
HB: Die WM 2011 wird maßgeblich von Frauen organisiert, sie beide gehören zum Top-Personal des Organisationskomitees. Kann die Frauen-WM auch als gesellschaftlicher Anstoß dienen für eine Entwicklung hin zu mehr Frauen in Führungspositionen?
Steffi Jones: Ich glaube schon, dass wir Frauen uns mit der WM ein Stück mehr positionieren können und dieses Selbstbewusstsein zurecht mitbringen. Wir wollen den Durchbruch des Frauenfußballs befördern und ihn nachhaltig entwickeln. Zu meiner Zeit galt Fußball - selbst bei meiner Mutter - eher ein Macho-Sport, den nur Jungen spielen sollten. Das ist heute weißgott nicht mehr so. Immer mehr Mädchen wollen Fußball spielen - und die Eltern sind bereit. Auch Sponsoren des Frauenfußballs wollen zeigen: Mit einer Frau in der Führungsrolle kann es gut laufen.
HB: Was halten Sie von der Diskussion um Frauenquoten im Management?
Doris Fitschen: In Norwegen zum Beispiel hat sich das bewährt. Wir haben in der DFB-Frauen-Nationalmannschaft zwar keine Quote, aber im Team um das Team bewusst auch Männer. Das Klima ist einfach anders, wenn ein paar Männer dabei sind. Ich glaube, die Mischung verschiedener Charaktere macht den Erfolg aus.
HB: Frau Jones, Sie parken Ihr Auto direkt neben dem DFB-Haupteingang - das ist der absolute Chefplatz. Ein Ausdruck der eindeutigen Hierarchie?
Steffi Jones: Nein, wir arbeiten hier im Team. Entscheidungen treffen wir mit unserem Koordinator für die operativen Aufgaben, Uli Wolter, und den Abteilungsleitern immer gemeinsam. Ich würde mir nie anmaßen zu sagen, ich bin die Chefin von dem Ganzen. Dass ich als Präsidentin hier meinen privilegierten Parkplatz habe, ist wohl so, aber das ist in jedem anderen Unternehmen nicht anders. Und wenn wir mehr Platz hätten, hätten auch die Abteilungsleiter hier ihre Parkplätze. So habe halt nur ich diesen Luxus. Aber das ist einfach nur symbolisch, mehr aber auch nicht.
HB: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Steffi Jones: Ich will einfach Vorbild sein, will meine Aufgabe gut erfüllen. Ich war mal Marktleiterin bei Lidl mit 22 Jahren, meine Mitarbeiter waren alle älter. Und die wussten am Anfang alle nicht so recht, was sie mit mir anfangen sollten. Ich habe dann dadurch überzeugt, dass ich einfach ein gutes Vorbild war. Ich habe meine Arbeit gut gemacht, ich habe mit ihnen kommuniziert: gelobt, getadelt, Dinge einfach offen angesprochen. Es ist aber auch ganz wichtig, ein Fingerspitzengefühl dafür zu entwickeln, wer wie tickt und wer welche Ansprache braucht. Das ist sicher eine meiner Stärken.
HB: Eine große Verantwortung, die Sie mit der kommenden Weltmeisterschaft übernommen haben. Schläft man da manchmal schlecht?
Steffi Jones: Ich habe keine schlaflosen Nächte und werde sie auch nicht bekommen: Auf der operativen Seite sind wir jetzt unmittelbar vor dem Start der U20-WM und ein Jahr vor der WM 2011 voll im Soll. Testspiele wie zuletzt in Augsburg, wo das Stadion ausverkauft war, zeigen: Wir schaffen es, die Stadien zu füllen. Denn unser Ziel für die WM sind volle Stadien.

HB: Wie ist denn der Ticketverkauf angelaufen?
Steffi Jones: Wir haben über vergünstigte Städte-Serien und Gruppentickets bereits 220 000 der rund 700 000 frei verkäuflichen Karten abgesetzt. Das ist ein sehr gutes Ergebnis zu diesem Zeitpunkt. Wir wollen 300 000 Karten verkaufen, bevor am 15. September der Einzelticketverkauf startet. Dahinter steht eine klare Kommunikationsstrategie: Wir haben lokal und regional begonnen, werden in einem nächsten Schritt nach Abpfiff der Fußball-WM der Männer in Südafrika die Aufmerksamkeit bundesweit schüren und nach der Gruppenauslosung für die Endrunde Ende November auch international loslegen.
