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Profifußball: So wird die Liga trotz Bayern-Dominanz nicht langweilig

Der FC Bayern gewinnt alles, Borussia Dortmund fast alles. Was zum historischen Finale der Champions League geführt hat, macht die Bundesliga daheim dagegen langweilig. Diese sechs Schritte könnten das ändern.

Die Mannschaft des FC Bayern München auf dem Flughafen in München. Spieler Philipp Lahm (l) und Trainer Jupp Heynckes tragen stolz den CL-Pokal. Quelle: dpa
Die Mannschaft des FC Bayern München auf dem Flughafen in München. Spieler Philipp Lahm (l) und Trainer Jupp Heynckes tragen stolz den CL-Pokal. Quelle: dpa

Das Champions-League-Finale ist ein Höhepunkt deutscher Fußballgeschichte. Doch die Begeisterung der Fans geht auf Kosten der Bundesliga, die in diesem Jahr langweilig war wie selten zuvor. Stehen ihr auch künftig spanische Verhältnisse bevor, also die Dominanz zweier großer, reicher Vereine? Oder gar eine Monokultur des allergrößten, allerreichsten, des FC Bayern?

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Durch die Erfolge der beiden deutschen Vereine entsteht eine besondere Dynamik, die man als runaway selection bezeichnen kann. Wer Erfolg hat, bekommt mehr Geld. Mit diesem Geld hat er wiederum mehr Erfolg. Der Teufel macht immer auf den größten Haufen.

Bayern gegen Dortmund – der wirtschaftliche Vergleich

  • Wirtschaftliche Daten

    Bayern
    Umsatz: 373 Mio. Euro
    Gewinn: elf Mio. Euro

    Dortmund
    Umsatz: 223 Mio. Euro
    Gewinn: 27,5 Mio. Euro

  • Sportliche Daten

    Bayern
    Marktwert des Kaders: 431 Mio. Euro
    Vereinsmitglieder: 185.000
    Deutsche-Meister-Titel: 23
    Europapokal-Titel: 6

    Dortmund
    Marktwert des Kaders: 255 Mio. Euro
    Vereinsmitglieder: 80.000
    Deutsche-Meister-Titel: 8
    Europapokal-Titel: 2

  • Sponsoren

    Bayern
    Trikotsponsor: Deutsche Telekom, 23 Mio. Euro/Jahr, bis 2017
    Ausrüster: Adidas, zehn Mio. Euro/Jahr
    Partner: u.a. Lufthansa, Samsung, Lego, Yingli Solar

    Dortmund
    Trikotsponsor: Evonik, 15 Mio. Euro/Jahr, bis 2016
    Ausrüster: Puma, bis 2020, sechs Mio. Euro/Jahr
    Partner: u.a. Opel, Turkish Airlines, Oddset

  • Stadion

    Bayern
    Name: Allianz-Arena
    Vertrag: bis 2021 für sechs Millionen Euro pro Jahr
    Fassungsvermögen: 71.317 Zuschauer

    Dortmund
    Name: Signal Iduna Park
    Vertrag: bis 2021 für fünf Millionen Euro pro Jahr
    Fassungsvermögen: 80.645 Zuschauer

  • Aufsichtsrat

    Bayern
    Vorsitzender: Uli Hoeneß
    Mitglieder (unter anderem): Rupert Stadler (Audi), Herbert Hainer (Adidas), Martin Winterkorn (VW), Edmund Stoiber, Helmut Markwort (Burda)

    Dortmund
    Vorsitzender: Gerd Pieper
    Mitglieder (unter anderem): Peer Steinbrück, Friedrich Merz, Christian Kullmann (Evonik), Bernd Geske (Borussia-Großaktionäre), Harald Heinze (Stadt Dortmund)

  • Geschäftsführung

    Bayern
    Vorsitzender: Karl-Heinz Rummenigge
    Mitglieder: Jan-Christian Dressen (Finanzen), Matthias Sammer (Sport), Andreas Jung (Sponsoring)

    Dortmund
    Vorsitzender: Hans-Joachim Watzke
    Mitglieder: u.a. Thomas Treß (Finanzen), Michael Zorc (Sport), Carsten Cramer (Vertrieb, Marketing)

  • Wertvollste Spieler

    Bayern
    Bastian Schweinsteiger (Marktwert 35 Mio. Euro), Thomas Müller (37 Mio. Euro), Franck Ribéry (42 Mio. Euro)
    Dortmund
    Robert Lewandowski (28 Mio. Euro), Marco Reus (30 Mio. Euro), Mario Götze (42 Mio. Euro)

