Markenexperte zu Fifa und Blatter
„Fifa zieht Sponsoren in den Abgrund“

Durch die Razzia in Zürich ist die Glaubwürdigkeit der Fifa auf einen Tiefpunkt gesunken. Partner und Sponsoren müssen jetzt Schaden abwenden, fordert Markenexperte Christopher Spall. Warum Blatter weg muss.
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DüsseldorfEs ist eine neue Dimension: Die Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen mehrere hochrangige Funktionäre ist ein Skandal, wie ihn selbst die Fifa noch nicht erlebt hat. Erste Sponsoren und Partner üben harte Kritik am Weltverband. Denn was bisher gut funktionierte, von der Marke Fifa profitieren, droht für zahlreiche große Unternehmen nun zum Bumerang zu werden. Christopher Spall, Experte für Markenentwicklung und Kopf der Markenidentitäts-Beratung „Spall.macht.Marke“ erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, wie die Sponsoren am besten reagieren. Und er rät vor allem zu Mut.

Herr Spall, hochrangige Funktionäre werden verhaftet, Sponsoren üben offen Kritik, die US-Justiz kündigt schonungslose Aufklärung an. Was bedeutet die neuerliche Korruptionsaffäre für die Marke Fifa?
Eins steht fest: Die Glaubwürdigkeit der Marke Fifa lag auch vor den Ereignissen des 27. Mai in der Nähe des Tiefpunkts. Mit den Festnahmen hat der Skandal jedoch eine neue Dimension bekommen. Dadurch überlegen Geldgeber erstmals auf breiter Front der Fifa den Rücken zu kehren. Diese Tatsache bringt Dynamik in den Fall. Und könnte zu Veränderungen führen.

Was hoch ist für langjährige Partner und Sponsoren wie Coca-Cola und Adidas jetzt die Gefahr, sich an der Marke Fifa noch die Finger zu verbrennen?
Wir müssen zwischen zwei Arten von Imageübertrag von der Fifa an Sponsoren unterscheiden. Während eines Großereignisses wie der Weltmeisterschaft ist dieser sehr positiv geprägt. Jenseits der Turniere wird das Image der Fifa hauptsächlich durch die Ausstrahlung Sepp Blatters regiert. Und das ist extrem negativ. Wenn Sponsoren in dieser Phase weiterhin zur Marke halten, entstehen erstmals negative Imageüberträge, die sich deutlich auf den Umsatz auswirken werden. Wenn es an den Geldbeutel geht, werden Partner flächendeckend die Verbindungen zur Fifa kappen.

Was heißt in diesem Fall flächendeckend?
Im vergangenen Jahr sind Emirates und Sony als Partner der Fifa ausgestiegen. Für die steht sofort Ersatz parat. Die Reservebank der Fifa ist gut gefüllt. Es bräuchte eine konzertierte Aktion der stärksten Sponsoren, um Impulse für Veränderungen bei der Fifa zu setzen.

Kommentare zu " Markenexperte zu Fifa und Blatter: „Fifa zieht Sponsoren in den Abgrund“"

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  • Es ist doch eher umgekehrt: Nicht die "FIFA zieht Sponsoren in den Abgrund" - sondern die multionationalen Konzerne ziehen seit Jahrzehnten den Sport in den Abgrund und degenerieren ihn immer mehr zu einer reinen Kommerz-Veranstaltung. Geld schiesst Tore , heisst's im Fussball nicht umsonst. Und letzten Endes gewinnt heutzutage nicht Bayern München eine Meisterschaft, sondern Adidas, Audi und Allianz - und demnächst eben Red Bull.

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