Als Beispiel nannte er den Konkurrenzkampf zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann, den Kahn nach Meinung Ballack „nie gewinnen“ konnte. Der Kapitän weiter: „Ich hoffe, dass ich mit meiner Vermutung in der Personalie Torsten Frings unrecht habe.“

Ballacks Vorpreschen ging auch Zwanziger zu weit: „Wenn man glaubt, was in Zukunft noch besser machen zu können, empfehle ich allen, sich mit dem Bundestrainer auszutauschen und nicht über die Medien mit ihm zu reden“, erklärte der Boss des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) in einer Pressemitteilung.

Auch Franz Beckenbauer schaltetet sich mit harscher Kritik an der Mentalität einiger Nationalspieler in die Diskussion ein: „Jeder meldet sich zu Wort, ob das ein Kuranyi ist, der plötzlich verschwindet oder ein Frings, der meint, zurücktreten zu müssen. Jetzt kommt Michael Ballack als Kapitän. Man sollte diese Unebenheiten, wenn es solche gibt, intern bereinigen“, kommentierte der ehemalige DFB-Teamchef die jüngsten Vorkommnisse im DFB-Team. „Das ist ein Mimosenhaufen geworden, das ist schier unglaublich. Die sollen ihren Mund halten und Fußball spielen“, erklärte Beckenbauer im Pay-TV-Sender Premiere in Richtung der Nationalspieler.

Grundsätzlich werde im Nationalteam „zu viel geredet“, sagte Beckenbauer. Und falls es Unstimmigkeiten gebe, habe Ballack den falschen Weg gewählt: „In solchen Situationen muss man das Gespräch mit dem Trainer und nicht mit dem Journalisten suchen.“

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