Mühsamer 1:0-Sieg gegen China
Vierter Akt eines Trauerspiels

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat gestern Abend in Hamburg den vierten Akt ihres aktuellen Trauerspiel aufgeführt. Das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gewann nach den schwachen Partien gegen die Niederlande (2:2), die Slowakei (0:2) und die Türkei (1:2) vor 48 734 Zuschauern mühsam mit 1:0 (0:0) gegen die international zweitklassige Elf aus China. Das einzige Tor des Abends schoss Torsten Frings per Foulelfmeter zu Beginn der zweiten Halbzeit.

HAMBURG. Vor dem ersten Spiel der beiden Mannschaften gegeneinander stellte sich die Frage, wer eigentlich wessen Aufbaugegner war. Sollten die Chinesen der deutschen Nationalelf zu neuem Selbstbewusstsein verhelfen, indem sie sich als der erwartet schwache Gegner präsentierten? Oder witterten die in der WM-Qualifikation früh ausgeschiedenen Asiaten ihre Chance, sich an einer angeschlagenen deutschen Mannschaft wieder aufzurichten? Aus deutscher Sicht war die Situation für viele Beobachter allerdings vor dem Spiel klar: Bei den Chinesen sollte es ordentlich im Tornetz zappeln, ein hoher Sieg war Pflicht. Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte aus dieser Sicht den Sinn des Länderspiels gar gleich angezweifelt. Die deutsche Mannschaft brauche vernünftige Gegner, hatte er gesagt, ein Spiel gegen die Chinesen bringe die Mannschaft nicht weiter.

Doch die chinesische Elf tat den Deutschen nicht den Gefallen, sich ohne nennenswerte Gegenwehr zu ergeben. Ganz im Gegenteil: Das Team von Trainer Guanghu Zhu verteidigte aggressiv, zeitweise griffen die Chinesen die deutsche Elf schon in der eigenen Hälfte an. Und so verpuffte der Anfangsschwung der deutschen Spieler sehr bald, fanden sie doch einfach keine spielerischen Mittel, um den kompakten Abwehrriegel der Chinesen zu knacken.

„Es war klar, dass dieses Spiel heikel wird. Wenn man gegen so ein Bollwerk antritt, muss man schneller in die Spitzen spielen. Das ist uns nicht gelungen, obwohl die Mannschaft sich sehr bemüht hat. Das Spiel ist ein Paradebeispiel für das, was bei der WM auf uns zukommt. Auch im nächsten Jahr werden wir in der Vorrunde gegen Gegner spielen, die sich nur hinten reinstellen“, analysierte Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Partie.

Klinsmann hatte seine Mannschaft gegenüber dem Spiel in Istanbul auf vier Positionen verändert: Im Sturm spielte Oliver Neuville, Christoph Metzelder rückte in die Innenverteidigung und machte sein erstes Länderspiel seit mehr als zwei Jahren. Arne Friedrich verteidigte auf der rechten Seite. Und Sebastian Deisler spielte von Beginn an. Ansonsten änderte Klinsmann nichts am nach dem Türkei-Spiel viel gescholtenen Mittelfeld um Ballack-Vertreter Tim Borowski, Bastian Schweinsteiger, Bernd Schneider und Torsten Frings.

Und wie schon im Spiel gegen die Türken zeigte sich, dass der nach wie vor grippegeschwächte Kapitän Michael Ballack der deutschen Mannschaft an allen Ecken und Enden fehlte – Borowski blieb blaß, Deisler ging häufig übermotiviert zur Sache und verpatzte dadurch die ein oder andere gute Situation und Frings wirkte phasenweise indisponiert. Schon nach zehn Minuten gab es deshalb die ersten Pfiffe – nach einem Fehlpass von Frings. Die meisten Akzente setzten noch Schneider und Sebastian Schweinsteiger auf der linken Seite.

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