Nach Krawallen
Italiens Fußball vor neuer Zwangspause

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Fan steht der italienische Fußball vor einer neuen Zwangspause. Sportministerin Giovanna Melandri forderte am Montag eine einwöchige Aussetzung aller Punktspiele, um erneute Krawalle zu unterbinden.

HB MAILAND. Der italienische Fußballverband FIGC wollte im Laufe des Tages mit Vertretern der Liga sowie Spieler- und Trainerverbänden über seine Reaktion auf die Ausschreitungen beraten, die bis in den Montag hinein anhielten und unter anderem Polizeikasernen zum Ziel hatten.

„Diese Schläger haben nicht nur die Ehre des Sports, des Fußballs und von Mill. Italienern verletzt, sondern auch das Andenken des jungen Mannes, der auf tragische Weise getötet wurde, beschmutzt“, sagte Melandri der Tageszeitung „La Repubblica“. Der italienische Fußball ist berüchtigt für seine Hooligan-Szene, die sich aus den großen regionalen Gegensätzen und der politisch extremen Rechten speist. Nachdem im Februar im sizilianischen Catania bei Ausschreitungen von Fans ein Polizist ums Leben gekommen war, wurde der Spielbetrieb bereits einmal für eine Woche unterbrochen. Wegen eines Qualifikationsspiels der Nationalmannschaft zur Europameisterschaft 2008 in Schottland hat die Erste Liga am kommenden Wochenende ohnehin Spielpause.

Bei den Ausschreitungen wurden allein in Rom mindestens 40 Polizisten verletzt. Rund 200 erzürnte Fans griffen in der Nacht mehrere Polizeikasernen sowie das Olympiastadion an. Auch der benachbarte Sitz des Italienischen Olympischen Komitees wurde beschädigt. Die Randalierer gingen mit Steinen und Knüppeln vor, schlugen Scheiben an und setzten Autos in Brand. Wegen erster Krawalle unmittelbar nach dem tödlichen Schuss auf einen Fan wurde zuvor bereits das Erst-Liga-Spiel zwischen dem AC Mailand und Atalanta Bergamo nach sieben Minuten abgebrochen.

Der tödliche Schuss aus der Waffe eines Polizisten hatte sich nach Angaben des Beamten versehentlich gelöst. „Ich habe einen Schuss in die Luft abgegeben und ein zweiter löste sich, während ich lief“, sagte der Polizeioffizier der Zeitung „Corriere della Sera“. „Ich habe die Pistole auf nichts gerichtet. Ich habe auch auf niemanden gezielt.“ Er könne es immer noch nicht fassen. „Nun habe ich zwei Familien zerstört: die des Mannes und meine eigene.“ Der Vorfall ereignete sich beim Versuch, eine Schlägerei rivalisierender Fans von Lazio Rom und Juventus Turin zu stoppen. Die Tifosi waren auf dem Weg zu den Punktspielen ihrer Clubs auf einer Autobahnraststätte beim toskanischen Arezzo aneinander geraten. Das Spiel Lazios gegen Inter Mailand wurde daraufhin ebenso abgesagt wie die Begegnung des zweiten Hauptstadtclubs AS Rom gegen Cagliari. Der 26-jährige Tote war ein Anhänger Lazios.

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