Mythos Borussia Mönchengladbach
Zurück in die Vergangenheit

Die Fohlen scharren mit den Hufen. Borussia Mönchengladbach hat wieder ein Team, das Hoffnungen auf große Erfolge weckt. So wie in den goldenen Siebzigerjahren, als der Kult um den Verein am Niederrhein begann.
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DüsseldorfDer Fußballklub Borussia Mönchengladbach ist wieder obenauf. Dritter in der Bundesliga, direkt für die Champions League qualifiziert und in der Rückrunde sogar bestes Team der Liga – vor den großen Bayern. Kein Wunder, dass da Erinnerungen an die goldene Zeit der Gladbacher in den Siebzigern wach werden: als die Borussia nicht nur die Liga, sondern auch Europa rockte.

Mit dem Schweizer Lucien Favre haben die Borussen wieder einen Übungsleiter, der ähnlich wie die längst verstorbene Trainerlegende Hennes Weisweiler arbeitet. Das stellt sogar dessen Witwe Gisela Weisweiler fest. „In Lucien erkenne ich meinen Mann wieder.“ Auf Weisweilers Stufe steht Favre zwar noch nicht. Doch er ist auf dem Weg dahin.

Favre belebt einen Mythos, der Mitte der Sechzigerjahre in der Regionalliga entstand. Am 27. April 1964 unterschrieb Weisweiler bei Borussia Mönchengladbach. „Das war für den Verein ein Führungs- und Paradigmenwechsel der elementaren Art, wie er schärfer kaum hätte ausfallen können“, stellen Kurt Röttgen und Hermann Josef Weskamp in dem Buch „Hennes Weisweiler“ fest.

Hennes, wie ihn alle nannten, blieb elf Jahre, so lange wie keiner vor ihm in der Bundesliga. Von Beginn an war Günter Netzer ein wichtiger Bestandteil seines Teams, als Spielmacher mit der Nummer 10. „Zwei höchst unterschiedliche Persönlichkeiten – eine Idee vom Fußball“, schreiben Röttgen und Weskamp. „Sie schwören auf Offensive, auf ihre eigenen Stärken.“

Das Konzept ging schon in der Regionalliga auf. In der Saison 1964/65 schoss die Truppe von Weisweiler 92 Tore und stieg in die Bundesliga auf. „Es ist die Geburtsstunde der Fohlenelf“, urteilen die Weisweiler-Biographen. Der Name stamme von dem Sportjournalisten August Hurtmanns. „Er passt trefflich auf die vor lauter Lust und Kraft manchmal überschäumende Spielweise.“

Vorne hui, hinten pfui – dies war allerdings ebenfalls lange ein Kennzeichen der Gladbacher Spielweise. So kassierte die Elf im ersten Bundesligajahr 68 Gegentore, konnte aber trotzdem auf Platz 13 den Klassenerhalt sichern. In den folgenden Jahren ging es langsam aufwärts. Platz acht und zwei dritte Plätze folgten. Doch der eigentliche Durchbruch sollte erst danach kommen.

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