Nach dem Schützenfest gegen Serbien und Montenegro
„Gauchos“ wollen die Favoritenrolle nicht

Argentinien ist nach der Gala gegen Serbien und Montenegro das Maß der Dinge bei der WM. Während man bei den Südamerikaner nach dem famosen 6:0 zumindest verbal den Ball flach hält, befinden sich die gedemütigten Europäer im Tal der Tränen. Zwei Schlüsselfiguren zogen bereits am Tag nach dem Debakel ihre Konsequenzen.

GELSENKICHEN/HERZOGENAURACH. Vor der WM war der "Göttliche" über Monate hinweg der größte Kritiker von José Pekerman, hätte den Trainer der argentinischen Nationalmannschaft am liebsten selbst abgelöst. Doch am Freitagnachmittag hüpfte "kleines dickes Maradona" nach der zauberhaften Fußball-Galader "Albiceleste" beim 6:0 gegen Serbien und Montenegro auf der VIP-Tribüne des WM-Stadions in Gelsenkirchen wie ein Gummiball auf und nieder und wollte sich im traditionellen hellblau-weißen Nationaltrikot seines Landes gekleidet gar nicht mehr einkriegen vor Begeisterung. "Wir fahren als Weltmeister nach Hause - wie 1986", schrie Argentiniens Fußball-Idol immer wieder. Man stelle sich mal Franz Beckenbauer oder Lothar Matthäus so vor. Aber so ist eben Maradona. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt.

Maradona, der angesichts der brillianten Vorstellung seiner Erben schon lange vor dem Abpfiff genüsslich eine Havanna paffte und sich das eine oder andere Glas Champagner gönnte, hatte allen Grund, begeistert zu sein. Denn die Argentinier hatten wahrhaftig weltmeisterlich gewirbelt, damit auch die Konkurrenz beeindruckt und sich zumindest vorerst zum Maß der Dinge bei dieser WM aufgeschwungen.

Die Konkurrenz zeigte sich jedenfalls tief beeindruckt. Hollands Fußball-Idol Johan Cruyff etwa zog "den Hut vor Argentinien" und fragte rhetorisch: "Wisst ihr eigentlich, wie schwer es ist, sechs Tore in einem WM-Spiel zu schießen?" Auch Spaniens Nationaltrainer Luis Aragones geriet ins Schwärmen: "Das war das Beste, was ich bisher gesehen habe", sagte der 67-Jährige: "Sie sind als Team die Besten, und das sage ich nicht nur wegen des 6:0." Selbst der eher zurückhaltende Pekerman sprach anschließend von einer "tollen Teamleistung": "Wir haben eine gute Mannschaft, die gewinnen will und weiß, was sie kann." Jetzt wolle man im letzten Spiel gegen die ebenfalls bereits für das Achtelfinale qualifizierten Niederläderauch den Gruppensieg. "Das wird ein großes Match", versprach er für das letzte Gruppenspiel am Mittwoch.

Pekermans Spieler waren dagegen am Wochenende nach ihrer zauberhaften Fußball-Gala um Bodenhaftung bemüht und wollten die Last, die die Rolle des Topfavoriten mit sich bringt, nicht schultern. "Wir müssen uns weiter verbessern, wir wollen als Mannschaft noch mehr zusammenwachsen", sagte Spielmacher Juan Riquelme mit ernstem Blick und erntete verwunderte Blicke.

Auch der zweifache Torschütze Maxi Rodriguez und Kapitän Juan Sorin versuchten, den Ball flach zu halten. "Gegen Serbien und Montenegro haben wir ein Riesenspiel gemacht, doch gelingt so etwas nicht in jeder Partie eines WM-Turniers. Dessen müssen wir uns alle bewusst sein. Wir müssen noch hart an uns arbeiten, wenn wir Weltmeister werden wollen", warnte Rodriguez nach der Rückkehr ins WM-Quartier in Herzogenaurach. Und Sorin schob die Favoritenrolle lieber weiter: "Für mich sind die Titelkandidaten weiterhin Brasilien, England und Deutschland. Wir haben zwar einen großen Schritt gemacht, aber wir sind noch nicht im Halbfinale oder im Endspiel, noch nicht mal im Viertelfinale."

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