Mexiko ist seit 19 Spielen ungeschlagen
Mit Kippen und Kaffee ins Halbfinale

Die Zuschauer in Göttingen, Hannover und Barsinghausen haben nicht schlecht gestaunt. Da trainierte eine der besten Fußball-Mannschaften der Welt - und der Trainer lief ganz lässig mit einer Zigarette im Mundwinkel und einer dampfenden Tasse in der Hand über den gepflegten Rasen.

HB HANNOVER/FRANKFURT. Ricardo La Volpe ist ohne Zweifel ein kauziger Typ. Dass er aber auch ein ernst zu nehmender Trainer ist, weiß die Fußball-Welt spätestens seit dem Sieg seines Teams gegen Weltmeister Brasilien. Am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) gegen Europameister Griechenland ist Mexiko klarer Favorit.

Die Übungseinheiten der Nummer sechs in der Weltrangliste haben öfter Unterhaltungswert. Die Spieler albern gerne herum. Kollegen, die sich ungeschickt anstellen und Fehler machen, werden zuweilen gekniffen, am Ohrläppchen gezupft oder an den Haaren gezogen. Doch der gewöhnungsbedürftige Humor der mexikanischen Profis täuscht über ihre Leistungsfähigkeit ebenso hinweg wie Kaffee und Kippen beim 53- jährigen Trainer.

La Volpe ist knurrig und knorrig zugleich. In der Vorbereitung auf den Confederations Cup zeigte sich der gebürtige Argentinier von seiner wortkargen Seite. Die ständigen Sticheleien von Mexikos ehemaligen Fußball-Idol Hugo Sanchez, der liebend gerne La Volpes Job übernehmen möchte, und der Streit um die Abstellung von vier Spielern des Clubs Chivas Guadalajara ließen den Coach in den Tagen vor dem Auftaktsieg gegen Japan meistens schweigen.

Seit der Qualifikation für das Halbfinale ist La Volpe ein bisschen redseliger geworden. Dieser Erfolg und die Serie von nunmehr 19 Spielen ohne Niederlage machen ihn vorerst unangreifbar, da kann der ehemalige Real-Madrid-Torjäger Sanchez daheim noch so viele Intrigen spinnen. "Siege wie gegen Brasilien zeigen, dass wir in der richtigen Richtung arbeiten, diese Mannschaft hat große Fortschritte gemacht", kann der Coach stolz verkünden. "Meine Arbeit in Mexiko hat erst 80 Prozent erreicht."

Seine Mannschaft bietet technisch feinsten Fußball, so wie auch in früheren Jahren. Doch sie agiert auch deutlich robuster und kämpferischer, seit der Argentinier die traditionell härtete Gangart des Fußballs seiner Heimat mit eingebracht hat. Sein kolumbianischer Kollege Francisco Maturana lobte den 53-Jährigen nach dem Sieg über Brasilien: "Der wesentliche Grund für den Sieg war die hervorragende taktische Ausrichtung durch La Volpe."

Dass die Lobeshymnen, die nun auch in der Heimat zu hören sind, schnell in Kritik umschlagen können, ist La Volpe bewusst. "Immer wenn wir verlieren, wird meine Nationalität ein Thema", sagte der Coach. Dabei lebt er inzwischen seit 26 Jahren in Mexiko und ist mit einer Mexikanerin verheiratet.

An dem ehemaligen Torwart, der 1978 zum argentinischen Weltmeister-Kader gehörte, dürfte bei Misserfolgen vor allem Sanchez wieder herumnörgeln. Wie sehr sich die beiden mögen, belegt La Volpes Kommentar über den ehemalige Torjäger und Salto-Spezialisten: "Sein Ehrgeiz übersteigt seine Ethik."

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