Nach Hool-Ausfällen: DFB will Sachsens Fußball auf Eis legen

Nach Hool-Ausfällen
DFB will Sachsens Fußball auf Eis legen

Nach den schweren Ausschreitungen in Leipzig hat DFB-Präsident Theo Zwanziger die Absetzung aller Spiele des Landesverbandes Sachsen am bevorstehenden Wochenende angeregt. Die regionalen Verbandshäuptlinge scheinen geneigt, dem Wink mit dem Zaunspfahl aus Frankfurt zu folgen - nur fehlt ihnen die Macht dazu.

HB LEIPZIG „Wenn uns bei allen Anstrengungen zum Schluss nicht gelingt, solche Ereignisse zu verhindern, dann darf dort kein Fußball mehr gespielt werden“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag in Frankfurt/Main. In einem Interview mit dem Radiosender MDR info machte Zwanziger deutlich, dass er sich alternativ Spiele vor leeren Rängen wünscht: „Ich kann mir auch Stadien vorstellen, in denen kein Fußball mehr gespielt wird.“

Bereits an diesem Dienstag wollen Verantwortliche des Sächsischen Verbandes und des DFB über eine Absetzung des kommenden Spieltags in den Ligen des Landes entscheiden. „Ich hoffe und wünsche, dass man die Kraft dazu hat, ein solches Zeichen zu setzen. Es wäre ein Zeichen der Solidarität für die Polizei“, sagte Zwanziger, nachdem bei Krawallen und einer Straßenschlacht mit rund 800 Hooligans nach dem Pokalspiel zwischen den Bezirksligisten 1. FC Lok Leipzig und Erzgebirge Aue II am Sonnabend 42 Menschen verletzt worden, darunter 36 Polizeibeamte. „Das sind unsere Freunde, das andere unsere Feinde. Die Gefechtslage muss klar sein“, meinte Zwanziger.

Der Sächsische Fußball-Verband (SFV) will die von Zwanziger vorgeschlagene Absetzung aller Fußball-Partien am kommenden Wochenende in Sachsen umsetzen, kann dabei aber aufgrund der Organisationsstruktur nur an seine drei einzelnen Bezirksverbände appellieren. „Ich bin mir mit Theo Zwanziger einig. Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir mit solchen Leuten nichts zu tun haben wollen“, sagte SFV-Chef Klaus Reichenbach. Der SFV kann lediglich die Spiele der Landesliga absetzen. Für die Bezirksligen sind die Bezirksverbände aus Leipzig, Dresden und Chemnitz zuständig.

Die Partie zwischen dem Nachfolge-Club des ersten deutschen Meisters (VfB Leipzig) und der zweiten Mannschaft des Zweitligisten Aue sei auf Grund der vorhergehenden Sicherheitsanalyse nicht als Partie mit erhöhtem Risiko eingestuft worden, erklärte der DFB- Sicherheitsbeauftragte und Task-Force-Chef Helmut Spahn. Als Konsequenz aus der fatalen Fehleinschätzung will der DFB nun in „diesen östlichen Bereichen aktiv auf bestimmte Vereine und Regionen zugehen“, betonte Spahn. „Unsere Task-Force muss sich hautnah und unmittelbar mit den Begebenheiten dort befassen“, forderte Zwanziger.

Dass die verheerenden Randale in Italien, bei denen ein Polizist getötet worden war, Einfluss auf die Krawallmacher in Leipzig gehabt haben könnten, hält Zwanziger für möglich. Eine Teilschuld sieht er daher auch beim DFB. „Nach den Verhältnissen in Italien hätten wir vielleicht damit rechnen müssen, dass einige aus der Hooligan-Szene die Chance suchen und der Weltöffentlichkeit deutlich machen wollen, dass die deutschen Hooligans nicht schlechter sind als die italienischen“, sagte er.

„Italienische Verhältnisse dürfen nicht geduldet werden“, sagte unterdessen der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, am Montag als Reaktion auf die brutale Straßenschlacht in Leipzig, die den deutschen Fußball ein halbes Jahr nach der friedlichen WM in Verruf gebracht hat. „36 verletzte Polizisten sollten Anlass genug sein, um die Täter konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist skandalös, dass die mutmaßlichen Gewalttäter am Sonntag schon wieder auf freien Fuß kamen“, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Lok Leipzig, Frank Müller, denkt trotz der erneuten Krawalle nicht an Rücktritt. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Das war eine abgesprochene Sache gewaltbereiter Fans“, sagte er und kündigte eine Sitzung des Vorstandes und des Aufsichtsrates an. „Ich habe Angst um den Verein“, sagte Müller und fordert Hilfe von der Politik, „denn bisher kam nichts“.

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