HB: Welche Städte haben angebissen, wo läuft der Verlauf noch nicht so gut?
Steffi Jones: Generell möchten wir kein Ranking aufstellen unter den Städten. Die Städte, die sich in ihrem eigenen Interesse natürlich bemühen um große Kulissen, sind unsere wichtigsten Partner. Ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich sage, dass Frankfurt mit bislang fast 15 000 verkauften Tickets pro Spiel Spitzenreiter ist. Gut läuft auch der Verkauf der Tickets in Sinsheim, Mönchengladbach, Dresden und Augsburg. In Wolfsburg, Bochum und Leverkusen werden die Ticketzahlen sicher auch noch anziehen. Und in Berlin, wo am 26. Juni 2011 das große Eröffnungsspiel mit deutscher Beteiligung stattfindet, gehen wir natürlich von einem voll besetzten Olympiastadion aus.
HB: Die Macromedia Hochschule hat jüngst Umfrageergebnisse veröffentlicht, bei denen die WM 2011 nicht sonderlich gut wegkommt: Austragungsorte und WM-Slogan weitgehend unbekannt, Sponsorenbekanntheit der Nationalen Förderer mäßig. Macht Ihnen das keine Sorgen?
Steffi Jones: Nein, absolut nicht, das sehen wir sehr gelassen. Unsere Zahlen deuten nämlich in eine andere Richtung: Laut einer Sport+Markt-Umfrage von vor einem Jahr wussten bereits 54 Prozent der Fußballinteressierten, dass 2011 die Frauen-WM hierzulande stattfindet. Dass wir national noch nicht überall präsent sind, ist im Jahr der Männer-WM 2010 in Südafrika doch normal.
Doris Fitschen: Auch ich habe keine Sorge, weder als Abteilungsleiterin Marketing im WM-OK noch als Teammanagerin der Frauen-Nationalmannschaft. Ganz im Gegenteil. Wir haben erst vor kurzem den sechsten nationalen Förderer an Land gezogen und damit die Hälfte des gesamten Budgets von 51 Millionen Euro refinanziert. Und was meine Rolle als Managerin angeht: Wir sind gut aufgestellt für die WM, haben den Algarve-Cup für den Zeitpunkt der Saison sehr gut und erfolgreich gespielt. Deshalb bin ich absolut zuversichtlich - und die Vorfreude steigt.
HB: Frau Fitschen, die Akquise der Sponsoren war ihre Hauptaufgabe. Abgehakt. Und jetzt?
Doris Fitschen: Nach dem Vertragsabschluss ist vor dem Vertragsabschluss. Jetzt möchten wir die Partnerschaften natürlich mit Leben erfüllen, um die Sponsoren auch langfristig und nachhaltig für den Frauenfußball zu gewinnen.

HB: Es fällt auf, dass vier der fünf Premium-Partner des DFB-Frauenteams auch zu den sechs nationalen Förderern der WM 2011 gehören. Gibt es keine weiteren Unternehmen, die sich hierzulande für Frauenfußball interessieren?
Doris Fitschen: Die gibt es sicher. Aber das war von uns so durchaus gewünscht, weil wir nicht 17, 18 verschiedene Sponsoren haben möchten im Bereich Frauenfußball. Sondern lieber wenige, große, kompetente, starke Partner, die dann nachher auch wiedererkannt werden. Es nützt uns nichts, wenn wir viele Sponsoren haben und am Ende kann die Öffentlichkeit nicht mehr auseinanderhalten: Ist das jetzt ein Frauenfußball-Sponsor oder nicht.
HB: Sie haben bei ihrem Amtsantritt als Teammanagerin im August 2009 explizit als Ziel formuliert, die Marke Frauen-Nationalmannschaft zu emotionalisieren. Wie wichtig ist für diesen Imageaufbau die richtige Auswahl der Werbepartner?
Doris Fitschen: Darauf achten wir, das Image der Sponsoren ist sehr wichtig. Alle unsere Partner sind Blue Chips, also Top-Unternehmen aus Deutschland. Das zeigt, dass Frauenfußball schon heute einen sehr hohen Stellenwert hat. Und dann haben diese Sponsoren unterschiedliche Zielrichtungen. Rewes Kernzielgruppe etwa sind Frauen und Familien. Das ist auch unsere Kernzielgruppe. Unsere Zuschauer bei den Länderspielen sind viel jünger als bei den Männerspielen. Wir haben sehr viel Familienpublikum, junge Mädchen, aber auch die Eltern dazu. Von daher passt Rewe perfekt. Die Partnerschaft hilft uns auch deshalb, weil Rewe viel Laufpublikum hat. Wenn da kommuniziert wird, dann hilft das auch, die Popularität des Frauenfußballs zu steigern.
