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Neue Offenheit im Fußball: Hitzlsperger outet sich als Homosexueller

Thomas Hitzlsperger will die Diskussion über Homosexualität im Profisport voranbringen. Deshalb outet er sich offiziell als erster deutscher Profi-Fußballer. Die Reaktionen auf das Coming-Out sind beinahe einstimmig.

Thomas Hitzlsperger vor gut drei Jahren als aktiver Fußballer im Länderspiel Deutschland gegen Dänemark. Quelle: dpa
Thomas Hitzlsperger vor gut drei Jahren als aktiver Fußballer im Länderspiel Deutschland gegen Dänemark. Quelle: dpa

„Ich habe mich nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin”, sagt Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger in einem Interview, das am Donnerstag erscheint. Nach Zeit-Angaben zog sich Hitzlsperger vor vier Monaten aus dem öffentlichen Leben zurück. Er melde sich noch einmal zu Wort, „weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte”, heißt es auf Zeit Online. Er habe das Gefühl, dass nach dem Ende seiner Karriere ein guter Moment dafür gekommen sei.

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Bislang wurde Homosexualität im deutschen Profi-Fußball totgeschwiegen – schwul zu sein war ein Tabu. Dazu trugen auch homophobische Aktionen von vereinzelten Fangruppen bei. Kritiker verweisen auch auf veraltete Strukturen im DFB, die den „Männersport“ hochhalten und es schwulen Profis schwer machen, öffentlich zu ihrer Neigung zu stehen. Mit dem ersten Bekenntnis eines erfolgreichen Fußballprofis könnte sich das nun ändern.

Auch diese berühmten Sportler haben sich geoutet

  • Tom Daley

    Der britische Wasserspringer enthüllte seine Liebe zu einem Mann Anfang Dezember 2013 im Internet: „Ich habe jemanden getroffen, der mich so glücklich gemacht hat, der mir Sicherheit gegeben hat. Es fühlt sich alles einfach großartig an. Und dieser Jemand – war ein Mann.“

  • Justin Fashanu

    Der britische Fußballer war 1990 der erste aktive Profi, der sich outete. Acht Jahre später erhängte sich der damals 37-Jährige nach einer regelrechten Hetzjagd in Großbritannien am 2. Mai 1998 in einer Garage.

  • Anton Hysén

    2011 outete sich der Schwede als erster prominenter Fußballer in dem skandinavischen Land.

  • Greg Louganis

    Der viermalige Goldmedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 1984 und 1988 hatte kurz vor den Spielen in Seoul die HIV-Diagnose erhalten, dies aber zunächst verschwiegen. In der Qualifikation des 3-m-Wettbewerbs schlug er dann mit dem Kopf auf das Brett und zog sich dabei eine blutende Wunde zu. Diese wurde von einem Arzt ohne Handschuhe versorgt, der von der HIV-Infektion nichts wusste, später aber negativ getestet wurde.

  • Brian Boitano

    Der Eiskunstlauf-Olympiasieger outete sich im Dezember als schwul, zwei Tage nach seiner Berufung in die US-Delegation für die Winterspiele in Sotschi. „Ich bin ein Sohn, ein Bruder, ein Onkel, ein Freund, ein Sportler, ein Koch, ein Autor. Und schwul zu sein ist nur ein weiterer Teil von mir“, hieß es in einer von USA Today veröffentlichten Stellungnahme des 50-Jährigen.

  • John Amaechi

    Der frühere NBA-Profi bekannte sich nach seiner Karriere in der nordamerikanischen Profiliga in seiner Autobiografie „Man in the Middle“ als erster Basketballer.

  • Robbie Rogers

    Anfang 2013 outete sich der Fußballer und gab gleichzeitig seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Am 27. Mai gab er für Los Angeles Galaxy in der 77 Minute sein Comeback und ist damit der erste geoutete homosexuelle Profi, der in der MLS ein Spiel absolvierte.

  • Brian Orser

    Der zweifache Silbermedaillen-Gewinner im Eiskunstlauf hatte lange versucht, seine Homosexualität zu verbergen - bis sie durch einen Prozess um den Unterhaltsanspruch seines Ex-Partners im Februar 1999 bekannt wurde.

  • Gareth Thomas

    2009 bekannte sich der Rugbyspieler zu seiner Homosexualität und wurde am Ende des Jahres an die Spitze der Pink List gewählt, der einflussreichsten Homosexuellen Englands. Eine Verfilmung seines Lebens ist geplant.

  • Mark Tewksbury

    Kurz nach seinem Outing 1998 verlor der Schwimm-Olympiasieger von Barcelona 1992 einen lukrativen Werbevertrag, weil er „zu offen schwul“ sei. 2008 sprach der Kanadier anlässlich einer neuen Verordnung zur Stärkung der Rechte Homosexueller vor der UN-Vollversammlung in New York.

Der Grünen-Politiker Volker Beck hat Hitzlsperger für sein Outing gelobt. „Ich habe großen Respekt“, sagte Beck, der selbst einer der ersten bekennenden Schwulen im Bundestag war, am Mittwoch in Berlin. Im männlichen Profi-Fußball sei Homosexualität leider immer noch ein Tabu. „Ich hoffe, dass Hitzlspergers mutiger Schritt dazu beiträgt, dass dieses Tabu endlich fällt. Es ist jetzt Aufgabe des DFB, aktiven Spielern Mut zu machen!“ Schade sei allerdings, dass das Outing erst nach Beendigung von Hitzlspergers aktiver Karriere möglich gewesen sei.

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