Nach Einzug ins Achtelfinale
„Down Under“ steht Kopf

Australiens Nationalteam hat durch das 2:2-Remis gegen Kroatien über Nacht Heldenstatus erlangt. Die "Socceroos" haben durch ihren ersten WM-Achtelfinaleinzug der Geschichte die Heimat in kollektiven Jubel versetzt.

Schon auf dem Platz lagen sich Australiens Fußball-Helden in den Armen. In der Heimat machten Mill. Fans den 23. Juni kurzerhand zu einem Feiertag und Harry Kewell wurde geadelt. Nach einem unvergesslichen Spiel für die Fußball-Geschichtsbücher und einer Achterbahnfahrt der Gefühle schwimmen die Fans der "Socceroos" auf einer Welle der Euphorie. Und die Heroen wollen ihren Weg bei der WM fortsetzen. "Wir bleiben zwar realistisch, aber natürlich träumen wir vom Finale", erklärte der Neu-Nürnberger Joshua Kennedy in der Stunde des größten Triumphes.

Der Ruhm ist den "Aussies" bereits sicher - allen voran Harry Kewell, der sein Team bei der zweiten Endrunden-Teilnahme nach 1974 in Deutschland mit dem Tor zum 2:2 (1:1) gegen Kroatien erstmals ins Achtelfinale schoss. "Kewell macht sich unsterblich!", titelte "The Sydney Morning Herald" und der TV-Sender Foxsports verkündete auf seiner Internetseite: "Kewell, der Held! Seine Tat wird ewig in den Erinnerungen der Australier bleiben."

Kewell wird "König Harry"

Von Premierminister John Howard, der die Partie in der Hauptstadt Canberra wie die Meisten seiner Landsleute im ganzen Land live vor einer Großleinwand verfolgte, wurde Kewell spontan "geadelt" und zu "König Harry" ernannt. Der 27-Jährige selbst widmete "das wichtigste Tor meines Lebens" dem verletzten Teamkollegen Djibril Cisse vom englischen Rekordmeister FC Liverpool, der seine WM-Teilnahme mit Ex-Weltmeister Frankreich wegen eines Beinbruchs absagen musste.

Nationaltrainer Guus Hiddink lag mit seiner Einschätzung richtig. "Ich denke, dass die Arbeit in Australien jetzt still steht und viele Menschen feiern", sagte der Niederländer: "Für uns ist es leider schwierig, mal eben zurückzufliegen und mitzufeiern. In Holland wäre das einfacher." Dafür stieß The Daily Telegraph aus der Ferne auf den "Meilenstein für Australiens Fußball" an und schrieb: "Prost Guus! Ein Salut für Australien!"

Für Hiddink und die Australier ist die Mission aber noch nicht beendet. Im Achtelfinale treffen die Kicker von Down Under am Montag (17.00 Uhr) in Kaiserslautern auf den dreimaligen Weltmeister Italien - und da könnte sich die Geschichte von vor vier Jahren wiederholen, als Hiddink mit Gastgeber Südkorea die Squadra Azzurra in der Runde der besten 16 nach Hause schickte.

Drei Gelbe Karten für Simunic

Zweimal glichen die Australier mit "Löwenherzen" (Hiddink) einen Rückstand durch Darijo Srna (2.) und dem Berliner Niko Kovac (56.) aus. Erst traf der frühere Mönchengladbacher Craig Moore per Handelfmeter (38.), dann stürzte Kewell mit seinem Tor elf Minuten vor Schluss Australien in einen kollektiven Jubelrausch.

Dabei ließen sich die Australier vor 52 000 Zuschauern im ausverkauften Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion auch nicht von Schiedsrichter Graham Poll aus dem Konzept bringen. Der Engländer verlor in der hektischen Schlussphase komplett die Übersicht. Erst versagte er den Australiern beim Stand von 1:2 einen weiteren klaren Handelfmeter, dann zeigte er Josip Simunic zweimal Gelb, ohne ihn vom Platz zu stellen.

Erst nach seiner dritten Verwarnung in der Nachspielzeit sah der Berliner dann doch noch die "Ampelkarte". Im offiziellen Matchreport des Weltverbandes Fifa wurde eine Gelbe Karte für Simunic unterdessen kurzerhand gestrichen. Zuvor hatte Poll auch noch Dario Simic (85.) und auf der Gegenseite Brett Emerton (87.) wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gezeigt. Es war erst das fünfte WM-Spiel, in dem drei Spieler vom Platz gestellt wurden. Außerdem übersah der Referee beim 2:2 Kewells Abseitsposition.

© SID

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