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Bwin-Direktor Jörg Wacker: „Der Wettskandal schädigt das Vertrauen“

Wettbetrug im Fußball fügt seinem Geschäft hohen Schaden zu, sagt Jörg Wacker, Deutschland-Chef von bwin. Für Ihn gibt es bei Sportwetten kein sichereres Medium als das Internet.

Jörg Wacker im Interview. Quelle: Kommunikationsagentur
Jörg Wacker im Interview. Quelle: Kommunikationsagentur

DüsseldorfJörg Wacker ist Direktor des Sportwettenanbieters bwin e.k.. Der Sponsor des FC Bayern München bewirbt sich um eine der 20 Lizenzen in Deutschland. Im Interview macht Wacker deutlich, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag aus seiner Sicht das Problem der Spielmanipulation eher verschärfen wird. Viele Kunden würden sich dem Schwarzmarkt zuwenden.
Herr Wacker, Europol hat heute den größten Wettmanipulationsskandal publik gemacht. 380 Spiele allein in Europa sollen zwischen 2008 und 2011 verschoben worden sein. Wie betrifft Sie das als Anbieter von Sportwetten im Internet?
Durch so einen Skandal und diese kriminellen Aktivitäten werden der Sport und die Sportwettenbranche massiv in ihrem Image und dem Vertrauen ihrer Fans und Kunden geschädigt. Bei einer Wettmanipulation und bei Betrug ist der erste wirtschaftliche Verlierer immer der Wettanbieter, denn er muss die Gewinne auszahlen. Gerade deshalb haben wir als Anbieter natürlich größtes Interesse, dass nicht manipuliert wird.

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Weltweite Wettskandale im Fußball

  • Deutschland

    Dezember 2012: Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil gegen den Wettpaten Ante Sapina zum Teil auf. Der Prozess muss neu verhandelt werden. Das Landgericht Bochum habe nicht geprüft, ob eine Strafmilderung nach der sogenannten Kronzeugenregelung infrage komme. Sapina war im Mai 2012 zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte mit Komplizen im großen Stil Wetten auf manipulierte Fußballspiele platziert und damit insgesamt 2,3 Millionen Euro eingenommen.

  • Südafrika

    Dezember 2012: Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

  • Südkorea

    Januar 2013: Nach einem Wettskandal im südkoreanischen Fußball sperrt der Weltverband FIFA 41 koreanische Spieler weltweit. 2011 waren organisierte Spielmanipulationen ans Licht gekommen. Die beteiligten Akteure sollen in Spielen der nationalen K-Liga absichtlich Fehler gemacht haben, um dadurch den Verlauf zu beeinflussen. Im Gegenzug sollen sie Geld von Glücksspielvermittlern erhalten haben.

  • Italien: Mai 2012

    28. Mai: Stefano Mauri, der Kapitän des Erstligisten Lazio Rom, wird von der italienischen Polizei festgenommen. Nationaltrainer Cesare Prandelli streicht Verteidiger Domenico Criscito aus dem EM-Aufgebot wegen des Verdachts von Spielmanipulationen. Bei einer Razzia gibt es insgesamt 19 Festnahmen.

    29. Mai: Prandelli nimmt aber trotz der Ermittlungen Verteidiger Leonardo Bonucci mit zur EM. Ministerpräsident Mario Monti stellt derweil den gesamten Profi-Fuball im Land infrage.

    30. Mai: Torwart Gianluigi Buffon soll in der Wett-Affäre als Zeuge aussagen. Er hatte missverständliche Aussagen bezüglich angeblicher Ergebnisabsprache in der vergangenen Saison gemacht.

    31. Mai: Aber Buffon musste keine Vorladung der Staatsanwaltschaft vor der EM befürchten. Staatsanwalt Roberto Di Martino wollte Italiens Vorbereitung nicht stören.

  • Italien: Dezember 2012

    Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

  • Italien: Dezember 2013

    Italiens Weltmeister Gennaro Gattuso steht im Mittelpunkt einer neuen Episode der Wettbetrugssaga im italienischen Fußball. Vorgeworfen wird ihm bislang kein konkretes Delikt, aber sein Haus wurde bereits durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen. Die Polizei geht von Kontaktaufnahmen zu einem mutmaßlichen Mittelsmann der Wettmafia aus. die Hintermänner der Serie A haben wohlmöglich auch die WM im Visier – und Gattuso scheint mittendrin zu sein.

Gewettet auf die faulen Spiele wird offenbar oft in Asien, auch die Drahtzieher sitzen nach Informationen der Ermittler häufig dort. Wie viel hat das Thema überhaupt mit dem deutschen Sportwettenmarkt zu tun?
Das Hauptproblem bei Wettmanipulationen ist der nicht kontrollierbare Schwarzmarkt in Asien. Jeder Anbieter, der lizenziert und staatlich kontrolliert ist, hilft, den Schwarzmarkt trocken zu legen. Das muss das oberste Ziel aller Beteiligten sein. Deshalb spricht bwin sich schon seit Jahren für eine regulierte und kontrollierte Öffnung des gesamten Marktes aus. Das muss EU-weit mit einer Bündelung der Kräfte passieren. Ein einziger Mitgliedstaat hat keine Chance, effektiv etwas gegen die asiatische Wettmafia zu erreichen.

