Missstände im WM-Land Katar
„Fifa darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen“

Fifa-Chef Blatter nennt die Situation in Katar untragbar. Beheben könne der Weltverband die Missstände aber nicht. Bundestags-Vize Roth sieht dagegen Blatter in der Pflicht – und fordert ein Ultimatum an das Emirat.
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DüsseldorfDas Motto, mit dem Fifa-Chef Joseph Blatter den Weltverband bewirbt, klingt für Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth wie blanker Hohn: „Fußball für alle, alle für den Fußball“. Dabei hat gerade erst ein 153-seitiger Bericht von Amnesty International die miserablen Zustände auf den Baustellen mit Verbindung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar dokumentiert. Daher sei der Zuschlag „an das menschenrechtsmissachtende Regime für viele Menschen vor Ort ein folgenschwerer und tragischer Fehler gewesen“, schreibt Roth in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online.

Für die Missstände, die Gastarbeiter aus Nepal, Sri Lanka und Indien treffen, trage auch die Fifa mit ihrer Entscheidung für Katar die Verantwortung. „Aus dieser kann sie sich nicht davon stehlen“, sagt Roth, die selbst als großer Fußball-Fan gilt. „Wenn grundlegende Menschenrechte für den Fußball mit Füßen getreten werden, dann dürfen die obersten Vertreter des Weltfußballs nicht wegschauen. Es ist eigentlich selbstverständlich, dass sie sich unmissverständlich für das sofortige Ende dieses Unrechts einsetzen, scharfe Kontrollen organisieren und Konsequenzen ziehen.“

Nach dem Amnesty-Bericht hat das WM-Organisationskomitee in Katar versprochen, die Bedingungen für Migrantenarbeiter zu verbessern. Roth fordert von der Fifa, dem Emirat ein Ultimatum zu setzen. „Was wir dringend brauchen, ist eine verbindliche Vereinbarung, bis wann das Kafala-System (Anmerkung der Redaktion: hohe Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften von ihrem Arbeitgeber) abgeschafft und die Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter entsprechend internationaler Mindeststandards angepasst sein werden“, schreibt Roth. „Wenn Katar die Vereinbarungen nicht einhält, erwarte ich von der Fifa, dass sie ihre Entscheidung revidiert und die Fußballweltmeisterschaft 2022 an ein anderes Land vergibt.“

Am Mittwoch hatte Fifa-Chef Blatter sich erstmals mit klaren Worten zum Thema Katar geäußert. „Untragbar“ sei die Situation, beheben könne der Weltverband die Missstände aber nicht. „Die Wirtschaft und die Politik müssen mithelfen, die untragbare Situation in Katar zu verbessern“, sagte Blatter nach einem einstündigen Treffen mit DGB-Chef Michael Sommer und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Bei dem Spitzentreffen in der Präsidenten-Lounge im Fifa-Hauptsitz in Zürich hatten der Fußball-Weltverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Lage im Emirat erörtert.

Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger nannte anschließend erstmals einen Zeitrahmen, in dem der Weltverband von Katar Veränderungen erwartet. „Das Ziel ist es, bereits bei der Sitzung des Exekutivkomitees im März 2014 über konkrete Maßnahmen vonseiten Katars berichten zu können. Dabei müssen die großen Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Und auch die Staatengemeinschaft muss sich der Verantwortung stellen.“

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    Ein Thema zu einer Zeit, in der CDU und SPD gerade die Demokratie abschaffen wollen und die GRÜNEN in der Opposition sind.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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