Die Bayern sind der reichste Verein, weil sie seit Jahrzehnten erfolgreich spielen und wirtschaften. Ungleichheit wird und soll es ja immer geben. Doch der Fußball lebt von Überraschungen. Aber auch von juristischen, ökonomischen und politischen Voraussetzungen. Einige dieser Regeln kann man ändern. Wir stellen, unabhängig von ihrer Durchsetzbarkeit, sechs Vorschläge zur Diskussion, deren Umsetzung die Ressourcen ein wenig gleichmäßiger verteilen und die dem Kampf der Langeweile dienen würden:

1. TV-Geld anders verteilen

Es heißt oft, das Geld, das die Bundesliga vom Fernsehen erhält, werde solidarisch verteilt. Im Vergleich mit anderen Ligen stimmt das auch. In Deutschland werden die TV-Rechte zentral vermarktet, in Spanien kann jeder Verein sie auf eigene Faust veräußern. Daraus folgt eine große Schere zwischen Groß und Klein. Gemäß einer Studie von Deloitte beträgt das Verhältnis zwischen dem Verein, der am meisten, und dem, der am wenigsten erhält, in der Primera Division etwa 13:1. In der Bundesliga ist der Bayern/Fürth-Quotient nur etwa 2:1.

Andererseits besagt diese Zahl: Auch in Deutschland erhalten die ohnehin schon Großen viel mehr als die Kleinen. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn die vielen Millionen, die Sky und die Öffentlich-Rechtlichen den Bundesliga-Vereinen zahlen, sind ja keine Prämien. Stattdessen könnte man sie gleichmäßig an alle verteilen. So wie das noch im Jahr 2000 üblich war. Eine Leistungskomponente im Verteilungsschlüssel wurde erst danach eingeführt.

Empfang in München Solo für Bayern

Um 17.30 Uhr war es soweit: Der Airbus der Lufthansa landete mit den Champions-League-Siegern 2013 an Bord wieder auf deutschem Boden.

Bild: dpa

2. Erlöse der Champions League anders verteilen

In der Champions League kann man reich werden. Allein schon durch die Gruppenphase erhalten alle Teilnehmer hohe fixe Erlöse. Wer entsprechend weiterkommt, verdient noch mehr. Um dem entgegenzuwirken, könnte die Uefa das K.o.-System von der ersten Runde an wiedereinführen. Diese Maßnahme würde den Vereinen die Planungssicherheit nehmen. Man könnte auch den aktuellen Modus beibehalten und stattdessen das Geld anders verteilen. Zum Beispiel, indem man einen Teil der Erlöse an einen nationalen Pool ausschüttet.

3. Bosman-Regel abschaffen

Im Jahr 1995 entschied der Europäische Gerichtshof im berühmten Bosman-Urteil: Erstens dürfen Profifußballer nach Vertragsende ablösefrei wechseln. Zweitens sind Ausländerquoten, wie sie im europäischen Teamsport bis dahin üblich waren, abzuschaffen. Das Urteil, das im Sinne des individuellen Arbeitsrechts getroffen worden war, hatte einen Machtgewinn der Spieler und ihrer Berater zur Folge. Es ging zu Lasten der kleinen und mittleren Vereine.

Champions-League-Prämien

  • Gesamtsumme erhöht

    Die Champions League bleibt für die UEFA und die teilnehmenden Fußball-Clubs ein florierendes Geschäft. Für diese Spielzeit hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) die Prämien nochmals erhöht. 910,3 Millionen Euro werden in der Champions League ausgeschüttet, gut 150 Millionen Euro mehr als in der Vorsaison und so viel wie nie zuvor.

  • Sichere Startprämie

    Als fixe Startprämie können alle 32 Vereine 8,6 Millionen Euro verbuchen - 1,4 Millionen mehr als in der Saison 2011/12. In der Summe winken dem Nachfolger des FC Chelsea als Champions-League-Sieger im besten Fall mehr als 60 Millionen Euro.

  • Siegprämien

    Pro Sieg in der Gruppenphase gibt es eine Million Euro, für jedes Unentschieden halb so viel. Erfolg zahlt sich auch in der K.o.-Runde richtig aus. 3,5 Millionen Euro überweist die UEFA für den Achtelfinal-Einzug, weitere 3,9 Millionen für das Erreichen des Viertelfinales. Die Halbfinalisten erhalten 4,9 Millionen Euro, der unterlegene Finalist 6,5 Millionen. Der Sieger des Endspiels am 25. Mai 2013 im Londoner Wembleystadion bekommt 10,5 Millionen Euro überwiesen.

