Mehrheitsinvestoren
Fußballklubs suchen neue Finanzquellen

Die Wachstumsbranche Fußball muss sich auf härtere Zeiten einstellen. Die meisten deutschen Fußball-Manager gehen in der nächsten Saison laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young von einer schlechteren wirtschaftlichen Lage ihres Klubs aus. Das öffnet neuen Finanzierungsstrategien die Tür.

KÖLN. „Der Druck, international mitzuhalten, wird dazu führen, dass die Bundesligisten für Mehrheitsinvestoren geöffnet werden“, sagt Jörn Quitzau, Volkswirt der Berenberg Bank.

Martin Kind wird diese Einschätzung freuen. Der Präsident des Erstligisten Hannover 96 fordert seit langem die Abschaffung der 50+1-Regel. Sie besagt, dass ein Klub in einer Aktien- oder Kapitalgesellschaft immer 50 Prozent plus einer Stimme halten muss. Hörgeräte-Unternehmer Kind hofft nun auf die Ligaversammlung im Herbst, die über die 50+1-Regel abstimmen soll. Zur Abschaffung ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich – das wären 25 der insgesamt 36 Erst- und Zweitligaklubs.

In anderen Ländern gibt es die Regel nicht: Vor allem die englische Premier League heißt Investoren willkommen – und sie gilt als stärkste Liga der Welt. Vor zwei Wochen kauften arabische Milliardäre gleich zwei Vereine von der Insel. Sie bringen reichlich Geld für Neueinkäufe mit.

100 Mio. Euro gaben etwa die Eigentümer von Manchester City in der Saisonpause für neue Spieler aus. Solche Summen stehen in der Bundesliga nicht zur Debatte. Fußball-Experte Quitzau erwartet, dass die Wirtschaftsflaute die Risikobereitschaft verringern wird – allerdings nur kurzfristig. „Sofern die Finanzkrise nicht das Erfolgsmodell vieler englischer Klubs zu Fall bringt, wird es eher früher als später in Deutschland zur Nachahmung kommen“, sagt er.

Noch sträuben sich die meisten Bundesligisten gegen eine Regeländerung – doch die Anzeichen für ein Umdenken mehren sich. Für Liga-Funktionäre stellt ein Verkauf von Klubs kein Tabu dar. „Möglicherweise ist das irgendwann unumgänglich“, sagt Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). Der Finanzbedarf sei vorhanden. Er warnt aber vor Abhängigkeit: „Den ersten Investor sucht man sich aus – den zweiten vielleicht nicht mehr.“ Hohe Renditen seien aber nicht zu erwarten: „Es ist kein Zufall, dass die großen US-Sportinvestoren kaum im europäischen Fußball tätig sind.“ Auch Börsengänge von Klubs sieht Seifert skeptisch: „Da müssten sie sich unabhängiger machen vom sportlichen Erfolg.“

Tatsächlich dümpelt der Kurs des einzigen börsennotierten Bundesligisten Borussia Dortmund bei einem Euro. Fußballaktien seien eher Fanartikel als Kapitalanlagen, räumt Ökonom Quitzau ein. „Ein Großteil der Mittel wird in den Spielerkader investiert, für Gewinnmaximierung bleibt kein Raum.“ Statt Klub-Aktien zu kaufen, rät er Anlegern zu Firmen mit Sportbezug, wie Ausrüster oder Sponsoren. „Sobald die Krise überwunden ist, wird die Suche nach Wachstumsmärkten intensiver. Der Fußball wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazugehören.“ ih/Reuters

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