HB: Müssen Sie den Sponsoren immer erklären, warum sie sich im Frauenfußball engagieren sollen oder kommen die selbst mit ihren Konzepten?
Doris Fitschen: Das ist mal so, mal so. Im Fall Allianz sind wir an das Unternehmen herangetreten, aber die haben sofort gesagt: Oh, das passt super, weil wir genau die gleiche Zielgruppe haben. Das Thema Frauen ist für uns ein sehr wichtiges Thema. Die Allianz will mit ihrem Engagement kommunizieren, dass sie Frauen als wichtige, große zukünftige Zielgruppe sehen. Bisher wurde Versichern als Männergeschäft angesehen, dabei ist das gar nicht so: In den Haushalten treffen vielfach die Frauen die Entscheidungen, inzwischen auch was Versicherungen angeht. Und gleichzeitig hat die Allianz auch für das eigene Unternehmen erkannt, dass Frauen wichtige Mitarbeiter sind, die gefördert werden müssen. Stichwort Frauen in Führungspositionen.
HB: Kritiker sagen, mit der Auswahl der Werbepartner wie dem Küchenhersteller Alno und Lebensmitteleinzelhändler Rewe bedient der DFB Klischees von der Hausfrau hinter dem Herd ...
Doris Fitschen: Das mit Alno haben wir schon öfter gehört - Frauen und Küche, typisch. Aber man sieht ja heutzutage, dass Küche nicht mehr ein klassisches Frauenprodukt ist: In den TV-Kochsendungen stehen meistens Männer. Küche ist vielmehr ein zentrales Element im Leben von allen Bundesbürgern und ist ein Lifestyleprodukt. Wir haben natürlich auch darüber diskutiert: Passt das oder nicht? Aber inzwischen gehen wir selbstbewusst daran und sagen: Frauenfußball, Lifestyle - ja, das passt.
HB: Partizipieren Sie auch an den Erlösen aus dem WM-Merchandising-Geschäft?
Doris Fitschen: Nein, unsere Finanzierung fußt allein auf den beiden Säulen Sponsoringeinnahmen durch nationale Förderer, die 24 Millionen Euro in unsere Kasse spülen, und Ticketing, das die restlichen 27 Millionen Euro bringen muss, damit wir eine schwarze Null schreiben. Das WM-Logo ist eine geschützte Marke der Fifa, entsprechend gehen auch die Merchandising-Erlöse aus diesem Bereich komplett an die Fifa. Natürlich haben wir auch unser DFB-Merchandising, da gehen die Erlöse zu 100 Prozent an den DFB.

HB: Wird bei der Frauen-WM 2011 der Markenschutz ähnlich scharf ausgelegt wie bei den Männern 2006? Da machten teils abenteuerliche Geschichten die Runde, dass etwa Zuschauer mit Puma-T-Shirts der Zugang ins Stadion verwehrt worden sein soll ?
Doris Fitschen: So etwas ist natürlich total absurd. Aber man kennt es doch aus dem Ligaspielbetrieb: Wenn sie auf Schalke in der Veltins-Arena sind, wird auch kein Bitburger ausgeschenkt. Das ist alles im erträglichen Maß. Bei der WM 2011 wird es keinerlei ungewöhnliche Restriktionen geben. Aber natürlich wird man auf die Sponsorenverträge Rücksicht nehmen müssen. Die zahlen eine Menge Geld dafür, dass sie sich exklusiv mit der WM assoziieren dürfen. Deshalb sorgen wir dafür, dass sie die Rechte auch wie vereinbart erhalten. Die Exklusivität ist eines der werthaltigsten Rechte.
HB: Werden die Stadien wieder umbenannt?
Doris Fitschen: Die werden natürlich neutralisiert. Aber auch das kennt man etwa von Champions-League-Endspielen, das ist nichts Neues. Es kocht halt immer dann hoch, wenn ein solches Event vor der Türe steht. Aber dass diese Dinge fast schon natürlich sind bei Sportgroßveranstaltungen, vergisst man oft.
HB: Wie sieht das WM-Budget für die DFB-Frauen aus? Ihr Kollege Oliver Bierhoff war zuletzt immer stolz darauf, die großen Turniere mit Gewinn abgeschlossen zu haben und plant das auch für 2010. Ist das auch Ihr Ziel?
