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Jugendspieler im Fußball: Das Langfristinvestment

Jugend liegt in der Fußballbundesliga im Trend – doch nicht alle Talente schaffen den Durchbruch. Nicht nur deswegen wehren sich Vereine und Berater gegen den Eindruck, Nachwuchsspieler seien eine Form der Kapitalanlage.

Die U21-Elf bei der EM-Qualifikation im Dezember. Immer früher schaffen Jugendspieler wie Lewis Holtby (Mitte, Nummer 10) den Durchbruch. Quelle: dapd
Die U21-Elf bei der EM-Qualifikation im Dezember. Immer früher schaffen Jugendspieler wie Lewis Holtby (Mitte, Nummer 10) den Durchbruch. Quelle: dapd

DüsseldorfWer es nicht besser wüsste, könnte meinen, er sei bei einem Bezirksligaspiel gelandet. Zuschauer lehnen entspannt am Rand des Fußballplatzes, Bratwürste und Pommes werden verkauft, auf dem Rasen schieben sich ein paar Jungs den Ball zu.

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Einzig die aufblitzenden Fähigkeiten der Spieler – ein besonders schönes Dribbling, ein kluges Stellungsspiel – lassen erahnen, dass es sich bei den Kickern um die Hoffnungsträger des deutschen Fußballs handelt. Es sind die U19-Mannschaften des 1. FC Köln und von Borussia Mönchengladbach, die sich im Franz-Kremer-Stadion im Süden Kölns zum Derby treffen. Zur Halbzeit gibt es mehr Hoffnung bei den jungen Fohlen – und nicht nur, weil die Profis dort eine Liga höher spielen: Die Gladbacher führen nach 45 Minuten mit 3:0.

Dass es sich hier um Talente, und eben nicht um Bezirks- oder Kreisligaspieler handelt, lässt sich auch an der Zuschauerzahl sehen. Es ist Anfang Mai, ein warmer Morgen, der vorletzte Spieltag in der U19-Bundesliga. Rund 500 Menschen sitzen oder stehen rund um den Platz. Unter ihnen die Offiziellen der Vereine, etwa Frank Schaefer, der schon die Profimannschaft des FC trainierte. Auf einer Empore stehen mehrere Leute mit insgesamt drei Kameras, die das Spiel filmen. Auch die Familien sind klar zu erkennen, sie verraten sich mit Jubelschreien oder lautstarker Kritik am Nachwuchs.

Götze reiht sich ein Die Rekord-Transfers der Fußball-Bundesliga

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Das Interesse an Deutschlands Fußballjugend ist in den vergangenen Jahren immens gewachsen. „1986 war ich einer der wenigen hauptamtlichen Jugendtrainer“, erklärt Jürgen Gelsdorf, Leiter des Jugendleistungszentrums von Bayer 04 Leverkusen, „wir waren insgesamt vielleicht sieben oder acht.“ Die sind es heute auch noch – allerdings in jedem Verein. Und zwar locker. Fast 20 Jahre lang war Gelsdorf als Trainer aktiv, erst im Nachwuchsbereich, dann lange bei verschiedenen Profistationen. 2005 überzeugte ihn Rudi Völler, die Leitung des Leistungszentrums von Bayer zu übernehmen.

Dass es diese Zentren überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Profi-Vereine wurden erst im Anschluss an die völlig verkorkste Europameisterschaft im Jahr 2000 – und mit bangem Blick auf die WM 2006 im eigenen Land – von DFL und DFB verpflichtet, dem Nachwuchs eine angemessene Plattform zu bieten. Seither investierten die Klubs mehr als eine halbe Milliarde Euro, die Zehnjahresbilanz wies für die Saison 2010/11 in insgesamt 286 U-Mannschaften der 36 Klubs in Liga eins und zwei stolze 5.445 Spieler aus. „Das ist heute gar nicht mehr mit den Verhältnissen damals vergleichbar“, bestätigt auch Gelsdorf. Die Erfolgsbilanz anno 2011: Von 525 Bundesligaprofis entstammten 275 einem Jugendleistungszentrum. Und die Nachwuchskräfte kommen mehr und mehr zu ihren Einsatzzeiten.

Die fünf teuersten Transfers aller Zeiten

Nach mehr als zehn Jahren forcierter Professionalisierung sind die Übergänge zwischen Jugend- und Lizenzspielerbereich fließend geworden. „Vor ein paar Jahren hätte man aber gar nicht die jungen Spieler auf dem Niveau gehabt“, sagt Gelsdorf. Nicht technisch, aber vor allem auch nicht taktisch. „Das ist genau das Thema: Der rote Faden, der sich durch alle Altersstufen zieht“, bekräftigt Kevin Ameskamp, administrativer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Fortuna Düsseldorf. Nicht nur bei den eigenen Jugendspielern, sondern den Zentren generell. „Auf die Ausbildung des Spielers kann man sich verlassen“, stellt Jürgen Gelsdorf klar.

Die Professionalisierung hat die Jugendarbeit effektiver, attraktiver gemacht, die Chancen für junge Spieler erhöht. Gleichzeitig wecken die ungehobenen Schätze im weiten Meer der Nachwuchsmannschaften verstärkt Begehrlichkeiten.

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