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Düsseldorfs Manager Wolf Werner: „Wir in der Bundesliga sind relativ scheinheilig“

Wolf Werner ist als Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf der älteste Manager der Bundesliga. Im Interview hält er ein Plädoyer für solidere Umgangsformen: „Wir sollten alle ehrlicher miteinander umgehen.“

Nachdenklich: Wolf Werner, Manager von Fortuna Düsseldorf. Quelle: dpa
Nachdenklich: Wolf Werner, Manager von Fortuna Düsseldorf. Quelle: dpa

DüsseldorfWarum tut sich ein Mann mit fast 71 Jahren noch diesen Stressjob an?

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Werner: Gegenfrage. Warum wird mir immer die Frage nach dem Alter gestellt?

Weil Sie aktuell der älteste Bundesliga-Manager sind.

Meiner Meinung nach hat die berufliche Qualifikation nichts mit dem Alter zu tun. Das ist ja schon fast Diskriminierung. In den Managementbereichen der Wirtschaft gibt es Leute, die viel älter sind als ich. Ich bin aber nicht sauer, dass mir diese Frage immer wieder gestellt wird. Anscheinend ist man in der Bundesliga nicht gewohnt, dass man auch auf Erfahrung setzen kann. Schließlich steckt auch sehr viel Know-how dahinter. Und mit meiner Verpflichtung hat die Fortuna nichts falsch gemacht. Als ich 2007 hier anfing, waren Dinge wie Ruhe, Besinnlichkeit und Ausstrahlung von Fachwissen gefragt. Fortuna brauchte damals keinen, der einfach nur Geld ausgibt.

Wie lange dauert bei Ihnen ein durchschnittlicher Arbeitstag, und wie schalten Sie von diesem Tag ab?

Einen durchschnittlichen Arbeitstag gibt es ja fast gar nicht. Es gibt sehr stressige Phasen, wenn was Neues ansteht, in den Transferperioden zum Beispiel. Zwischendurch hat man auch ruhigere Phasen, so wie jetzt. Da kann man das Handy auch mal ignorieren.

Die Bundesliga in Zahlen

  • Zuschauerschnitt

    1963/64: 27.000
    1973/74: 22.500
    1983/84: 20.000
    1993/94: 27.000
    2003/04: 37.500
    2011/12: 45.100

  • Einnahmequellen der Klubs

    Mediale Verwertung: 27 Prozent
    Werbung: 27 Prozent
    Spieltagseinnahmen: 21 Prozent
    Transfererlöse: 10 Prozent
    Merchandising: 4 Prozent
    Sonstiges: 11 Prozent

    Gemessen an den 1,94 Milliarden Gesamteinnahmen der 18 Klubs in der Saison 2010/11.

    Quelle: DFL

  • Meisterschaften

    Bayern München (22)
    Borussia Mönchengladbach (5)
    Borussia Dortmund (5)
    Werder Bremen (4)
    Hamburger SV (3)
    VfB Stuttgart (3)
    1. FC Köln (2)
    1. FC Kaiserslautern (2)

  • Die meisten Abstiege

    Arminia Bielefeld (7)
    1. FC Nürnberg (7)
    VfL Bochum (6)
    MSV Duisburg (6)
    Karlsruher SC (6)
    Hertha BSC (6)

Was ist heute anders als vor 25 Jahren? Was nervt Sie beispielsweise heutzutage?

Mich nervt eigentlich gar nichts. Aber es gibt bestimmte Dinge, die ich nicht gut finde.

Zum Beispiel?

Ich finde es zum Beispiel nicht gut, dass wir in der Bundesliga relativ scheinheilig sind. Alle tun immer so, als würden sie sich an die Regularien halten. Dass ein Spieler erst ein halbes Jahr vor Ende seines Vertrages angesprochen werden darf. Kein Mensch hält sich dran.

Halten Sie sich dran?

