Nach dem Anschlag
Der BVB, Tuchel und das Gefühl der Ohnmacht

Mit 2:3 hat Dortmund das Spiel gegen Monaco verloren. Doch das Ergebnis gerät zur Nebensache. Trainer Tuchel und einige Spieler hätten nach eigenen Aussagen deutlich mehr Zeit gebraucht, um den Anschlag zu verarbeiten.
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DortmundAuf der Pressekonferenz nach dem Spiel plädierte Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel vehement für Menschlichkeit und gegen knallhartes Termindiktat. Der Akt des Terrors, dem sich der Trainer und seine Fußballer unterworfen sahen, habe ja schließlich die Menschen getroffen und nicht einen Bus. „Das steckt uns allen in den Knochen“, ließ Tuchel nach dem 2:3 gegen AS Monaco wissen. „Es gibt einem das Gefühl der Ohnmacht“ – allein dieser Satz drückte das Empfinden Tuchels aus, machtlos gewesen zu sein gegen die seiner Meinung nach viel zu schnelle Neuansetzung des Königsklassenspiels. „Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht. Die haben wir nicht bekommen.“

Tuchel selbst sei in den Entscheidungsprozess zur Ansetzung des Spiels nicht eingebunden gewesen: „Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt, wir wurden per SMS informiert.“ Das war es. Und das nur kurz nach dem Anschlag auf den Team-Bus, der in Tuchel auch zwei Tage danach „ein seltsames, ein surrealistisches“ Gefühl hervorrief.

Auch BVB-Abwehrchef Sokratis sagte am Mittwoch nach dem Spiel gegen Monaco: „Wir sind keine Tiere. Wir sind Menschen mit einer Familie, mit Gefühlen. Das war der schwierigste Tag meines Lebens. Ich konnte nicht ans Sportliche denken. Ich denke, für jeden war es das schwerste Spiel seines Lebens.“

Borussia-Kapitän Marcel Schmelzer war nach dem Hinspiel gegen Frankreichs Tabellenführer noch immer fassungslos: „Das ist und das darf nichts Normales werden. Man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ich denke immer noch, dass die Zeit viel zu kurz war, um das Geschehene zu verarbeiten.“ Alle, Coach und Spieler, wären gern gefragt worden, „weil es uns passiert ist und nicht den Leuten, die in einem Büro entschieden haben, dass gespielt wird“.

Kritik übt Tuchel vor allem an denen, die für den neuen Termin verantwortlich waren: „Wir hatten das Gefühl, als ob wir so behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen.“ Doch war es mitnichten eine Bierdose. Drei Sprengkörper, die nach Aussagen von NRW-Innenminister Ralf Jäger eine „enorme Sprengkraft“ gehabt hätten, haben den Bus getroffen. Abwehrspieler Marc Bartra musste in einer Klinik operiert werden. Er hat sich eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk und Fremdkörpereinsprengungen im Arm zugezogen.

Und nicht drei Sprengkörper. „In der Schweiz Dinge zu entscheiden, bei denen wir unmittelbar betroffen waren – das ist ein Gefühl, das hat sich bei uns allen festgesetzt.“ Und das habe sich „sehr bescheiden“ angefühlt. Europas Dachverband betonte, nicht im Alleingang über den neuen Termin entschieden zu haben. „Die UEFA war am Mittwoch mit allen Parteien in Kontakt und hat niemals eine Information erhalten, die angedeutet hat, dass eines der Teams nicht spielen wollte“, teilte der Kontinentalverband am Donnerstag mit.

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