
DÜSSELDORF. Mit einem großen Knall wird alles enden. Wenn am Samstagabend verschwitzte Männer entrückt vor Freude die silberne Champions-League-Trophäe in den Nachthimmel stemmen, spuckt vor 100 Millionen TV-Zuschauern in 70 Ländern die Konfettikanone ihren Glitzer in die Nacht.
Für viele Manager der beteiligten Vereine wird es wie ein Warnschuss klingen: Die Champions League ist das größte Spektakel im weltweiten Vereinsfußball - und eine Geldmaschine für den, der auf der Siegerseite steht. Sechs Mrd. Euro beträgt nach Expertenberechnungen der volkswirtschaftliche Effekt für Europas Wirtschaft. Ein Sieg in der Königsklasse sichert allein einem Klub ungefähr 100 Mio. Euro an Einnahmen.
Auf der Gewinnerseite stehen auch die TV-Bosse - diesmal die von Pro Sieben Sat 1. Schon beim Halbfinale, München gegen Lyon, schalteten zehn Mio. Zuschauer ein. Kein Sportevent der Welt hatte 2009 mehr TV-Zuschauer. Eine 30-Sekunden-Werbung kostete knapp 200 000 Euro.
Für die anderen aber ist das Spiel kein Spiel mehr. Die Geldmaschine ist heißgelaufen. In der Fußballwelt sind dieselben erschreckenden Phänomene zu besichtigen wie in der Welt der Staatsfinanzierung. Die wahre Geschichte der Champions League ist eine Geschichte der Spekulation und der Schulden. Jeder zweite europäische Erstligist kämpft mit den roten Zahlen.
Der Grund: Vereinsobere aller Nationen wollen sich mit dem Titelgewinn unsterblich machen - und riskieren dafür alles. Etliche Klubs, speziell aus Spanien, Italien und England - vielleicht nicht ganz zufällig ohnehin die Sorgenländer Europas -, folgen dem Prinzip Griechenland: Auf Pump finanzieren sie teure Stars für den ersehnten Titelgewinn. Längst ist die wirtschaftliche Stabilität des europäischen Fußballs gefährdet. "Viele Klubs im europäischen Ausland hängen am Tropf von Finanzhaien, Oligarchen und Sponsoren. Das ist eine Gefahr", warnt Philipp Geiss, Sportdirektor bei Pro Sieben Sat 1.
Die Uefa ist beunruhigt. Mit einer stärkeren wirtschaftlichen Überprüfung will sie eine Schieflage der Klubs vermeiden. Von den Finanziers der Champions League wie beispielsweise dem Bezahlsender Sky erhält sie dafür Applaus. "Wir begrüßen alle Bemühungen der Uefa, die dazu dienen, die wirtschaftliche Stabilität der Klubs zu gewährleisten", sagte Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt dem Handelsblatt.
Das CL-Halbfinale war wirklich das größte Sporftevent 2009? Erstens war das Spiel 2010 und zweitens wird hier das Finale im Superbowl vergessen, da kosten 30 sec Werbung ca 3 Mio Dollar.
@ Gregor
Was findest Du clever daran, wenn sich Milliardäre unter Ausnutzung aller Graubereiche des Deutschen Rechts (Der Rb Leipzig hat kein gültiges Vereinssymbol, hat seine Jugendabteilung unter zweifelaften Umständen und "sanften" Drucks eines Herrn Michael Kölmel (ehem. Eigentümer Kinowelt) einem anderen Leipziger Club abgenommen, hat keine eigenen Schiedsrichter) eine Spiellizenz für SEiNEN Club verschafft? Du hast es richtig ausgedrückt, " Für die Region bleibt auch was hängen" Richtig....bei diesem Geschäft dürfen die Leipziger als Staffage demütig dem Abramowitsch von Leipzig huldigen und ganz nebenbei noch dazu beitragen die operativen Gewinne des neuen Konzernbereichs "Fussball" von Red bull zu steigern.
Dietrich Mateschitz hat sich nie dafür interessiert, was es in Leipzig an Fussballtradition und -geschichte gibt (Der erste Deutsch Meister 1903 kommt aus Leipzig, Europacupfinalist, 100.000 Zuschauer SSC Neapel mit Diego Maradona im Zentralstadion...usw.)! 2004 war Red bull kurz vorm Ziel und hätte beinahe den FC Sachsen Leipzig für immer zerstört (gleiches Schicksal wie Austria Salzburg), doch aufgrund der Geistesgegenwärtigkeit der Vereinsmitglieder musste sich Red bull aufgrund der Ablehnung zurück ziehen. Nun hat man das Konstrukt Rb geschaffen und versucht mit der ganzen Marketing breitseite (Freundschaftsspiele gegen u.a. Schalke 04, Anzeigen, interviews...usw.) davon abzulenken, das dieses Retortengewächs nur der Vermarktung von Energydrinks und der Erzielung operativer Gewinne der "Fussballkonzernabteilung" dient und die abstürzenden Margen der "ehemaligen" Edelmarke Red bull zu retten.
Wie von Leser Andre bereits erkannt hat man es also auch in Deutschland also bereits geschafft das 50+1 Prinzip "geschickt" zu umgehen. Die Versuchung ist groß, die Spirale des Geldes auch im Fussball immer weiter zu drehen,...davor ist auch Deutschland und die bundesliga nicht gefeit. ich persönlich wünsche mir keine amerikanischen Verhältnisse, wo man zur NbA oder NFL geht, sich den Privatclub eines Millionärs, Milliardärs oder Unternehmens anschaut, der gegen den Club eines anderen Millionärs, Milliardärs oder Unternehmens so etwas wie Sport veranstaltet und wenn mal einer keine Lust oder kein Geld mehr hat zieht der Club halt von Stadt A in bundestaat b.
Fussball ist für viele Menschen viel, viel mehr als Werbeträger, Marketinginstrument und Ausdruck von Selbstdarstellung und Geltungssucht von einem "Clubeigentümer" X Y.
Die Zukunft wird zeigen, wo die Grenzen verlaufen. Ein Ziel hat Dieter Matteschitz schon erreicht, ich werde kein Red bull mehr trinken.
@Gregor berner
Das mag alles sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass diese aus meiner Sicht berechtigte 50+1 Regelung faktisch umgangen wird. unabhängig davon, ob eine Region mit nem tollen Stadion was davon hat oder nicht. Diese juristischen Winkelzüge werden als Präzedenzfall in die Geschichter der bundesliga eingehen und andere Unternehmen zu gleichen Vorhaben animieren. Schön wenn dann in 20 Jahren Rb Leipzig gegen bP Hamburg und Aldi Süd Unterschleißheim gegen den Fortuna RWE Essen spielt. Wenn dann Abramowicz, Mateschitz und Co. keine Lust mehr haben oder einfach mal das Marketingbudget erschöpft ist kann man sich dann nen anderen Verein suchen, mit dem man sich identifizieren möchte. in diesem Sinne willkommen in der totalen Kommerzialisierung, bis zum bitteren Ende...
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