Doris Fitschen: Unser Budget ist natürlich nicht vergleichbar mit dem der Männer. Es ist auch gar nicht unser primäres Ziel, einen Gewinn zu erwirtschaften. Vielmehr wollen wir die Entwicklung des Frauenfußballs nachhaltig weiter vorantreiben. Was die PR angeht, reicht das Budget natürlich auch aus für einige TV-Spots. Aber wir überzeugen hoffentlich durch Kreativität, intensive Basisarbeit und nicht durch Riesenbudgets.
HB: Sie wollen den Frauen-Fußball in Deutschland insgesamt populärer machen. Was passiert nach der großen WM-Sause, dem einmaligen Event?
Doris Fitschen: Die Zuschauerzahlen bei Frauen-Länderspielen waren zu meiner aktiven Zeit bei 4 000, jetzt sind wir bei durchschnittlich 22 000. Der Trend geht ganz klar nach oben. Und wir haben durch die WM die Riesenchance, da auf die nächste Stufe zu kommen. Was die Mitgliedszahlen angeht, sind wir auf einem guten Weg: Der DFB zählt über 700 000 Frauen und fast 340 000 Mädchen im Alter bis 16 Jahren - das ist ein Plus von über 17 Prozent binnen fünf Jahren.
HB: Die Nationalmannschaft ist das eine, die Bundesliga das andere. Glauben Sie, dass sich die aktuellen Zuschauerzahlen in der Liga, die im Schnitt bei 900 und damit unterhalb der 3. Eishockey-Bundesliga liegen, durch die WM nachhaltig steigern lassen?
Steffi Jones: Man muss realistisch bleiben, es wird nicht in die Zehntausende gehen. Aber wir können jetzt einen Meilenstein setzen, so dass weitere Zuschauer kommen, Sponsoren interessierter werden und die Medien auch mal ein Spiel live übertragen. Wir können Stück für Stück daran arbeiten, dass es langfristig gesehen im Schnitt mal 5 000 bis 10 000 pro Spiel werden. Dann wäre eine Basis geschaffen, dass auch die Nicht-Nationalspielerinnen echte Vollprofis werden können. Das gelingt derzeit nur den gut geförderten Nationalspielerinnen.

HB: Wie weit ist die Professionalisierung der Liga vorangeschritten?
Steffi Jones: Die Liga ist deutlich attraktiver geworden: Zu meiner Zeit musste man als Spielerin ins Ausland etwa in die USA gehen, um vom Fußball leben zu können. Heute kommmen viele ausländische Spielerinnen gerne hierher, weil die Vereine viel professionellere Strukturen aufgebaut haben, die Spielerinnen häufig mit einem Job, einer Wohnung, einem Auto versorgen.
Doris Fitschen: Viele Vereine der Frauen-Bundesliga stehen an der Schwelle vom ehrenamtlich geführten zum professionellen Fußballverein. Der DFB investiert jährlich einen sechsstelligen Betrag in jeden Bundesliga-Club, um den Aufbau von professionellen Strukturen zu fördern. In allen Vereinen gibt es jetzt hauptamtliche Geschäftsführer und hauptamtliche Trainer - das war ja bislang auch nicht so. So können zum Beispiel die Spielerinnen eben nicht nur abends vier Mal die Woche trainieren, sondern auch vormittags.
HB: Das Pokalendspiel zu entkoppeln und als eigene Veranstaltung nach Köln zu verlegen, zeigt offenbar auch, dass der Frauen-Fußball stärker auf eigenen Beinen stehen soll?
Doris Fitschen: Es ist ein mutiger Schritt nach vorne und wir hoffen, dass er den notwendigen Erfolg hat. Wir können beide aus eigener Erfahrung sagen: Es ist toll, im Olympiastadion zu spielen. Aber es ist frustrierend, wenn man merkt, die 5 000 oder 10 000 Zuschauer, die dann schon da sind - was für Frauenfußball ja nicht schlecht wäre - schauen gar nicht hin. Sie warten nur darauf, dass die Männer ins Stadion kommen. Ich bin deshalb froh, dass es jetzt ein eigenes Frauenfinale gibt. Es muss sich sicherlich in den nächsten Jahren etablieren. Aber es ist sicher der richtige Schritt. Der Ticketverkauf ist gut angelaufen und wir erhoffen uns eine stimmungsvolle Kulisse für unser Debüt in Köln.
