
London/DüsseldorfIn dem Moment, als ihm, dem Architekten des Champions-League-Siegs des FC Bayern München, das erste Mal der Pokal aus Reihen der Mannschaft gereicht wird, ist Uli Hoeneß zurückhaltend. Der Präsident des Vereins greift zwar dann doch zu den Henkeln – und die wenigen Sekunden auf der Anzeigetafel im Londoner Wembley-Stadion reichen, dass im Bayern-Fanblock „Uli, Uli“-Sprechchöre anschwellen. Doch gleichzeitig gellt im Dortmunder Block ein Pfeifkonzert.
Schrill wird in Erinnerung gerufen, dass Hoeneß in diesem Moment des Triumphs wohl nicht aus Bescheidenheit auf übertriebenen Jubel verzichtet. Seine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung lastet trotz des Triumphs auf ihm. Den „Pott“ reicht er umgehend an Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge weiter, der dann den Pokal mit ausgestreckten Armen in den Himmel reißt.
Hoeneß ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere und gleichzeitig auf dem Tiefpunkt. Immer wieder hat er sich als Moralapostel positioniert, seine Entschlossenheit und Kaltschnäuzigkeit hat ihm Bewunderer und Hasser eingebracht. Der prominenteste Steuersünder des Landes steht unter einem besonderen Schutz. „Wir warten den Gang des Verfahrens ab“, sagt ein Mitglied des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG Handelsblatt Online nach dem Sieg in London. „Wir sind in einem Rechtsstaat.“
Und namentlich äußerte sich Bayern-Aufseher Martin Winterkorn, Chef des Volkswagen-Konzerns, in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“: „Vor den wichtigen Endspielen in Champions League und DFB-Pokal wäre es falsch gewesen, noch mehr Unruhe in den Verein hereinzutragen. Wir haben das nach meiner Überzeugung richtig entschieden.“

Man kann die Zeilen so deuten: Nach dem DFB-Pokal-Finale könnte Hoeneß‘ Abschied eingeläutet werden, etwa indem er sein Amt ruhen lässt. Nur die Zahlung einer Kaution hatte den Manager vor einigen Monaten vor einer Haft bewahrt. In Hoeneß‘ Umfeld heißt es, dass es für den Würstchenfabrikanten nur noch darum gehe, eine Haftstrafe zu vermeiden. Der Manager hatte über ein Schweizer Konto mit Aktien spekuliert und die Gewinne daraus nicht versteuert.
Anfang Mai hatten die Aufseher der Bayern sich dennoch gegen eine Abberufung Hoeneß‘ ausgesprochen. „Ich glaube, wir würden alle gut daran tun, Uli Hoeneß nicht vorzuverurteilen“, hatte etwa Adidas-Chef und Bayern-Aufseher Herbert Hainer in den Tagen danach gesagt. Die Steuerhinterziehung werten die Aufseher als wenig tragisch – offenbar weil zumindest theoretisch ja die Chance besteht, dass Hoeneß‘ durch die Selbstanzeige straffrei davon kommen könnte.
Uli Hoeness on the stage!Much deserved praise for this trophy! twitter.com/JanAageFjortof…
— Jan Aage Fjortoft (@JanAageFjortoft) 26. Mai 2013
Experten für gute Unternehmensführung wettern hingegen gegen diese Sichtweise. „Es war eine feige Entscheidung der Sponsoren“, sagte etwa der Münchener Wirtschaftsprofessor Manuel René Theisen in einem Interview mit Handelsblatt Online. Auch Adidas-Aktionäre wunderten sich auf der Hauptversammlung des Anteilseigners der Bayern über die zweierlei Maß, mit denen gemessen werde. Schließlich gibt es in großen Unternehmen eindeutige Verhaltensgrundsätze, deren Verstöße verfolgt würden. Hoeneß habe diese Regeln nicht eingehalten.
Der Handschlag, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Loge von Wembley Hoeneß‘ begrüßte, sorgte im Internet für Aufregung. Andere Steuersünder kämen gewiss nicht zu dieser Ehre, so der Tenor.
Bei der Siegesfeier der Münchener in London trat Uli Hoeneß kurz vor 2.20 Uhr – von Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen fast genötigt – auf die Bühne.
„Das ist nicht mein Titel, sondern der des FC Bayern“, sagte der Bayern-Präsident. „In den letzten Wochen war es für mich nicht einfach, aber die Mannschaft und der Verein haben da unglaublich drübergestanden.“ An anderer Stelle hatte er bereits gesagt: „Ich spüre bei allen Spielern, dass sie sich sehr für mich gefreut haben. Das zeigt, dass man nicht alles falsch gemacht hat in den letzten zehn Jahren.“
Mitarbeit: Joachim Hofer

Es mag Ihnen bisher entgangen sein, aber jetzt wissen auch Sie es. Übrigens ist daran nicht die CIA schuld und man kann es in Deutschland ganz einfach ändern, man müsste halt mehr Aktien kaufen.
Solange sich unsere Mitbürger mit Bundesanleihen und Tagesgeld unterhalb der Inflationsrate eindecken, wird der Staat weniger und der Bürger mehr arm.

Zu diesem Artikel, dessen Überschrift ausdrückt, wessen Geistes Feder er entsprungen ist, kann man nur "PFUI TEUFEL" sagen.
Das HB-online hat die Grenzen des Anstandes und guten Geschmacks mit dessen Veröffentlichung m.E. unterschritten.
Für mich sind weder Fußball noch der "Fall Hoeness" ein Aufreger, aber mediale Hetzjagden wie diese, ohne sittliches Maß, mit langem Zeigefinger geschrieben kann ich schwer ertragen. Erfolg und Mißgunst sind in Deutschland offenbar ein Zwillingspaar. Nochmals: pfui Teufel!

Maschmeier hat man für 2,9 Millionen Euronen laufen lassen: So sieht die deutsche Gerichtsbarkeit heute aus. Einfach ekelhaft. Das ist mehr als Verhöhnung des kleinen Mannes. Neben der verlogenen Politik zählen Rechtsbrüche vor Gericht längst nicht mehr. Unser Deutschland ist zutiefst verkommen. Der Depp ist der Wähler, der sich allerdings im September wehren kann: Weg mit allen Altparteien, sie gehören ins Altersheim.
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