Macht erst das Internet und die Möglichkeit, dort Wetten zu platzieren, das Problem zu einem globalen Problem?
Nein – im Gegenteil: Es gibt kein sichereres Medium als das Internet, da hier jede einzelne Wette in Echtzeit überwacht und alle Einsätze lückenlos nachvollzogen werden können. In Asien hingegen werden die Wetten zum Großteil mit Bargeld platziert.
In Deutschland kommt es in diesem Jahr nach langem Gezerre zu einer kontrollierten Öffnung des Sportwettenmarktes. Wird diese mithelfen, die Manipulation und den Schwarzmarkt einzudämmen?
Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag werden die Weichen in Deutschland in die falsche Richtung gestellt: Die Zahl der Sportwettenlizenzen soll auf 20 begrenzt werden und für die lizenzierten Online-Anbieter gibt es weitreichende Einschränkungen. Damit sind ihre Angebote nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber Schwarzmarktanbietern. Viele Kunden werden sich daher den vermeintlich attraktiveren Schwarzmarktangeboten zuwenden.

Mafia-ähnliche Strukturen 380 Fußballspiele unter Manipulations-Verdacht

Die Fußball-Welt wird vom größten Wettskandal ihrer Historie erschüttert. Fast 700 Spiele weltweit stehen unter Manipulationsverdacht, 70 davon in Deutschland. Europol spricht von einem „dichten kriminellen Netzwerk“.

Was bemängeln Sie konkret?
Beispielsweise sollen Einsatzlimits in Deutschland in Zukunft nur für Online-Anbieter und nicht für das stationäre Wettgeschäft gelten. Das heißt: Gerade in den Wettshops werden Wetteinsätze unbegrenzt möglich sein. Hinzu kommen komplizierte und nicht zeitgemäße Identifizierungsverfahren, die den Wettkunden abschrecken und auf nichtlizensierte Angebote führen werden. Wenn eine Betrugsprävention Erfolg haben soll, müssen so viele Spieler wie möglich hin zu den staatlich überwachten Anbietern kanalisiert werden. Das leistet der neue Staatsvertrag nicht, damit fördert er weiterhin den Schwarzmarkt.

Ist Ihr Unternehmen geschädigt durch die aktuell publizierten Betrugsfälle?
Inwieweit das für den aktuellen Fall gilt, kann heute noch nicht beurteilt werden. In der Vergangenheit hat es in allen bekannt gewordenen Betrugsfällen keine Einsätze bei bwin gegeben. Uns ist es ein besonders Anliegen, Wettbetrug zu verhindern und zu bekämpfen.

Reaktionen auf Wettskandal „Es gibt immer schwarze Schafe“

Der Wettskandal ist für Fans des Fußballs ein Schock. Die Fifa reagiert besonnen, will mit allen Mitteln dagegen vorgehen. Ein Staatsanwalt will derweil von neuen Fällen in Deutschland nichts wissen.

Was tun Sie dafür konkret?
Es sind mehrere Dinge: Die Sicherheitsstandards von bwin mit Limits verhindern hohe Wetteinsätze und machen es dadurch für Betrüger unattraktiv. Außerdem gibt es keine Möglichkeiten für anonyme Wetteinsätze und eine restriktive Kontrolle des Spielgeschehens durch ein eigenes Securityteam.
Auch die Fifa hat mit dem Early Warning System ein eigenes Monitoring-System. Zudem kümmert sich das Unternehmen Sportradar um das Aufdecken von Auffälligkeiten im weltweiten Sportwettenbetrieb. Was kann denn noch getan werden?
bwin ist eines der Gründungsmitglieder der European Sports Security Association (ESSA), deren Ziel es ist, Kunden ein faires Sportwettenprodukt anzubieten, indem Insider-Wetten und Wettbetrug verhindert werden. Der Vorteil von Online-Wetten ist, dass jede einzelne Sportwette überwacht werden kann. Auffälligkeiten werden direkt registriert. Die ESSA hat durch ihre Mitglieder Zugang zu einer sehr großen Menge abgeschlossener Wetten in allen Sportarten. So kann sie alle Aktionen entsprechend überwachen und verdächtige Wetten direkt identifizieren und an Sportverbände melden.

Sind Sie dabei verbandelt mit den großen Sportorganisationen?
Ja, die ESSA kooperiert unter anderem mit IOC, Uefa und Fifa. Auch hier gilt: Je kleiner der Schwarzmarkt ist, desto transparenter wird das Wettgeschehen und so effektiver seine Überwachung. Schwarzmarkteinsätze in Asien lassen sich von der ESSA nicht monitoren, da sich die entsprechenden Wettanbieter nicht anschließen. Deshalb gilt auch hier: Je mehr Umsätze im regulierten Markt getätigt werden, desto effektiver werden die freiwilligen Frühwarnsysteme der Glücksspielindustrie. Nur eine umfassende Regulierung auf europäischer Ebene kann hier bestmögliche Transparenz und Sicherheit schaffen.
Herr Wacker, wir danken Ihnen für das Interview.

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