MSV Duisburg
Einmal Hölle und zurück - eine persönliche Bilanz

Der MSV wieder da! Nach zwei langen Jahren in der Dritten sind die „Zebras“ aus Duisburg in Liga zwei aufgestiegen – und damit endlich wieder da, wo sie hingehören. Eine blau-weiß gestreifte, ganz persönliche Bilanz.
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DuisburgEs gibt nur zwei Wege, Fan eines bestimmten Fußballclubs zu werden, hat mir neulich einer gesagt. Entweder man erbt den Verein von seiner Familie oder man wohnt in der Stadt, in der der Club spielt. Bei mir trifft beides zu – und glauben Sie mir, das hat mein Leben nicht immer einfach gemacht.

Fan des MSV Duisburg zu sein (so ein richtiger, mit Dauerkarte im Portemonnaie, MSV-Fahne am Haus und Zebra-Aufkleber am Auto), das ist oft nicht leicht. Probleme, von denen andere montagsmorgens im Büro sprechen, sind für uns keine: Fortuna Düsseldorf patzt gegen Aalen? „Denen wurde immerhin nicht die Lizenz entzogen“, denkt der MSV-Fan. Auf Schalke bekommt man eine Krise, wenn man die Europa League verpasst? „Die spielen immerhin in der ersten Liga“, denkt der MSV-Fan. Und: „Darüber würde ich auch gerne mal jammern können.“

Sie sehen: Wer ein „Zebra“ sein will, muss leidensfähig sein. Zum Heulen ist in Duisburg immer was. So wie 1998, als man im DFB-Pokalfinale gegen Bayern verlor. Oder 2011, als dasselbe gegen Schalke passierte (0:5, mehr muss man dazu nicht sagen). Oder in der Bundesliga-Saison 2005/2006, als der MSV aus dem Tabellenkeller nicht rauskam und schließlich mit nur 27 Punkten als Tabellenletzter absteigen musste. Oder die anderen sechs Abstiege aus der Ersten Liga.

Es gibt viele tränenreiche Momente im Leben eines MSV-Fans. Aber der schlimmste war wohl der, als der Verein im Frühjahr 2013 vor dem Bankrott stand. „Wegen des fehlenden Nachweises der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verweigerte der Lizenzierungsausschuss des Ligaverbandes dem MSV am 29. Mai 2013 die Lizenz für die Zweitligasaison 2013/14“, heißt es auf Wikipedia. Was so nüchtern klingt, war die Hölle für uns. Tagelang war nicht klar, ob der Klub in die Insolvenz gehen musste, ob es überhaupt weitergehen würde mit dem Profifußball in Duisburg.

Noch heute kann ich mich gut erinnern an den Frust und Schmerz dieser Tage. Vielleicht sagen Sie jetzt, ist doch nur Fußball, wie kann man sich da so reinsteigern. Aber für mich fühlte es sich damals an, als wäre ein guter Freund vom finalen Untergang bedroht.

Vielen Duisburgern ging es ähnlich. Die ganze Stadt zeigte Streifen, an jedem zweiten Haus wehte eine MSV-Flagge, es gab Protestmärsche und – über alle Rivalität und Konkurrenz hinweg – Solidaritätsbekundungen aus ganz Fußballdeutschland, die mich noch heute zu Tränen rühren.

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Der Aufstieg perfekt - was für ein Glückgefühl

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