Mertesacker galt früher als zu langsam und zu unbeweglich
Vom Nobody zur Abwehr-Hoffnung

Per Mertesacker ist das, was man gemeinhin unter einem Spätstarter versteht. Während seine Kollegen in der Nationalmannschaft meist schon in frühen Tagen für irgendwelche Auswahlteams des DFB aufliefen, kickte der Hannoveraner die meiste Zeit seiner Jugend nur in der zweiten Mannschaft.

Beim letzten deutschen Länderspiel gegen Brasilien bestaunte er die Tricks von Adriano und Ronaldinho noch am Fernseher. Neun Monate nach dem 1:1 von Berlin ist Per Mertesacker am Samstag gegen die Ballzauberer vom Zuckerhut aus der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Der junge Profi aus Hannover hat sich im Schnelldurchgang vom Bundesliga-Nobody zur neuen deutschen Abwehr-Hoffnung entwickelt - so schnell, dass er selbst ins Staunen gerät: "Es ist alles in einem Tempo geschehen, dass ich es gar nicht richtig begreife."

Der 20-jährige Mertesacker und sein gleichaltriger Abwehrkollege Robert Huth stehen symbolisch für die Personalpolitik von Bundestrainer Jürgen Klinsmann und dessen Maxime, auf die Jugend zu setzen. Mertesacker vertraute lange Zeit niemand. "Zu langsam, zu unbeweglich. Das waren die beiden Wörter, die ich immer gehört habe", berichtete er über seine Zeit in der C- und B-Jugend der 96er: "Ich war nie das große Talent, ich war immer zweite Mannschaft." Erst in der A-Jugend gelang dem 1,98-Meter-Schlaks der Sprung, den andere viel früher machen. "Und ich hatte das Glück, dass überall die Viererkette in Mode kam. Da stand ich dann einfach drin."

Danach ging es Schlag auf Schlag. Am 1. November 2003 feierte Mertesacker sein Bundesliga-Debüt. Damals war er mit 18 Jahren und elf Monaten der jüngste in Deutschland geborene Bundesliga-Spieler. In der abgelaufenen Saison etablierte er sich zum Stammspieler bei den "Roten", absolvierte 31 Punktspiele. Nur eine Gelbe Karte zeugt dabei von seiner Zweikampfstärke und Besonnenheit. Nebenbei baute "Merte" sein Abitur und absolvierte seinen Zivildienst in einem Heim für psychisch schwerstbehinderte Erwachsene. Da wusste nur einer von 13 Patienten, wer er überhaupt war, "die anderen hatten gar keinen Bezug zur Realität mehr".

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