HB: Sie haben angekündigt, Stars in der Frauen-Nationalmannschaft herausbilden zu wollen. Wie weit sind sie auf dem Weg?
Doris Fitschen: Bisher ist die Bekanntheit der meisten Spielerinnen der Frauen-Nationalmannschaft leider relativ gering. Klar, Birgit Prinz kennt jeder, der sich für Fußball in Deutschland interessiert. Aber wir wollen eben auch die anderen Spielerinnen bekannter machen, weil so ein Starkult Zuschauer zieht und das ganze Thema WM und Frauenfußball populärer macht. Und da sind wir dabei, die Spielerinnen auch mal anders zu positionieren, so dass man den Menschen kennenlernt. Wir bringen Spielerinnen zum Beispiel in verschiedene Fernsehsendungen. Beispielsweise waren jetzt Célia Okoyino da Mbabi und Sonja Fuss bei Mario Barth. Sehr wichtig ist auch dieses Lifestyle-Thema, da wollen wir die Spielerinnen noch besser platzieren.
HB: Machen sie das für das ganze Team oder suchen Sie sich fünf raus, von denen sie glauben, da funktioniert es besonders gut?
Doris Fitschen: Wir suchen uns da nicht fünf raus. Es gibt vielmehr verschiedene Medien, die nach verschiedenen Typen fragen. Wir haben zum Beispiel eine Lira Bajramaj, die klassisch für Modethemen passt. Dann haben wir eine Birgit Prinz, die sich eher für den Kicker anbietet. Jüngere Spielerinnen sind für eine Bravo Sport interessant und ältere dann für andere Zeitschriften. Wir haben das Glück, dass wir eine Mannschaft mit über 20 unterschiedlichen, tollen Typen haben, die für die verschiedenen Medien von Print bis TV einfach perfekt passen.

HB: Stehen Sie den Spielerinnen da beratend zur Seite? Gibt es Image- oder Stylingberaterinnen, die Einfluss nehmen, um einen Star zu inszenieren - auch vielleicht durch Äußerlichkeiten? Die roten Haare der Biathletin Kati Wilhelm sind ja zu einem echten Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert geworden ?
Doris Fitschen: Nein, die Typen sind so wie sie sind, es sind moderne, authentische Frauen. Klar an erster Stelle steht der Sport, die Popularität steigt am meisten über den Erfolg. Aber wir haben jetzt auch eine Chance, durch zusätzliches Engagement der Spielerinnen - Autogrammstunden, Interviews, Fernsehauftritte - wirklich den Frauenfußball ganz nach vorne zu bringen. Ich sehe meine Aufgabe darin, den Spielerinnen bewusst zu machen, dass sie eine Verantwortung für den Mädchen- und Frauenfußball haben, aber eben auch für den gesamten Frauensport.
HB: Zur Positionierung und Emotionalisierung der Mannschaft gehört sicher auch der Kalender "Ballgefühl", der künstlerisch anspruchsvolle Fotos der Spielerinnen im Trikot zeigt. Andere Sportlerinnen sind da schon viel weiter gegangen: Werden auch die Fußballfrauen noch auf die Karte "nackte Haut" setzen?
Doris Fitschen: Wir möchten die Spielerinnen als moderne, attraktive Frauen positionieren. Das heißt aber nicht, dass wir auf die Sex-sells-Schiene gehen. Lira Bajramaj zum Beispiel zieht halt gerne Stöckelschuhe an und positioniert sich auch gerne so. Das kommt auch in einer gewissen Zielgruppe gut an - wunderbar. Aber wir werden jetzt keine Spielerin dazu drängen, sich auszuziehen, um den Kartenverkauf anzukurbeln.
HB: Aber Sie sagen auch nicht: Tut das nicht - oder?
Doris Fitschen: Ich weiß nicht, ob die Spielerinnen Angebote haben vom Playboy. Aber so wie ich sie einschätze, würden sie es auch gar nicht machen wollen. Wir versuchen unsere Spielerinnen anders zu positionieren, eben wie in dem Kalender. Da haben sie zwar auch ein Trikot an, aber so kennt man sie eben einfach nicht. Wir haben jetzt auch wieder ein Fotoshooting gemacht mit tollen Fotos, die wir am Rande der Gruppenauslosung der bevorstehenden U20-Frauen-WM am Donnerstag in Dresden veröffentlichen werden. Und das stellt die Spielerinnen einfach klasse dar, obwohl sie ein Trikot anhaben. Es geht darum, Spielerinnen von anderen Seiten als nur auf dem Fußballplatz zu zeigen. Aber Nacktfotos sind nicht vorgesehen.
