Nach internationaler Kritik an Fifa
Exekutivkomitee will Garcia-Report veröffentlichen

Die Fifa hat sich für die Publikation des hochbrisanten Garcia-Reports ausgesprochen. Damit dürfte die Diskussion um die Vergabe der Fußballweltmeisterschaften nach Russland und Katar noch einmal neuen Schwung bekommen.
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MarrakeschDas Fifa-Exekutivkomitee hat sich für die Veröffentlichung des hochbrisanten Garcia-Reports ausgesprochen. Das ergab die Komitee-Sitzung am Freitag in Marrakesch. Gleichzeitig wurde ein zweites Gutachten vorgelegt, das bekräftigt, dass die Vergabe an die beiden WM-Gastgeber Russland 2018 und Katar 2022 nicht neu verhandelt werden muss.

Die Länder werden auch in einer zweiten Analyse zum Garcia-Report, der nun öffentlich gemacht werden soll, von schwerwiegenden Korruptionsvorwürfen freigesprochen, wie der Fußball-Weltverband mitteilte. Die erneute Prüfung der Arbeit des inzwischen zurückgetretenen Chefermittlers Michael Garcia hatte der Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, in Auftrag gegeben. Dem Wüstenemirat stellte die FIFA laut der Zeitung „Die Welt“ aber ein Ultimatum zur Verbesserung der Menschenrechte. Bis zum 15. März müsse eine unabhängige Prüfungskommission eingerichtet werden. Aber: „Es bräuchte ein Erdbeben, wirkliche neue Erkenntnisse. Es gibt im Moment absolut keinen Grund, unsere Entscheidung für Katar zu überdenken“, sagte Blatter.

Dem Gutachten zufolge erreichten die „bislang festgestellten Unregelmäßigkeiten klarerweise nicht ein Ausmaß, das geeignet ist, die fraglichen Vergabeverfahren insgesamt als in erheblichem Ausmaß gesetzes- oder statutenwidrig zu qualifizieren“.

Der frühere US-Bundesanwalt und inzwischen zurückgetretene Chefermittler Michael Garcia hatte in den vergangenen beiden Jahren die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar untersucht. Öffentlich geworden war bislang nur die stark verkürzte und weltweit kritisierte Auswertung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert (München).

Jetzt soll zumindest in Teilen der 430-Seiten-Bericht Garcias an die Öffentlichkeit gelangen. Welche Abschnitte vor allem des Zeugenschutzes wegen „geschwärzt“ werden müssen, soll die Ethikkommission in den kommenden Wochen entscheiden.

Die tiefe Krise im Fußball-Weltverband sorgt auch in der Bundesliga für Kopfschütteln. „Es versteht kein Mensch mehr, was bei der Fifa derzeit los ist“, sagte Bayern Münchens Präsident Karl Hopfner dem Münchner Merkur (Samstags-Ausgabe): „Eigentlich sollte doch die oberste Institution den Fußball schützen. Aber im Moment geht es genau in die andere Richtung. Das derzeitige Image der Fifa ist schädlich, ich habe kein Verständnis mehr dafür.“

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Kein Verständnis von Korruptionsexperten

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