Nach Enke-Tod
Spielerberater äußern Zweifel an DFB-Frühwarnplänen

Nach dem Selbstmord des Nationaltorhüters Robert Enke fordert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen im Profisport. "Depressionen dürfen kein Tabuthema mehr sein", sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger. Psychologen und andere Spezialisten könnten eingebunden werden, um Spielern die Angst vor einem Outing zu nehmen, glaubt Zwanziger.
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KÖLN. Das Etablieren eines Frühwarnsystems und eine Enttabuisierung seelischer Leiden könnte in der Realität der Fußball-Bundesliga jedoch schwierig werden. "Eine psychische Erkrankung erschwert sicherlich den Wechsel des Arbeitsplatzes und damit bei Fußballern den Vereinswechsel", sagt Gregor Reiter, Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung. "Eine routinemäßige psychiatrische Untersuchung der Spieler bei Vereinswechseln könnte zur Normalisierung beitragen", sagt Reiter. Nicht wenige Experten sagen aber: Die Mechanismen der Branche verbieten einen ehrlichen Umgang - auch in Zukunft.

Ein deutscher lizenzierter Spielervermittler, der nicht genannt werden will, sagt: "Einen depressiven Mittelfeldspieler kann man vielleicht noch vermitteln, einen Torwart aber nicht." Kein Verein würde den krankheitsbedingten Ausfall riskieren. Für ihn steht fest: Bekennt sich ein Spieler zu einer Depression, schmälere das nicht nur seinen Marktwert, es drohe schlicht das Karriereende.

Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler VdV fordert deshalb eine unabhängige Anlaufstelle für Spieler mit psychischen Problemen: "Eine solche Stelle beim DFB würde das gewünschte Ziel wohl nicht erreichen", sagt Florian Gothe, Präsident der VdV. "Ein hochkarätiger Profi würde eventuell davor zurückschrecken, sich gerade dort zu melden."

Gothe regt stattdessen an, nach Absprache mit DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine neutrale Anlaufstelle bei der VdV einzurichten. "Die Spielergewerkschaft hat bereits Bundesligaspielern mit psychischen Problemen helfen können. Auch seit Enkes Tod haben sich einige Spieler deswegen bei uns gemeldet", sagt Gothe. "Mit einer Lawine von neuen Fällen rechne ich aber nicht."

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