Nach Ansicht von Sportökonom Frick wird Bayern Meister und Mainz steigt ab
Und Geld schießt doch Tore

Geld schießt keine Tore“ ist eine alte Fußballweisheit von Otto Rehhagel. Doch sie hat einen Haken: Sie stimmt nicht.

HB DÜSSELDORF. Der Erfolg in der Bundesliga ist bis zu einem gewissen Grad käuflich, ja es gilt sogar die Regel: Gib den Profis mehr Geld, und sie holen mehr Punkte. Professor Bernd Frick, Sportökonom an der Privatuniversität Witten/Herdecke, hat an Hand von Daten aus 22 Bundesliga-Spielzeiten (1981-2003) nachgewiesen, dass ein Team sich einen zusätzlichen Sieg sichert, wenn es seinen Spielern unter sonst gleichen Bedingungen zehn Prozent mehr Gehalt zahlt.

Drei Punkte, die auf den ersten Blick teuer erkauft sind, wenn man an die hohen Gehälter in der Bundesliga denkt. Doch ein Sieg kann über Abstieg oder Nichtabstieg, über die Teilnahme am Uefa-Cup, der Champions League oder sogar über die Meisterschaft entscheiden. Denn in der Regel liegen zwischen diesen Welten nur wenige Punkte – und Millionen an Werbe-, Fernseh- und Antrittsgeldern. Man denke nur an die Saison 2000/2001 als Schalke 04 beinahe Meister geworden wäre.

So gesehen – jegliche Fußballromantik mal außer acht gelassen – ist es also richtig, dass die Liga-Klubs ihre Gesamtetats kräftig aufstocken: 624,7 Millionen Euro veranschlagen die Vereine für die Saison 2005/2006. In der vorherigen Spielzeit waren es 574,8 Millionen Euro. Krösus der Liga sind die Bayern aus München mit einem Etat von etwa 60 Millionen Euro. Die Strategie hat Erfolg: „Der Fußballgott muss ein Münchener sein“, stöhnen die Fans der anderen Vereine, wenn die Bayern wieder Meister werden – 19 Mal nun schon insgesamt. Doch der Fußballgott kann gar nichts dafür. Exklusiv für das Handelsblatt hat Sportökonom Frick an Hand seiner Forschungsergebnisse die Abschlusstabelle dieser Spielzeit errechnet (siehe Tabelle): Demnach werden die Bayern wieder Meister, die Uefa-Cup-Plätze heiß umkämpft sein und Mainz absteigen. Die unterschiedliche sportliche Leistung lässt sich nach Frick zu 70 Prozent mit unterschiedlichen Gehältern erklären. Zudem berücksichtigt er Vertragslaufzeiten und die Spielerfluktuation. Seine Methode schneide in den 22 Spielzeiten, die er untersucht habe, deutlich besser ab, als subjektive Expertenratings, die etwa der Kicker veröffentlicht, sagt der Sportökonom. Bayern-Liebhaber können also schon frohlocken. Ihnen sei jedoch eine andere Erkenntnis Fricks ans Herz gelegt: „Besonders teure Spielerkader sind dem sportlichen Erfolg abträglich.“ Wenn die Spielergehälter ungefähr das Dreifache des Ligadurchschnitts erreichen, dann werden aus Superstars plötzlich wieder schlappe Millionarios, hat der Sportökonom heraus gefunden. Die Fans müssen also Felix Magath danken, der dafür verantwortlich ist, dass die Münchener Spieler diesen Punkt noch nicht erreicht haben. Denn der Trainer beteuert seit Wochen, dass er mit seinem teuren aber eben nicht zu teuren Kader rundum zufrieden ist. Auf besonders fruchtbaren Boden fällt der Geldregen nach den Forschungen von Frick in den Vereinen, die außerdem ihren Kader möglichst stabil halten und die Laufzeiten der Verträge mit den Spielern geschickt aushandeln. Anders ausgedrückt: Die Spieler bekommen Beine, wenn am Ende der Saison ihr Vertrag ausläuft. Das lässt sich auch in wichtigen Punkten ausdrücken: Wenn statt vier sogar acht Verträge von Spielern auslaufen, „dann stehen am Ende der Saison zwei zusätzliche Punkte zu Buche“, sagt Frick. Doch rechtzeitig vor Saisonende sollte der Verein die Verträge mit den Spielern verlängern, denn der Verlust von erfahrenen Profis kostet auch Punkte: Gibt ein Team am Ende einer Saison Spieler mit einer Bundesligaerfahrung von insgesamt 230 Einsätzen ab, dann fällt die Mannschaft in der Abschlusstabelle um einen Rang. Um das wieder aufzuholen, müsste das Team Spieler mit einer gesamten Bundesligaerfahrung von 300 Einsätzen kaufen. Und, welche Mannschaft hält ihren Kader sehr stabil und stellt sich in der Vertragspolitik geschickt an? Richtig, die Bayern. Übertroffen werden sie nur vom VfL Wolfsburg bei der Fluktuation, und von Kaiserslautern, Hertha BSC und Hannover 96 bei der Vertragspolitik. Absteigen werden am Ende der Rechnung und Saison die schon erwähnten armen Mainzer, die ihren Spielern am wenigsten bezahlen, die Bielefelder und der MSV Duisburg.

Bevor Fans dieser Mannschaften aber schon mal vorsorglich ihre Fahnen verbrennen sei ihnen mit den Worten Fricks gesagt: „Zufallsfaktoren wie Glück, Pech oder Verletzungen haben einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf einzelner Spiele wie ganzer Meisterschaftsrunden.“ Und machmal scheren sich die Spieler ja auch nicht um die Ökonomie . . .

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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