  • Mehr Geld für FCB und BVB

    Neben den fixen Start- und Siegprämien kommen noch die Gelder aus dem Marktpool hinzu - insgesamt 409,6 Millionen Euro. Hier basiert die Summe auf einem speziellen nationalen Faktor, für den auch das Abschneiden der jeweiligen Clubs in ihren Ligen ausschlaggebend ist. Durch das Ausscheiden von Borussia Mönchengladbach kassieren Borussia Dortmund (45 Prozent) und Bayern München (35 Prozent) je fünf Prozent mehr, als wenn sich der Bundesliga-Konkurrent in den Playoffs durchgesetzt hätte. Für den FC Schalke 04 bleibt der Prozentsatz am „deutschen Kuchen“ bei 20 Prozent. Letztlich können die Clubs je nach Erfolg nochmals mit einem zweistelligen Millionenbetrag rechnen.

    Durch den Finaleinzug haben sowohl Bayern als auch Dortmund in diesem Jahr bereits jeweils mindestens 60 Millionen Euro in der Champions League eingenommen.

  • Vergleich Europa League

    Deutlich aufgewertet wurde die Europa League. Dennoch sind die Gelder im Vergleich zur Königsklasse nur ein Trostpflaster. Im kleinen Europacup fließen in dieser Saison 208,75 Millionen Euro an die 48 Vereine. 1,3 Millionen Euro beträgt das Startgeld. Pro Sieg gibt es 200 000 Euro, pro Remis 100 000. Mit speziellen Bonifikationen kann der Europa-League-Sieger beim Finale in Amsterdam am 15. Mai 2013 fast zehn Millionen Euro einstreichen.

"Weil die EU den Sport als eine wirtschaftliche Tätigkeit wie alle anderen betrachtet, weil sie den nationalen Charakter des Fußballs zugunsten einer künstlichen europäischen Dimension aufgegeben hat und weil sie ihr deregulierendes Primat für den freien Warenverkehr verteidigen wollte, hat die EU dem Fußball ein hyperkapitalistisches Element eingeschrieben: das Bosman-Urteil." Das sagt der ehemalige Fifa-Manager Jerome Champagne, dem Ambitionen auf die Nachfolge Joseph Blatters nachgesagt werden. Die Bosman-Regel habe "Elitismus und die Konzentration auf wenige wichtige Spieler und Vereine" verursacht, sagt der Franzose. Er fordert:

a) Ablösesummen auch nach Vertragsende wiedereinführen: Das Bosman-Urteil hat vor allem die großen, reichen Vereine gestärkt. Die kleineren sehen sich nämlich fast dazu gezwungen, ihre Spieler ein Jahr vor Ablauf des Vertrags zu verkaufen, damit sie eine Ablösesumme erhalten. Beispiele: Marco Reus bei seinem Wechsel von Gladbach nach Dortmund vor einem Jahr. Vor einem ähnlichen Problem steht nun Borussia Dortmund mit Robert Lewandowski.

b) Ausländerquoten wiedereinführen: In der Fifa werden immer mal wieder Quotenregeln diskutiert, zum Beispiel die 6+5-Regel, nach der mindestens sechs von elf Spielern für das einheimische Land spielberechtigt sein müssen. Oder die 4+4-Klausel, die besagt, dass im Kader eines Vereins vier Spieler im Verein, vier weitere im Verbandsgebiet ausgebildet sein müssen.

Eine Wiedereinführung der Quote hätte gravierende Auswirkungen. In den Profifußball-Mannschaften der EU-Staaten ist der Anteil an ausländischen Arbeitskräften vier bis fünf Mal so hoch wie der Durchschnitt der Arbeitswelt (8%).

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Ausländerquote klingt nach Diskriminierung, doch "sie würde Talent gleichmäßiger unter den Vereinen verteilen", sagt Quitzau.

Bundesliga-Umfrage Diese Spielertrikots verkaufen sich am besten

Hamburger SV

Bei den Hanseaten ist der Niederländer Rafael van der Vaart das Maß aller Dinge, sowohl auf dem Platz als auch in den Fanshops. Trikots mit seiner Rückennummer gehören zu den Verkaufsschlagern. Doch auch die Leibchen des quirligen Stürmers Heung-Min Son und des Youngsters Maximilian Beister verkaufen sich nach Angaben des Vereins sehr gut.

