Mexiko 1970
Drama gegen Italien

Schon vor dem ersten Anstoß stand die WM 1970 in der Kritik. Die Schreckensbilder von den Olympischen Spielen 1968 in der Höhe Mexikos waren allgegenwärtig - Athleten unter Sauerstoffmasken, Sportler mit hohlen Wangen, von der Darm-Grippe "Montezumas Rache" geschwächt.

dpa HAMBURG. Die FIFA hatte eigens die Regeln geändert und ließ erstmals zwei Auswechslungen zu. Trotz der geographischen und klimatischen Erschwernisse gab es eine Renaissance des Angriffsfußballs und der großen Individualisten: Pele, Riva, Bobby Charlton und Gerd Müller, der mit zehn Toren Schützenkönig wurde. Und nicht zu vergessen: Franz Beckenbauer.

Lange wurde kontrovers über den Nord-Süd-Gipfel im deutschen Sturm gestritten. Das Tandem Müller/Seeler gab die Antwort und harmonierte prächtig. Hamburgs Uwe Seeler spielte zurückgezogen und ackerte unermüdlich, Münchens Müller stand im Zentrum meist goldrichtig. Zwar klappte es zum Auftakt gegen Marokko (2:1) noch nicht wie gewollt, doch schon gegen Bulgarien (5:2) und Peru (3:1) lief es glänzend.

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Im Viertelfinale stand die Wembley-Revanche gegen England an. High Noon. Die Mittagssonne brannte erbarmungslos, als England schnell 2:0 durch Peters und Mullery führte. Auch Beckenbauers 1:2 ließ die Briten noch nicht nervös werden. Bis Seeler einen frechen Kopfball mit dem Hinterkopf zum 2:2 ins Netz zauberte. Müller machte in der Verlängerung alles klar: 3:2 - Deutschland war im Halbfinale.

War diese Dramatik noch zu überbieten? Bis heute gilt die zweistündige Hitzeschlacht gegen Italien als eines der besten und spannendsten Länderspiele der Geschichte. Italien spielte offensiv statt "Catenaccio" und führte durch Boninsegna. Seeler & Co. kämpften gegen die vielen Fouls an und wurden belohnt. Schnellinger traf in der Nachspielzeit zum 1:1. Verlängerung: Die Schön-Schützlinge spielten wie aufgedreht; Held gelang das 2:1. Die Entscheidung? Nein. Erst knallte Burgnich den Ball zum 2:2 ins Tor, dann war Riva erfolgreich. Aber das DFB-Team, wegen des an der Schulter lädierten Beckenbauer stark gehandicapt, wehrte sich. Vergeblich. Nach Müllers Ausgleich gelang Rivera der 4:3-Siegtreffer.

Als schwacher Trost wurde Uruguay im Spiel um Platz drei bezwungen. Das Halbfinale gegen Italien überstrahlte alles. Sogar Weltmeister Brasilien mit Pele, Rivelino und Dribbelkünstler Jairzinho stand im Schatten dieses Jahrhundertspiels. Dabei bezwangen sie Italien glatt mit 4:1, wurden zum dritten Mal Weltmeister und durften den "Coupe Jules Rimet" endgültig behalten.

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