Mahnende Worte des Team-Kapitäns
Ballack setzt Löw unter Druck

Michael Ballack trat am Donnerstag zum ersten Mal nach seiner Rückkehr in den Kreis der deutschen EM-Fahrer vor die Mikrophone. Als das öffentliche Gespräch nach gut einer halben Stunde zu Ende war, da hatte sich ebenso zum ersten Mal jene ernsthafte Atmosphäre eingestellt, die all der Lärm um Nichts in den vergangenen Tagen zu ersticken drohte: Es ist Euro-Zeit.

HB SON VIDA. Keine Wort fiel mehr zu den Zahnschmerzen des Bundestrainers, zum Regen über Mallorca oder dem Rätselraten über die drei zu streichenden Spielern aus dem 26-Mann-Kader. Michael Ballack eilte an allen Nebensächlichkeiten vorbei geradewegs zum Kernproblem der Vorbereitung und forderte für das Spiel gegen Serbien am Samstag, immerhin der letzten Test vor dem Auftaktspiel gegen Polen am 8. Juni: „Wir müssen uns in allen Bereichen steigern.“

Ballack übernahm gestern die Rolle, die eigentlich Löw spielen müsste. Er wies auf Schwächen der DFB-Elf hin, er forderte mehr als nur Ausreden, man sei vom vielen Hometrainer-Fahren und Gewichte-Ziehen schwach auf den Beinen, kurz: Michael Ballack führte.

Allein schon seine Forderung für das Serbenspiel machte deutlich, wie wenig der Kapitän von den anhaltenden Experimenten seines Trainers hält. „Es ist wichtig, dass der letzte Test vor der EM dazu genutzt wird, dass sich die Mannschaft einspielt“, sagte Ballack, natürlich nicht ohne darauf hinzuweisen, „dass der Trainer das letzte Wort hat“. Aber was er sich selber vorstelle, sei klar: „Ich erwarte einen Sieg und ein gutes Spiel, damit wir mit einem positiven Gefühl in unsere zwei freien Tage gehen.“

Ballack hat gestern ein Vakuum gefüllt, dass all der Bergtour-Budenzauber der letzten Wochen hinterlassen hat, womöglich zur rechten Zeit: Er ist der Mahner unter den Schönrednern. Auch wenn man besser eingespielt sei als bei der WM vor zwei Jahren, so sei man taktisch und technisch so mancher Mannschaft in Europa noch unterlegen, sagte Ballack. Es müsse daher jeder seine natürlichen Grenzen überschreiten. „Nur wenn wir 120 Prozent bringen“, könne man die Defizite ausgleichen. „Wir müssen die Tugenden ausspielen, die uns auszeichnen: Willenskraft, Konzentration, Aggressivität.“

Wohin sie das tragen könne, ließ Ballack offen. Bei der WM hat das gegen den späteren Weltmeister Italien nicht mehr ausgereicht. Das Ziel laute daher erst einmal Viertelfinale. Und dann „das Finale, das muss unser Anspruch sein“. Auch das ist neu, nachdem vor Wochen noch der Titel als alleiniges Ziel angegeben worden war. Mit Angst hat dies bei Ballack freilich nichts zu tun. Es ist ein gesunder Sinn für die Wirklichkeit.

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