Mexiko 1986: Gottes Werk und Diegos Beitrag

Mexiko 1986
Gottes Werk und Diegos Beitrag

Der "Kaiser" löste den glücklosen "Häuptling Silberlocke" als Bundestrainer ab und feierte mit der Vize-Weltmeisterschaft ein glückliches Debüt als Teamchef. Im Finale war Argentinien allerdings eine Nummer zu gut.

dpa HAMBURG. Zwar reichte es auch mit Franz Beckenbauer in Mexiko 1986 wie vier Jahre zuvor in Spanien unter Jupp Derwall nur zur Vize- Weltmeisterschaft, doch das war weit mehr, als selbst die kühnsten Optimisten zu träumen gewagt hatten. Die Deutschen bewiesen wieder einmal, dass sie eine Turnier-Mannschaft sind. Im Finale aber war Argentinien mit Diego Armando Maradona, der nach Meinung der Gazetten "Messias des runden Leders" und "Betrüger" zugleich war, eine Nummer zu gut. Nach 90 Minuten stand es im Glutofen Aztekenstadion 3:2 für den Weltmeister von 1978.

In der Vorrunde hatten sich Dänemark und die UdSSR zu Favoriten aufgeschwungen. Die Dänen begeisterten mit Offensiv-Fußball. Dies bekam die deutsche Elf zu spüren. Der Hurra-Fußball ohne taktisches Geplänkel erwies sich als stärker. Am Ende hieß es 2:0 für "Danish Dynamit" - aber auch die Deutschen waren im Achtelfinale. Und sie kamen weiter, während die Dänen und die mit einer unglaublichen Rasanz kombinierenden Russen ausschieden.

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Gegen die Sensationself Marokko reichte ein Matthäus-Tor, gegen Mexiko das Glück im Elfmeterschießen, und im Halbfinale gegen Frankreich sicherten Brehme und Völler den fünften Einzug in ein WM- Endspiel - Weltrekord wie schon die achte Halbfinal-Teilnahme. Gegner Argentinien hatte in Maradona einen Kapitän, der auf dem Zenit seines Könnens auch vor Untaten nicht zurückschreckte. So erzielte er im Viertelfinale gegen England ein irreguläres Tor und brüstete sich später: "Es war ein bisschen die Hand Gottes und ein bisschen Maradonas Kopf." Doch Bilder bewiesen: Es war allein Maradonas Hand.

Höhepunkt der WM war das atemberaubende Viertelfinale zwischen Frankreich und Brasilien. Erst im Elfmeterschießen fiel die Entscheidung zu Gunsten des Europameisters. Im Semifinale erlebten die Franzosen eine deutsche Elf, die erstmals Klasse zeigte. Das Team, durch die Erzfeinde Schumacher und Rummenigge sowie den Eklat um den vorzeitig nach Hause geschickten Uli Stein entzweit, hatte sich zusammengerauft und bot beim 2:0 eine reife Leistung.

Davon war gegen Argentinien nicht mehr viel zu sehen. Zu allem Überfluss enttäuschte Keeper Schumacher, der zuvor Erfolgs-Garant gewesen war. Da nutzte es auch nichts, dass Rummenigge und Völler zum 2:2 ausglichen. Denn als die Deutschen alles wollten, liefen sie ins offene Messer. Burruchaga besiegelte nach Maradonas Traumpass das deutsche Schicksal (84.). Und wieder sah Schumacher nicht gut aus.

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