Matthias Sammer
Der proaktive Verbal-Grätscher

Sportchef Matthias Sammer ist zum Lautsprecher des FC Bayern mutiert und beerbt damit Uli Hoeneß. Doch seine jüngsten öffentlichen Äußerungen haben für Irritationen im Verein gesorgt. Er droht den Bogen zu überspannen.
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DüsseldorfVor mehr als 15 Jahren kannte der deutsche Profifußball noch den Begriff „Leitwolf“. Leitwölfe waren charismatische Führungsspieler, die mit klaren Worten auf dem Platz ihre Mannschaft nach vorne peitschen konnten, wenn es mal nicht so lief. Matthias Sammer war so ein Spieler. Ob beim VfB Stuttgart, Borussia Dortmund oder der deutschen Nationalmannschaft – Defensivchef Sammer war einer, der ein Team führen und motivieren konnte. Der Erfolg gab ihm recht: Drei deutsche Meisterschaften, ein Champions-League-Sieg und die Europameisterschaft – Leitwolf Sammer wurde 1996 nicht zu Unrecht zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.

In seiner Funktion als Sportchef beim FC Bayern München hat er das Grätschen nicht aufgegeben, wenngleich diese Grätschen nun vornehmlich verbal kommen. Sammer grätscht immer dazwischen, wenn er der Auffassung ist, die Bayern-Profis würden sich auf ihren Lorbeeren ausruhen oder sportliche Herausforderungen zu locker nehmen. Während der gesamten Triple-Saison wurde er nicht müde, die beeindruckenden Leistungen des Heynckes-Teams auf vermeintliches Normalmaß runter zu schrumpfen und somit in gewisser Art und Weise klein zu reden.

Selbst in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison hätte keiner den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen à la „Noch haben wir überhaupt keinen Titel geholt“ bezweifeln können, obwohl zu dem Zeitpunkt zumindest das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal nur noch Formsache schien.

Mit seiner nüchternen, sachlichen, aber manchmal auch zu emotionsbefreiten Art brannte er sich in den Köpfen vieler als das mahnende Gewissen des FC Bayern fest, das nach jeder Weltklasse-Leistung trotzdem noch einmal demonstrativ den Zeigefinger erhebt, damit auch ja keiner der Bayern-Stars sich irgendetwas auf sich einbilden möge. Das wirkt sehr professionell, aber auch wenig menschlich und in der Folge auch wenig sympathisch.

Sammer nahm bei den Bayern die Rolle des Lautsprechers ein, die Präsident Uli Hoeneß vor Bekanntwerden der Steueraffäre ausgefüllt hatte. Sammer war zugleich die Gegenfigur zu Jupp Heynckes: Die fürsorgliche, beschützende Vaterrolle war nicht die seine, sondern die maßregelnde und autoritäre. Doch der Erfolg machte ihn nicht angreifbar, sondern gab ihm zusätzliche Bestätigung.

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Kommentare zu " Matthias Sammer: Der proaktive Verbal-Grätscher"

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  • Wiesel1064
    Ohne sammer wäre bvb abgestiegen und 2002 kein meister geworden. Der "kerl" ist ein ganzer kerl so einen brauchen wir fuer 2014, mit dem werden wir in brasilien Weltmeister.

  • @ marcriva100

    Zitat : Der "Kerl" hat dafür gesort das uns diese Talente nicht durch das Sieb fallen und gefördert werden. Mit professionellen Strukturen wie in der DDR. Denn sowas gabs im Westen nicht. Ohne den "Kerl" würde man heute nur davon träumen Favorite auf die WM 2014 in Brasilien zu sein....

    - so, jetzt habe ich endlich verstanden, welcher Flasche aus dem Ossi-Land wir es zu verdanken haben, dass wir seit 1998 keinen Titel mehr geholt haben und warum wir nächstes Jahr schon in der Gruppe aussteigen !

    Professionelle Strukturen wie in der DDR.......was hat die DDR denn im Fußball geholt.....?

    Unfassbar ! Die Bayern müßen sich des Kerls so schnell wie möglich entledigen, sonst sind sie auch im Ar ***** !

  • Matthias Sammer wurde im Artikel wunderbar beschrieben. Offensichtlich lebt er mit Leidenschaft, ungezügelten Emotionen für den FC Bayern, na und? Er wird sich auch dem
    neuen Zeitgeist anpassen.Diesen Geist verkörpert Pep Guardiola. Es ist eine riesen Freude ihn zu sehen und zu hören. Fußball ist nicht mehr nur eine rohe Männerveranstaltung.Hier wird genialer,eleganter Sport gezeigt. Die Bayern-Spieler sind zu netten, begabten jungen Männern mutiert. Josep Guardiola ist ein Geschenk für den gesamten deutschen Fußball, keine Häme, keine herabsetzende Ironie (a la Mourinho). Für den zeitraubenden "Hick-Hack" außerhalb der Spiele interessieren sich nicht alle. Titel müssen sein und werden erspielt. Herr Hoeneß und Herr Rummenige sind zufrieden. Da ist doch alles in Ordnung.

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