Mainz-Manager Christian Heidel
Gefeiert wird auch bei einer Niederlage

Für Christian Heidel vergingen die letzten Wochen wie im Traum: Der 47-Jährige ist Manager des FSV Mainz 05, dem zurzeit besten Fußballklub Deutschlands. Am Samstag kann seine Mannschaft gegen Hoffenheim den Bundesliga-Startrekord von sieben Erfolgen in sieben Spielen einstellen. Für die Siegesserie hat er einfache Erklärung. Doch er weiß auch, dass das alles nur eine Momentaufnahme ist.
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MAINZ. Heidel freut sich täglich über die vielen Fans, die ihre Autos mit Fähnchen schmücken und auch wochentags im Trikot ihres Lieblingsspielers zu Arbeit gehen. Doch ihm ist klar: Irgendwann wird die Siegsserie des häufig als Karnevalsverein abgestempelten Klubs sicher reißen. Am Samstag erwarten die Mainzer die Mannschaft aus Hoffenheim - und könnten mit sieben Siegen in Folge den Startrekord des FC Bayern München und des 1. FC Kaiserslautern einstellen.

Manager Heidel, der bereits seit 1991 für den Verein arbeitet, hat am derzeitigen Erfolg des Vereins maßgeblichen Anteil. Er beförderte einst Jürgen Klopp vom Spieler zum Trainer, der Verein schaffte mit ihm den Sprung in die Erstklassigkeit. Im vergangenen Sommer machte Heidel dann Thomas Tuchel, bislang nur Jugendtrainer, zum Chefcoach der Mannschaft. Mit sichtbarem Erfolg.

Doch mit dem ersten Tabellenplatz, den Mainz derzeit belegt, hat auch der frühere Geschäftsführer eines Mainzer Autohauses nicht gerechnet: "Das, was in Mainz gerade passiert, ist unglaublich, ein Traum", sagt Heidel. "Eine solche Euphorie gab es hier noch nicht." Gar nicht auszudenken, was Heidel bei einem Sieg gegen Hoffenheim erwartet: "Der Medienhype ist jetzt schon enorm, ich bekomme Interviewanfragen aus ganz Europa."

Wie sich der Manager, der zunächst nur ehrenamtlich, seit 2004 aber hauptberuflich bei den Mainzern arbeitet, die aktuelle Siegesserie erklärt? Mit Kontinuität. Die Vereinsoberen arbeiten seit 20 Jahren beim FSV, alle sind gebürtige Mainzer oder leben schon sehr lange in der Stadt am Rhein. "Wir sind berechenbar, Überraschungen, vor allem negative, gibt es bei uns nur selten", sagt Heidel. Spieler, die in anderen Vereinen die Ersatzbank drücken, kommen hier zum Einsatz. Auch, weil sich Mainz keine Nationalspieler oder ausländische Stars leisten kann: Der Etat in dieser Saison liegt bei 32 Mio. Euro, die Mannschaft kostet gerade einmal 15 Mio. Euro. Zum Vergleich: Der Kader des FC Bayern München kostet mehr als 100 Mio. Euro.

Und auch wenn es gegen Hoffenheim die erste Niederlage setzen sollte, gefeiert wird in Mainz trotzdem, da ist sich Heidel sicher. Denn das Ziel ist weiterhin nur der Klassenerhalt. Und der sollte auch dann nicht gefährdet sein, wenn die Siegsserie reißt.

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