Nachgefragt bei: Arnd Hovemann
„Deutsche Klubs sind in Europa chancenlos“

Ob Hamburg oder Bremen - ein deutscher Club spielt sicher im Uefa-Cup-Finale. Doch der Schein trügt, sagt Arnd Hovemann, Manager für den Bereich Sport bei Ernst & Young. International können deutsche Vereine nicht mithalten. Fans, die sich deutsche Topclubs wünschen, müssen tiefer ins Portemonnaie greifen.

Handelsblatt: Können die deutschen Fußballvereine international mithalten?

Arnd Hovemann: Der Blick auf die Uefa-Fünfjahreswertung, die das Abschneiden in den europäischen Klubwettbewerben misst, ist aus deutscher Sicht eigentlich erfreulich. Doch der Schein trügt: Zwar wird im Uefa-Cup-Finale ein deutsches Team vertreten sein, da sich Werder Bremen und der Hamburger SV im Halbfinale gegenüberstehen. Die Champions League beherrschen jedoch wenige Klubs aus England, Spanien und Italien. Für die Deutschen ist spätestens im Viertelfinale Endstation.

Woran liegt das?

Der Grund für die zunehmende Chancenlosigkeit der deutschen Klubs liegt in den finanziellen Vorteilen der ausländischen Vereine. In Spanien und Italien werden die TV-Rechte seit Ende der 90er-Jahre dezentral vermarktet. Real Madrid und der FC Barcelona erlösen so jeweils mehr als 150 Mio. Euro pro Jahr, italienische Spitzenklubs über 100 Mio. Euro. Zum Vergleich: Bayern München erhält als erfolgreichster deutscher Klub nur 29 Mio. Euro. Das wird sich kaum ändern, denn das Kartellamt hat mit seiner Entscheidung zur dezentralen Vermarktung der Medienrechte und durch das Werbeverbot für Wettanbieter dem deutschen Fußball enge Grenzen gesetzt.

Gibt es auch Steuervorteile?

Einige Länder bieten im Wettbewerb um Top-Spieler Steuervorteile für zuziehende Steuerausländer. In Spanien können ausländische Fußballspieler in den ersten fünf Jahren ihre Einkünfte pauschal zu einem günstigen Prozentsatz versteuern. In Großbritannien kommen sie in den Genuss der sogenannten Remittance-Basis-Besteuerung. Damit sind zwar ihre Spielereinkommen steuerpflichtig, die Einkünfte aus übrigen Einkommen wie Werbung und Zinsen jedoch nicht. Bei fachkundiger Handhabung bringt dieser Umstand enorme Steuervorteile für die Profifußballer.

Soll also Deutschland das englische Modell nachahmen?

Dem deutschen Fan muss klar sein: Der wirtschaftliche und sportliche Erfolg der englischen Klubs – von den hohen Vermarktungserlösen für Auslandsmedienrechte der Premier League einmal abgesehen – geht zulasten des verfügbaren Einkommens der Zuschauer im eigenen Land. Stadion-Eintrittspreise und Pay-TV-Gebühren übertreffen das deutsche Preisniveau deutlich. Ein Nachahmen der englischen Erfolgsstory bekäme der deutsche Fan sehr deutlich in seinem Portemonnaie zu spüren.

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