Moggi verhört
Rivera soll Italiens Fußball aus dem Chaos führen

Italiens Fußball-Legende Gianni Rivera soll den italienischen Fußball aus der dramatischsten Krise seiner Geschichte führen. „Wenn man mich fragt, können wir darüber reden“, sagte der Vize-Weltmeister von 1970.

HB ROM. Den früheren AC Mailand-Star und jetzigen Politiker wünschen sich immer mehr als kommissarischen Leiter an die Spitze des italienischen Fußballverbands (FIGC). Mit Rückendeckung der Regierung könnte der Europaabgeordnete den Sumpf aus Korruption und Manipulation trockenlegen, in dem die gerade mit Juventus Turins 29. Meistertitel zu Ende gegangene Serie A zu versinken droht.

Der Skandal um Juve und seinen schwer beschuldigten Manager Luciano Moggi hat den Italienern die Freude am Fußball vermiest: „Endlich ist es vorbei“, titelte die Zeitung Il Secolo XIX zum Meisterschaftsfinale. „Addio, du hässlichste Liga der Welt“, schrieb La Repubblica am Montag, an dem Moggi als mutmaßlicher Kopf einer Art Fußball-Mafia erstmals von den Staatsanwälten aus Neapel verhört wurde. Noch am Sonntag war er von allen Ämtern zurückgetreten. „Das ist nicht mehr meine Welt“, erklärte der 68-Jährige seinen Abschied vom Fußball. Schuldeingeständnisse machte er nicht. Genauso wenig wie alle anderen Zurückgetretenen, zu denen sich am Wochenende auch noch Schiedsrichter-Chef Tullio Lanese gesellte.

Die fünf ermittelnden Staatsanwaltschaften weiteten ihre Ermittlungen mittlerweile auch auf die Saison 2000 aus. In Rom sollen dazu Juves damaliger Trainer und jetziger Milan-Coach Carlo Ancelotti sowie Italiens früherer Star-Schiedsrichter Pierluigi Collina befragt werden. Der Fußballverband kündigte an, sich als Geschädigter in möglichen Prozessen als Nebenkläger zu beteiligen.

In Turin herrschte derweil Katerstimmung. Nachdem die zurückgetretene Juve-Führung am Flughafen von aufgebrachten Juve-Fans beschimpft worden war, hatte der Club die geplante Siegesfahrt im offenen Bus durch die Innenstadt abgesagt. Der Titel scheint ohnehin nichts wert, zumal fraglich ist, ob Juve den „Scudetto“ überhaupt behalten darf. Silvio Berlusconi fordert die Meistertitel der letzten beiden Jahre für seinen AC Mailand. Da aber auch Milan ins Visier der Justiz gerückt ist, wird schon spekuliert, ob nicht am Ende noch Inter Mailand als lachendem Dritten der Titel zuerkannt wird.

„Juve ist nur provisorischer Meister“, sagte jedenfalls der zurückgetretene Fußballverbandspräsident Franco Carraro. Bewahrheiten sich die Manipulationsvorwürfe gegen Moggi, drohen Juve Zwangsabstieg, Aberkennung der letzten beiden Titel, Ausschluss aus der Champions League und ruinöse Einnahmeverluste von rund 300 Millionen Euro. Als kleiner Vorgeschmack auf den sich ankündigenden Absturz rasselte die Juve-Aktie in Mailand am Montag mit einem zwischenzeitlichen Verlust von 20 % in den Keller und musste vom Handel ausgesetzt werden.

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