Bild: dpa

4. Draft

Die USA ist das kapitalistische Land schlechthin, doch sein Sport kennt sozialistische Instrumente. Etwa das Draft-System, wonach, vereinfacht gesagt, den schwächeren Vereinen ein Erstzugriffsrecht auf einen Talente-Pool eingeräumt wird. "Mit solchen Eingriffen in den freien Markt stärkt man die Kleinen", sagt Quitzau. "Allerdings ist das nicht mit unseren Grundsätzen der Entscheidungsfreiheit vereinbar. Sollen wir Jugendliche an einen Ort zwingen?"

5. Abstieg abschaffen oder abfedern

Im US-Sport sind Auf- und Abstiege unüblich, im deutschen Profi-Eishockey inzwischen auch. Das verschafft den Teams mehr Planungssicherheit. „Ein Verzicht auf Auf- und Abstieg würde zu einer sportlichen Angleichung führen", sagt Quitzau.

„Dennoch lehne ich diese Maßnahme ab, die Offenheit der Liga ist einer der Erfolgsschlüssel europäischer Ligen." Denkbar wäre es stattdessen, einen Fonds einzurichten, auf den Absteiger zugreifen könnten. Dann sänken ihre Einnahmen nicht so drastisch, wie sie das derzeit in der Bundesliga tun.

Die Torschützenliste der Champions League

  • Vier Tore

    Claudio Pizarro (Bayern München), Marco Reus (Borussia Dortmund), Lukas Podolski (FC Arsenal), Eliseu (FC Málaga), Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke 04), Roberto Soldado (FC Valencia), Fabio Quagliarella (Juventus Turin), Konstantinos Mitroglou (Olympiakos Piräus), Willian (Schachtjor Donezk)

  • Fünf Tore

    Oscar (FC Chelsea), Jonas (FC Valencia), Ezequiel Lavezzi (Paris St. Germain), Karim Benzema (Real Madrid), Alan (SC Braga)

  • Acht Tore

    Thomas Müller (Bayern München), Lionel Messi (FC Barcelona), Burak Yilmaz (Galatasaray Istanbul)

  • Zehn Tore

    Robert Lewandowski (Borussia Dortmund)

  • Zwölf Tore

    Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

6. Tore verkleinern

Ist nicht ganz ernst gemeint. Aber man sollte zumindest jede Regeländerung skeptisch betrachten, die zu mehr Toren führt. Denn Tore stärken den Starken. Fußball ist ein low score game, was dem Zufall eine größere Rolle zuweist. In Sportarten, in denen viele Tore (Handball) oder Körbe (Basketball) fallen, sind Außenseitersiege seltener.

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Es kommt schon mal vor, dass sich eine Mannschaft hinten reinstellt und mit einem Glücksschuss das Spiel gewinnt. Das haben die Bayern sogar im Champions-League-Finale 2012 erlebt. Auch wenn das aus deutscher Sicht eine unangenehme Erinnerung ist –solche Ergebnisse sollten auch den Fußball der Zukunft auszeichnen. 

Quelle: Zeit Online
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  • 28.05.2013, 17:45 UhrReap

    Salary Cap wurde schon genannt und würde ich auch gut finden.
    Aber wichtiger ist der Punkt wo das Geld zu Finanzierung des Kaders her kommt.
    Die Finanzierung müsste sich wie folgt zusammensetzen (Prozentangaben nur Beispiele):
    - 70% Ticketing
    - 10% Fernsehvermarktung
    - 10% Merchandising
    - 10% Sponsoring
    Somit haben die Vereine mit hohen Fanaufkommen ein Vorteil den nicht einfach ein Investor stopfen kann. Aber die Schere zwischen Arm und Reich ist nicht so groß.
    So eine Lösung geht natürlich nur Europaweit oder in Liga 2 und 3 vorerst. Ähnlich wie in der USA muss die Liga als das Produkt gesehen werden welches interessant gehalten muss nicht die einzelnen Vereine.

  • 28.05.2013, 17:39 Uhroeconom

    Jaja, dieses "Argument" kommt immer.

    Macht es Ihnen wirklich Spaß, wenn der Gegner nicht mehr satisfaktionsfähig ist ? Wirklich ?

  • 28.05.2013, 17:31 UhrReap

    Wenn Neid ein schlechter Ratgeber ist warum folgen Ihm dann so viele und werden Bayern-Fans? Ich sehe zumindest keinen anderen rationellen Grund warum z.B. ein Berliner dem FCB die Daumen drückt und nicht der Hertha. Neid lässt uns letztendlich den erfolgreichen Vereinen hinterherlaufen.

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