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Ein Stadion bebt: Der Dortmunder Meisterrausch

Um 17.15 Uhr brach die Hölle los: Mit Schlusspfiff in Dortmund lagen sich Fans und Spieler in den Armen - und nur der Rasen wurde geschont. Handelsblatt-Reporter Lukas Bay war mittendrin.

Jubel ohne Grenzen: Im Dortmunder Fanblock war die Hölle los Quelle: dpa
Jubel ohne Grenzen: Im Dortmunder Fanblock war die Hölle los Quelle: dpa

DortmundKevin Großkreutz hatte es prophezeit. „Wenn wir Meister werden, ist in Dortmund die Hölle los“. Als Milivoje Novakovic die Kölner gegen Leverkusen, Dortmunds hartnäckigsten Verfolger, in Führung schießt, bricht die Hölle los. 80.720 Zuschauer stehen auf, brüllen, die Südtribüne versinkt in einem Meer aus Rauch, Bier und Glückseligkeit. „Deutscher Meister wird nur der BVB“ schallt es von den Rängen.

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Das Spiel wird zur Nebensache. Ein Heer von Ordnern muss die Fans beruhigen, den Platz nicht umgehend zu stürmen. Die Südtribüne feiert. Wiegt von links nach rechts. 2:0 für Köln – Dortmund steht Kopf. „Rasen nicht betreten, wir haben in zwei Wochen noch ein Bundesligaspiel und benötigen ihn unversehrt.“, erscheint auf der Anzeigetafel. Auch Stadionsprecher Norbert Dickel ist besorgt.

Kollektiver Ausnahmezustand Wie ganz Dortmund die Meisterschaft feiert

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Selbst die Gästefans singen: „Deutscher Meister wird nur der BVB“. Ein Tor braucht eigentlich kein Mensch mehr. Trainer Klopp sorgt für Emotionen in den Schlussminuten. Großkreutz, einer der jungen Wilden geht. Dede, die Legende, der Meister von 2002, kommt.

Dann der Abpfiff. Auf den Tribünen weinen erwachsene Männer. Nackte Oberkörper, Schals, „We are the champions“. Die Stars tollen über den Rasen wie kleine Kinder. Bespritzen sich mit Bier. Das Tornetz vor der Südtribüne muss dran glauben. Großkreutz und Barrios präsentieren auf einer Ehrenrunde eine überdimensionale Papp-Meisterschale. Barrios reitet auf dem Lattenkreuz. Die Hölle von Dortmund, gleichzeitig der siebte Himmel.

Die Menge fordert Jürgen Klopp. Den Meistertrainer. „Ich freue mich vor allem für die Mannschaft“, wird er nachher sagen. In drei Jahren hat er eine Mannschaft, die um den Abstieg spielte, so umgeformt, motiviert, eingestellt, dass sie die Bundesliga nahezu die gesamte Saison anführte - und am Ende verdient Meister wird. Ein Team, dem vor der Saison kaum jemand den Meistertitel zugetraut hätte, das mit Shinji Kagawa, Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz seine eigenen Stars produziert hat.

Shinji Kagawa. Der Star der Hinrunde, der durch eine Verletzung in der gesamten Rückrunde fehlte. Auch er wird gefeiert, obwohl er wegen Familienangelegenheit in die Heimat Japan gereist ist, gar im Stadion sein kann. Felipe Santana rasiert Kevin Großkreutz die Meistermatte. Vorne kurz, hinten lang. Großkreutz, der waschechte Dortmunder, der vor einigen Jahren noch als Fan auf der Südtribüne stand und dort die letzte Dortmunder Meisterschaft miterlebte, ergreift das Mikro. „Deutscher Meister ist nur der BVB“. Die Gelbe Wand antwortet. Noch eine Stunde nach dem Abpfiff scheint keiner der 20.000 Fans auf der Südtribüne das Stadion verlassen zu haben.

Offiziell hat die Stadt Dortmund keine Meisterfeier geplant. Die Party steigt trotzdem. Mit Fahnen und Fahne starten Zehntausende in die Dortmunder Innenstadt. „Friedensplatz, Borsigplatz, mir scheißegal, wir sind Meister!“ Dortmund im Meisterrausch. Zwei Spieltage sind noch zu spielen. Dann wird die Meisterschale überreicht. Die Dortmunder Festwochen haben begonnen.

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