
MADRID. Die Spieler des FC Valencia tragen ihr Trikot seit Monaten eher mit Unwillen denn mit Stolz. Das Logo "Valencia Experience" wirbt für einen Sponsor, der noch keinen Cent der vereinbarten sechs Mio. Euro bezahlt hat - und den spanischen Fußball-Erstligisten so an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Die Spieler bekommen seit Monaten keine Gehälter mehr. Der größte Gläubiger des Klubs, die Sparkasse Bancaja, hat vor kurzem einen neuen Geschäftsführer eingesetzt: Javier Gomez legte gleich einen Sparplan auf, in dem "keine Maßnahme ausgeschlossen wird". Alle Spieler, allen voran die Stars David Silva und David Villa, stehen zum Verkauf.
Der Fall des FC Valencia steht für die schwere Krise, die den gesamten spanischen Profifußball erfasst hat. Die Klubs sind überschuldet und finden weder zahlungskräftige Sponsoren noch Banken, die Kredite verlängern oder neue Darlehen geben. Schulden von rund 3,4 Mrd. Euro drücken allein die erste Liga, schätzt José María Gay de Liébana, Finanzexperte an der Universität Barcelona.
Gay de Liébana hat eine viel beachtete Studie zur Finanzlage der Klubs veröffentlicht: Während die Schulden wachsen, schrumpfen die Erträge - und die sind zudem äußerst ungleich verteilt. "Der spanische Fußball ist schwach, weil zwei Klubs das Einnahmepotenzial auf sich konzentrieren: Real Madrid und der FC Barcelona absorbieren 60 Prozent der Gesamteinkünfte, die übrigen 18 Klubs müssen den Rest unter sich aufteilen", sagt er. "Natürlich wollen alle diese Vereine wie Madrid oder Barça sein und geben dafür viel Geld aus - um dann festzustellen, dass sie ihre Ziele nicht erreichen."
Das Phänomen ist nicht neu: Erst Anfang der 90er-Jahre wandelte der Staat die Klubs per Gesetz in Aktiengesellschaften um. Bilanzen wurden saniert, die Klubs mit einem geringen Eigenkapital ausgestattet. Ausnahmen waren damals Real Madrid, Barcelona, Osasuna sowie Athletic de Bilbao, die Haushaltsüberschüsse vorweisen und deshalb ihren Status als Sportverein behalten durften.
Die Reform hat wenig gebracht. Heute drohen die Klubs erneut unter Schulden zu ersticken, das Eigenkapital ist aufgezehrt, neue Geldgeber sind kaum zu finden. Einige Vereine haben Kapitalerhöhungen unternommen, doch die Aktionäre lassen sich nur schwer für das Stopfen schier bodenloser Finanzlöcher begeistern.
Im spanischen Wirtschaftsboom haben die Klubs "über ihre Verhältnisse gelebt und zu hohe Löhne gezahlt", sagt Jose María Cruz, Generaldirektor des FC Sevilla. Die Bezahlung der Spieler bringt die Klubs an ihre Grenzen: "Die Kosten dafür übertreffen die Einnahmen um 50 Prozent." Der FC Sevilla selbst kann - anders als die Konkurrenz - Gewinne vorweisen. Dank einer klugen Transferpolitik ist der Klub heute in einer komfortablen Situation. Sevilla gibt nur 70 Prozent seiner Einnahmen für Spieler aus.