
KAPSTADT. Für die Welt war es das wohl ruppigste Endspiel einer Fußball-Weltmeisterschaft. Für Fifa-Chef Joseph Blatter, 74, war das ganze Turnier vor allem ein gutes Geschäft. Dem gelernten Volkswirt konnte es egal sein, wer wie oft foulte. Auch der Sieg Spaniens über die Niederlande in der Verlängerung mit 1:0 spielte keine Rolle. Die Fifa hatte schon vor dem Abpfiff gewonnen.
Der Fußball-Weltverband – wie diese Firma sich offiziell nennt – ist nicht nur der Ausrichter der Spiele, sondern auch einer der größten Lizenzhändler der Sportwelt. Vom T-Shirt über das WM-Maskottchen bis zu den Fernsehübertragungsrechten reicht das Angebot. Alles sieht nach Sport aus, aber in Wahrheit geht es den Fifa-Gewaltigen vor allem ums Geldverdienen. Der Vorstandschef des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, sprach bereits mehrfach von monopolistischen Strukturen.
Regel Nummer eins für all jene, die mit der Fifa ins Geschäft kommen wollen, lautet: Eine WM ausrichten darf nur, wer dem Fußballverband vorab Steuerfreiheit zugesichert hat. Bei dem Turnier 2006 in Deutschland sind dem deutschen Finanzminister so 250 Mio. Euro entgangen, sagen die Experten in Berlin.
Das gleiche Prinzip verfolgt die Fifa in der Schweiz, wo die Organisation mit nur 361 festangestellten Mitarbeitern ihren Sitz hat: Die Gewinne sind steuerfrei – immerhin gehe es um die völkerverbindende Wirkung des Sports, begründet das Milliardenunternehmen seine steuerliche Sonderstellung.
Auch in Südafrika hat die Fifa ihre kommerziellen Interessen knallhart durchgesetzt. Obwohl das Land den Schub aus zusätzlichen Steuereinnahmen gut hätte gebrauchen können, zeigte sich Blatter unnachgiebig. Ohne Steuerbefreiung keine WM – diese Marschroute wurde durchgehalten. Rund um die Spielstätten war eine „Steuerblase“ gebildet worden. Alle Fifa-Partner waren von der Zahlung der Einkommen- und Umsatzsteuer befreit. Auch die Devisenbestimmungen Südafrikas hatte man für die Fifa außer Kraft gesetzt.