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Niedrige Nachfrage: Bei der WM bleiben die Logen leer

Es ist das Eingeständnis des Scheiterns auf Innenministerart: "Ich vermute, dass diese Regelungen nicht mit 100prozentiger Präzision durchgeführt werden", orakelte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am Montag im Anschluss an eine Diskussion mit Fifa-Chef Josef "Sepp" Blatter an der Universität Paderborn.

Viele Logen - wie hier im Stadion von Hannover - drohen leer zu bleiben. Foto: dpa
Viele Logen - wie hier im Stadion von Hannover - drohen leer zu bleiben. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Gefragt worden war er nach dem Eintrittskartensystem der Fußball-WM: Auf jedem Ticket ist der Name des Besitzers vermerkt, wer seine Karte nicht nutzen will, muss sie umschreiben lassen. Die Übertragung soll aber nur "innerhalb der Familie oder einer rechtlich anerkannten Lebensgemeinschaft" möglich sein. Um dies zu kontrollieren, hatten die WM-Organisatoren Stichproben-Kontrollen angedroht. Zwischen den Zeilen ließ Schäuble nun durchblicken, dass dieses System nicht durchzuhalten sein wird.

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Drei Wochen vor Beginn des WM-Turniers sind Eintrittskarten weiterhin ein emotionales Thema. Und deshalb mag Fifa-Präsident Blatter auch nichts zum schleppenden Verkauf der Hospitality-Karten sagen, also jener Billets mit Zusatzleistungen wie Bewirtung im Vip-Bereich. Dabei wurde in dieser Woche bekannt, dass ISE Hospitality, der exklusive Verkäufer der Karten, sein Kontingent von 349 000 auf 285 000 gesenkt hat. Die überzähligen Karten kommen nun - darauf drängt zumindest das WM-Organisationskomitee - ohne VIP-Rechte zurück in den normalen Verkauf.

Doch selbst das reduzierte Kontingent ist längst nicht vergeben: Dem Handelsblatt liegt ein schriftliches ISE-Angebot: So sind für das Eröffnungsspiel noch Bestellungen von 20 Karten möglich, noch mehr gibt es für Deutschland - Ecuador und die Partie Brasilien - Japan. Sogar für das Finale sind Tickets zu haben. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sollen insgesamt 13 000 bis 15 000 Karten zu haben sein.

Bemerkenswert: Diese Plätze befinden sich explizit in der zweithöchsten Preiskategorie, dem Elite-Bereich. Von diesem aber hatte ISE-Chef George Taylor Anfang April bei einer Pressekonferenz behauptet, er sei ausverkauft. Inzwischen schweigt ISE zu detaillierten Fragen. Über eine PR-Agentur lässt das Unternehmen Floskeln mitteilen wie: "Dies ist das größte Hospitality-Programm aller Zeiten." Es wird betont, dass es keine Preissenkungen gebe. Insgesamt sieht ISE einen "großen Erfolg für alle Beteiligten". Definitionssache. 170 Mill. Euro hat ISE für die Vermarktung an die Fifa gezahlt. Branchenexperten glauben, dass der durchschnittliche Ticketpreis bei 1 900 Euro liegt und ISE rund 320 Mill. für die Bewirtungsmaßnahmen aufwendet. Selbst wenn das reduzierte Kontingent verkauft wird, dürfte nur ein magerer Gewinn übrig bleiben - und der geht zu 70 Prozent an die Fifa.

Die Kunden der ISE sind ebenfalls nicht glücklich. Zahlreiche Firmen sitzen auf WM-Karten und wissen nicht wohin damit. Dies ist zum Beispiel aus dem Umfeld der Deutschen Telekom zu hören. Andere wollen ihre Karten zurückgeben, beißen bei der ISE aber auf Granit.

So mancher hat die Probleme der teuren Karten unterschätzt: Verschenkt er sie an Mitarbeiter, müssen diese den Gegenwert als geldwerten Vorteil versteuern. Lädt er Geschäftspartner ein, bringt er diese in den Ruch der Vorteilsannahme, sprich: Bestechung. "Sponsoren dürfen keinem Amtsträger, mit dem sie möglicherweise dienstliche Beziehungen haben, im Hinblick auf diese dienstlichen Beziehungen Vorteile gewähren. Das stellt der Gesetzgeber unter Strafe", behauptet der Karlsruher Staatsanwalt Rainer Bogs. Seine Behörde ermittelt gegen ENBW-Chef Utz Claassen wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung an 15 Amtsträger: Der Energiekonzern wollte Politiker zur WM einladen.

Wolfgang Schäuble hat die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Weitergabe von Freikarten kritisiert. "Es gibt in Deutschland eine Neigung, die Dinge zu übertreiben. Davon sind auch die Staatsanwaltschaften nicht frei", sagt Schäuble der Wochenzeitung Die Zeit. Die Vorstellung, dass Sponsoren Politiker durch Einladungen zu WM-Spielen für ihre Interessen einspannen wollten, sei "absurd".

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