Nach Blatter-Rücktritt
WM-Gastgeber Kanada atmet auf

Fußball statt Hockey: Das Gastgeberland der Damen-Fußball-WM ist nicht gerade als Ballsport-Mekka bekannt. Trotzdem freut sich Kanada auf die Meisterschaft – auch wegen des Rücktritts von Fifa-Präsident Joseph Blatter.
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OttawaSo hatte es sich der kanadische Fußballverband sicher nicht vorgestellt: Erst überlagerte monatelang die Kontroverse um den Kunstrasen die Vorbereitung auf die Frauenfußball-WM, dann warf der Korruptionsskandal in der Fifa und die Festnahme von Funktionären einen Schatten auf das schöne Spiel, das „beautiful game“, wie es in Kanada genannt wird. Der angekündigte Rücktritt von Sepp Blatter als Fifa-Präsident wurde in der Canadian Soccer Association (CSA) mit Erleichterung aufgenommen. Die WM soll ein alle Fans begeisterndes Ereignis werden – mit einem neuen Besucherrekord für den Frauen-Fußball.

CSA-Präsident Victor Montagliani hofft, dass die Frauen-WM „die Wolken aufbricht“, denn der Frauen-Fußball sei in vielfältiger Weise „ein leuchtendes Licht“, denn „diese Mädchen spielen wirklich wegen ihrer Libe für das Spiel“. Kanada hatte beim Fifa-Kongress in Zürich in der vergangenen Woche gegen Blatter gestimmt. Über die Vergangenheit sagt er: „Ich glaube, wir haben unseren moralischen Kompass im Spiel verloren.“ Nun hofft er auf einen Neubeginn. Da hilft es, dass weder Sepp Blatter noch Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke zur Eröffnung des Turniers nach Kanada kommen wollen.

Mit Kanada ist ein Land Gastgeber der Frauen-WM, das als „Mutterland“ des Eishockey und für seine Hockeyleidenschaft bekannt ist. Aber das verdeckt, dass Fußball die Sportart mit den meisten registrierten Sportlern ist. Rund 865.000 Spieler sind bei der CSA registriert, mehr als 40 Prozent sind Frauen und Mädchen. Während es den Männern nur einmal gelang, sich für eine Fußball-WM zu qualifizieren – 1986 in Mexiko –, konnten sich die Frauen seit 1995 fünfmal in Folge für die WM qualifizieren und sind nun als Gastgeber dabei. Der vierte Platz 2003 war Kanadas bisher bestes WM-Resultat. Fußballbegeisterung weckten die Frauen vor allem mit dem Gewinn von Bronze bei den Olympischen Spielen 2012.

„Fußball ist die am schnellsten wachsende Sportart in Kanada“, sagt CSA-Generalsekretär Peter Montopoli. Von den in Clubs registrierten 865.000 Spielern sind 355.000 Frauen und Mädchen, davon 287.000 im Jugendbereich. Nun strebt der kanadische Verband die magische Zahl von einer Million Spielern und Spielerinnen an. Die CSA erhofft sich von der Frauen-WM, die bis 5. Juli in den sechs kanadischen Städten Vancouver, Edmonton, Winnipeg, Ottawa, Montreal und Moncton ausgetragen wird und damit ein Turnier ist, das vom Atlantik bis zum Pazifik ausgetragen wird, einen weiteren kräftigen Schub. Auf jeden Fall soll das Turnier einen neuen Zuschauerrekord für Frauen-Weltmeisterschaften bringen: 1,5 Millionen Zuschauer. Unrealistisch ist das nicht: Mehr als 28.000 Fans sahen 2014 in Winnipeg ein Freundschaftsspiel der Kanadierinnen gegen die USA.

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