HB: Untersuchungen belegen, dass – jedenfalls momentan – vor allem Bundestrainerin Silvia Neid als das Aushängeschild der Nationalmannschaft wahrgenommen wird. Wäre es mit Blick auf die WM 2011 nicht sinnvoll, dieses Momentum auszunutzen anstatt mit Druck die Spielerinnen nach vorne zu stellen. Zumal die Gefahr besteht, dass die sich noch verletzen und ausfallen.
Doris Fitschen: Natürlich wollen wir auch Silvia Neid weiter nach vorne bringen. Bislang war es eben so, dass sich die Anfragen von Medien, Werbepartnern und potenziellen Sponsoren auf wenige Spielerinnen und auf die Trainerin konzentriert haben. Momentan sind das eben eine Silvia Neid, eine Birgit Prinz und dann kommen vielleicht eine Lira Bajramaj und eine Nadine Angerer. Aber gerade im nächsten Jahr werden die Anfragen immer mehr werden. Und da versuchen wir, ein bisschen vorzusorgen und eben auch andere mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, um das einfach besser zu verteilen.

HB: Die Männer waren 2006 Stars einer Doku von Sönke Wortmann, 2008 als Bergsteiger unterwegs. Was können wir von den Frauen erwarten?
Doris Fitschen: Die Bergtour bei den Männern war ja auch psychologisch wichtig für die Mannschaft: Da ist das Ziel, wir wollen den Gipfel erklimmen und da haben wir die und die Schritte zu gehen. So etwas wird es für die Frauen-Nationalmannschaft auch geben. Dafür haben wir auch einen Psychologen, der die Mannschaft gut einschätzen kann: Wie können wir die Spielerinnen bestmöglich motivieren, damit sie 2011 auf einem Top-Level sind und dem Druck standhalten können. Und da sind wir dabei, etwas zu entwickeln, nach einem Symbol oder nach einem Leitmotiv zu suchen.
HB: Hat die Mannschaft da ein Mitspracherecht?
Doris Fitschen: Ja, natürlich. Es wäre einfach, denen ein Motto aus kommunikativer Sicht aufzupfropfen, aber das wird es nicht geben. Die Themen müssen von der Mannschaft selber kommen, damit es Erfolg hat. Nur dann kann es mitgetragen werden, nur dann ist es normal und symphatisch und natürlich.
HB: Frau Jones, Sie haben bei der Vorstellung ihres Buches "Der Kick des Lebens" über sich gesagt: "Schon als Kind war ich die Chefin unter Jungs". Sind Sie eine geborene Führungspersönlichkeit?
Steffi Jones: Generell habe ich keine Scheu davor, Verantwortung zu übernehmen. Da bin ich sehr pragmatisch: Wenn sich mir eine Aufgabe stellt, dann nehme ich die an und versuche sie nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen. Ich glaube, dass es menschlich ist, wenn man mal Fehler macht. Aus denen lernt man, ob das als Sportler ist oder jetzt hier in meiner Funktion als Präsidentin des WM-OK. Ich bin nicht allwissend. Ob ich eine gute Chefin bin, müssen andere beurteilen. Viel wichtiger ist es, dass wir als Team funktionieren. Ich lerne viel hier, ich reife.
HB: Und wofür sind sie dann nach der WM "reif"?
Steffi Jones: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich hatte viele Vorstellungen, ich wollte mal unbedingt Trainerin im Jugendbereich werden, aber es gibt viele Dinge, die man sich vorstellen kann. Jetzt konzentriere mich auf meine Aufgabe. Aber wer den DFB kennt, weiß, dass mir da auch Optionen und Perspektiven aufgezeigt werden. Ich bin da sehr entspannt.
HB: Nervt Sie eigentlich der Vergleich mit Franz Beckenbauer?
Steffi Jones: Nein, das ist doch nett. Ich fühle mich geehrt. Der Vergleich kommt aber auch gar nicht mehr so oft. Das war am Anfang vielleicht so, aber mittlerweile heißt es einfach Steffi Jones, die OK-Präsidentin. Franz Beckenbauer ist ein Aushängeschild, auch für uns, wird er immer sein für den Fußball, für Deutschland. Egal wo der Name fällt, kriegen die Leute glänzende Augen. Das ist für uns doch nur hilfreich.