Major League Soccer
Das Paradies für Fußball-Rentner knausert rum

Die US-amerikanische Major League Soccer (MLS) kämpft immer noch mit dem Ruf, eine Operettenliga zu sein. Und ein Sammelbecken für alternde Stars aus Europa und Südamerika. Dabei hat sie viel größere Probleme.
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HamburgDie himmelblauen Trikots des US-amerikanischen Fußball-Erstligisten New York City FC zierten reihenweise die Schaufenster der riesigen Sportshops am Times Square. Die Vorfreude auf den Saisonstart der Major League Soccer (MLS) im März war in Big Apple greifbar.

Für das auf der Vereinshomepage als „geschichtsträchtig“ apostrophierte erste Heimspiel gegen New England Revolution am heutigen Sonntag hatte sich mit dem ehemaligen englischen Nationalspieler Frank Lampard (37) ein echter Fußballpromi angekündigt. Die Marketingstrategen des erst 2013 gegründeten New Yorker Klubs hatten scheinbar alles richtig eingeschätzt.

Aber Lampard machte den Party-Crusher. Statt im Frühjahr in die USA zu wechseln, beendete die Streichung einer entsprechenden Kündigungsklausel in Lampards Ein-Jahres-Vertrag mit Manchester City im Januar 2015 vorerst alle Träume der New Yorker Fußballmacher.

Medienberichten zufolge hatte „Lamps“ nie einen Vertrag bei dem von der Abu Dhabi United-Gruppe finanzierten New Yorker Verein unterzeichnet. Ein Indiz dafür, dass Altstars dem neuen US-Fußballprodukt wohl nicht ganz vertrauen. „Die Absage Lampards zum Saisonstart war für den Verein ein desaströses Vorzeichen“, weiß der in New York wohnhafte Fußballautor Dave Martinez.

„Lampard hätte die Stadien gefüllt, es wird bis zu seiner Ankunft im Sommer ein interessantes Tauziehen um seine Person bleiben“, glaubt Martinez. Immerhin finanzieren die New Yorker Klubeigentümer vom Persischen Golf auch den „Mutterverein“ Manchester City in der englischen Premier League.

Ein weiterer Wermutstropfen: Wie schon 2010 drohten die Spieler aufgrund ungeklärter Vertragsfragen zwei Tage vor Saisonbeginn Anfang März 2015 offen mit einem Streik. Keine guten Vorzeichen für die Jubiläumssaison.

US-Liga bleibt „A Country for old men“

Die MLS war 1996 – zwei Jahre nach der Weltmeisterschaft in den USA – ins Leben gerufen worden. Nach einem Tiefpunkt zu Beginn der 2000er-Jahre mit nur 13.000 Fans im Schnitt verzeichneten die Liga-Macher nicht ohne Stolz in der vergangenen Saison einen neuen Zuschauerrekord mit fast 20.000 Besuchern pro Spiel.

Mit diesem Schnitt hat es die MLS im 19. Jahr unter die „großen Vier“ des US-amerikanischen Sports geschafft und die Eishockey-Liga NHL und die Basketball-Eliteklasse NBA in der Publikumsgunst überholt. Auch dank der Altstars aus Europa, deren Verpflichtung für viele Experten alternativlos scheint.

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