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Fußball: St. Pauli und des Königs neue Kleider

Undurchsichtige Geschäfte gehören beim FC St. Pauli zum guten Ton. Jetzt sorgt ein neuer Schachzug des Präsidenten Corny Littmann für Diskussionen. Dreist attackiert er seinen eigenen Merchandising-Partner mit einem Konkurrenzprodukt. Die Hintergründe.

Was treibt ihn an? St.-Pauli-Vereinspräsident Corny Littmann. Quelle: dpa
Was treibt ihn an? St.-Pauli-Vereinspräsident Corny Littmann. Quelle: dpa

HAMBURG. Wenn ein Hamburger Machtmensch per Telefon eine neue Packung Menthol-Zigaretten ordert, gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: Helmut Schmidt oder Corny Littmann. Die große Bühne lieben beide, der Ex-Kanzler ebenso wie der Präsident des FC St. Pauli, dem das Tivoli-Theater auf der Reeperbahn gehört. Einer von beiden versucht sich gerade ein Denkmal zu bauen. Es ist Littmann.

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"Ich werde so etwas wie ein Fanpräsident sein", versprach Littmann beim Amtsantritt 2002. Er übernahm einen Bundesliga-Absteiger mit marodem Stadion, der in die Regionalliga abschmierte und per "Retter-Kampagne" mit Fanhilfe finanziell notbeatmet werden musste. Vermarkter machten einen Bogen um den Verein, zu unübersichtlich waren die finanziellen Verhältnisse.

Sechseinhalb Jahre später hat sich der Kiez-Klub unter Littmanns Regentschaft berappelt und blüht mächtig auf: Man ist stolzer Tabellenführer der zweiten Liga, auf der neuen Südtribühne mischen sich aktionsbereite Ultra-Fans mit coolen VIP-Gästen, die den Kick suchen. Wer szenige Action erleben will, geht zu Pauli, "non established since 1910" steht im Vereinswappen. Littmann und seine vier Vizepräsidenten mögen ihre Rolle - die fleißigen Baumeister vom Millerntor, die das Stadion mit einer neuen Südtribüne zukunftsfähig gemacht haben. Wirtschaftsleute, die es verstehen, subversive Fanleidenschaft mit kommerziellen Zwängen zu versöhnen.

Und wo bleibt da noch das ortstypische Chaos? Keine Sorge, auch das ist Chefsache. Vor dem morgigen Spiel gegen den MSV Duisburg hat der Verein einen bizarren Streit um Merchandisingrechte vom Zaun gebrochen. Littmann wurmt offenbar seit langem, dass die Hamburger Firma Upsolut Merchandising vor seiner Nase sogar im Stadion-Shop ein überaus erfolgreiches Geschäft mit Fanartikeln aufzieht. 5,5 Mio. Euro Umsatz hat Upsolut im Vorjahr mit Bekleidung und Gimmicks gemacht - das erreicht fast den Erstligaschnitt von 7,1 Mio. Euro pro Verein.

Dieser an sich erfreuliche Umstand ärgert Littmann deshalb, weil der Klub nur noch zu zehn Prozent an Upsolut Merchandising beteiligt ist. 51 Prozent an dieser Gesellschaft hält die Agentur Upsolut Sports, 39 Prozent das Norderstedter Textilunternehmen Miles, das dem chinesischen Handelsriesen Li & Fung gehört. Auch Upsolut ist nicht eigenständig, sondern eine Tochter des französischen Mischkonzerns Lagardère.

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