Mythos Magath bröckelt: Versagt, vorgeführt, gedemütigt – Alarmstimmung auf Schalke

Mythos Magath bröckelt
Versagt, vorgeführt, gedemütigt – Alarmstimmung auf Schalke

Nach dem historischen Fehlstart in die Saison gekrönt noch von einer Lehrstunde im eigenen Stadion ausgerechnet durch den Erzrivalen Borussia Dortmund mehren sich auf Schalke die Zweifel am radikalen Umbruch von "Alleinherrscher" Felix Magath. Der einst als Heilsbringer gefeierte Trainer und Manager wirkt erstmals angeschlagen. Antworten auf die Krise hat er bisher nicht. Und die Spieler üben mehr und mehr offen Kritik.
  • 0

HB GELSENKIRCHEN. Versagt, vorgeführt, gedemütigt - mit dem schlechtesten Saisonstart der Clubgeschichte ist der FC Schalke 04 am Tiefpunkt angekommen. Mit versteinerter Miene kommentierte der zuletzt noch umjubelte Felix Magath die 1:3 (0:1)-Schlappe im 136. Revierderby gegen Borussia Dortmund, bei der schonungslos alle Schwächen seines Millionenensembles aufgezeigt worden waren. Nach einem der "schlimmsten Tage" seiner Trainerlaufbahn wirkt der einstige Heilsbringer des Vizemeisters erstmals in seiner Amtszeit sichtlich angeknockt und ratlos.

Er musste erkennen, dass sein radikaler Umbruch den Vizemeister geradewegs in die tiefste Krise seit über 20 Jahren geführt hat. Die Fragen, ob er bei seinen Einkäufen für 37 Mio. Euro danebengegriffen hat, wurden immer lauter, seine Antworten immer ausweichender. Auch eine Antwort auf die drängendste Frage, wie er das "völlig verunsicherte" Team bis zu Spiel beim SC Freiburg am Mittwoch wieder aufrichten will, blieb er schuldig. Zweifel, an seinem Konzept mit dem Total-Umbruch hegt der "Alleinherrscher" bisher aber nicht. "Man darf jetzt nicht alles grundsätzlich infrage stellen. Ich muss das Spiel erst analysieren, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wir müssen was verändern." Aber was?

Hatte Magath bei den vier Liga-Pleiten und dem 0:1 in Lyon noch gute Ansätze gesehen, müsse er die Lage nach der desaströsen Vorstellung nun "völlig neu bewerten". "Wir waren nie ein richtiger Gegner. Erstmals musste ich feststellen, dass wir völlig verunsichert waren und überhaupt keine Chance hatten, das Spiel zu gewinnen", befand der Trainer. Wegen des angespannten Nervenkostüms seines ohne jedes Selbstvertrauen agierenden Teams ist der 57-Jährige vor dem Gastspiel beim Tabellen-Vierten Freiburg mehr denn je als Krisenmanager und Psychologe gefordert.

"Es ist vor allem ein nervliches Problem. Wir müssen möglichst schnell die Verunsicherung aus den Köpfen bekommen", meinte Magath, der wegen Runderneuerung des mit 37 Mio. Euro "verstärkten" Kaders auch in den eigenen Reihen stärker unter Rechtfertigungsdruck gerät. Doch selbst die seltsam stillen Fans in der Arena, die das Desaster tapfer ertrugen, sehen keine Alternative, als mit Magath weiterzumachen. "Das man jetzt den Trainer los werden will, das ist noch nicht so", sagte ausgerechnet der von Magath vor Wochen als Fan-Beauftragter entmachtete Rolf Rojek am Montag. "Aber natürlich häufen sich Stimmen und fragen, ob das alles richtig war."

Und diese kommen nach fünf Pflichtspielpleiten in Folge und dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz immer öfter und immer lauter auch aus den Reihen der Spieler. Ein vernichtendes Urteil über den leblosen Auftritt seiner Elf fällte Torwart Manuel Neuer. "Es war von uns kein wirkliches Derby, es kam mir vor wie ein Freundschaftsspiel. Es war klar, dass wir nicht mit breiter Brust auflaufen würden, aber dann muss man sich wenigstens über die Zweikämpfe Selbstvertrauen holen", klagte der Kapitän. "Wir haben zu wenige Spieler, die Verantwortung übernehmen", stellte Neuer unverblümt fest. Der Nationaltorwart vermisst vor allem die abgegebenen Führungsspieler Marcelo Bordon und Heiko Westermann, die der besten Abwehr der Bundesliga in den vergangenen Jahren Stabilität verliehen hatten. Sie fehlt jetzt völlig. Schon neun Gegentore kassierte die Abwehr in nur vier Bundesliga-Spielen.

Seite 1:

Versagt, vorgeführt, gedemütigt – Alarmstimmung auf Schalke

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Mythos Magath bröckelt: Versagt, vorgeführt, gedemütigt – Alarmstimmung auf Schalke"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%