Wir sind ja gar nicht in der Lage, an Spieler aus der ersten Liga ranzugehen, die wir aus einem Vertrag rauskaufen könnten. Grundsätzlich mag mancher denken, dass ich ein angestaubtes Moralempfinden habe. Aber das werde ich auch weiterhin nicht brechen. Manche Geschichten sind im Übrigen auch medial begründet. Unlautere Geschichten wie derzeit die mit Robert Lewandowski. Das ist ja ein Possenspiel, das da von den Medien aufgezogen wurde.

Bewertung der Trikotsponsoren 2012/2013

  • Bayern München

    Sponsor: Deutsche Telekom
    Investitionssumme: 23 Millionen Euro
    Laufzeit: bis 2013

  • VfL Wolfsburg

    Sponsor: Volkswagen
    Investitionssumme: mindestens 20 Millionen Euro
    Laufzeit: unbefristet

  • Schalke 04

    Sponsor: Gazprom
    Investitionssumme: bis zu 18 Millionen Euro
    Laufzeit: 2017

  • Borussia Dortmund

    Sponsor: Evonik
    Investitionssumme: bis zu 15 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

  • Hamburger SV

    Sponsor: Emirates
    Investitionssumme: bis zu 8,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2015

  • Werder Bremen

    Sponsor: Wiesenhof
    Investitionssumme: 6 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

    Werder Bremen sind durch Vermarkter Infront für die Trikotwerbung acht Millionen garantiert.

  • VfB Stuttgart

    Sponsor: Mercedes Bank
    Investitionssumme: 6 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • Bayer Leverkusen

    Sponsor: Sunpower
    Investitionssumme: 6 Millionen Euro
    Laufzeit: 2016

  • Eintracht Frankfurt

    Sponsor: Krombacher
    Investitionssumme: 5,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2018

    Der Vertrag von Eintracht Frankfurt mit Krombacher läuft zwar bis 2018. Nach einem Jahr als Trikotsponsor wird die Brauerei ab dem zweiten Vertragsjahr aber zum Premiumsponsor.

  • 1899 Hoffenheim

    Sponsor: Suntech
    Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • Borussia Mönchengladbach

    Sponsor: Postbank
    Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

  • Hannover 96

    Sponsor: Tui
    Investitionssumme: 4 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • FSV Mainz 05

    Sponsor: Entega
    Investitionssumme: 4 Millionen Euro
    Laufzeit: 2017

  • 1.FC Nürnberg

    Sponsor: NKD
    Investitionssumme: 3,5 bis 4 Millionen Euro
    Laufzeit: 2016

  • Fortuna Düsseldorf

    Sponsor: o.tel.o
    Investitionssumme: 2,8 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

  • SC Freiburg

    Sponsor: Ehrmann
    Investitionssumme: 2,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2014

  • SpVgg Greuther Fürth

    Sponsor: Ergo Versicherungen
    Investitionssumme: 2,2 Millionen Euro
    Laufzeit: 2018

  • FC Augsburg

    Sponsor: Al-Ko
    Investitionssumme: 1,5 Millionen Euro
    Laufzeit: 2013

Sagen Sie Ihren jüngeren Kollegen, dass sie sich an diesen Ehrenkodex halten sollen?

Nein! Ich glaube, die würden mich auslachen. Sie würden zwar alle sagen, na ja, du hast ja recht. Aber im Grunde würden sie hinterher sagen, mein Gott, ist der naiv. Aber dieses Getue ist schon kurios. Dass man sich nach außen an alles hält, aber jeder hinter dem Rücken der anderen handelt. Und am Schluss will sich keiner einer Schuld bewusst sein. Wie jetzt mit Jupp Heynckes und Schalke. Da gefällt mir, bei allem Verständnis, diese mediale Vorgehensweise nicht. Der Fantasie wird damit freier Lauf gelassen, und keiner kann sich dagegen wehren. Das mag vielleicht ein Schuss naiv sein von mir, aber ich bin froh, dass ich mir das noch bewahrt habe. Kurzum: Es könnte ruhig etwas seriöser ablaufen. Wir sollten alle ehrlicher miteinander umgehen.

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