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Start-Up myfoozaa: Mit Sammelbildchen zum neuen Trikotsatz

Mit Sammelbildern von Amateurvereinen will das Berliner Start-Up-Unternehmen myfoozaa durchstarten. Auch ohne Messi oder Gomez: Das große Vorbild heißt Panini - und der Marktführer freut sich über die Konkurrenz.

Sammelfieber auf Kreisklassen-Basis: myfoozaa bietet Klebebilder für Amateur-Vereine an. Quelle: PR
Sammelfieber auf Kreisklassen-Basis: myfoozaa bietet Klebebilder für Amateur-Vereine an. Quelle: PR

BerlinEs ist der Traum eines jeden achtjährigen Jungen, der sich zweimal die Woche auf dem Ascheplatz die Knie wundgrätscht: Eine Tüte Sammelbildchen kaufen, den Inhalt herausfingern und dann auf dem dritten oder vierten Sticker sein eigenes Porträt finden. Darunter steht sein Name, die Position und der geliebte Heimatverein. Im Album kleben neben dem eigenen Foto noch die Mannschaftskameraden, ganz oben das Teamfoto und der Trainer. Genau wie bei den Großen.

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Jetzt macht ein Berliner Start-Up-Unternehmen genau das möglich. Die Idee ist denkbar einfach: Bei myfoozaa können sich interessierte Amateur-Vereine melden und Fotos aller Senioren- und Jugendmannschaften samt Platzwart, Vereinsheim-Wirt, Masseurin und Stammzuschauern im Rentenalter einschicken. Finanziert wird die Produktion der Hefte und Bilder in den Vereinsfarben von lokalen Sponsoren, die im Gegenzug Werbeflächen im Stickeralbum bekommen. 

Die Köpfe hinter diesem Konzept sind Michael Janek (28) und Aike Fiedler (21) - und das mit einer ganz persönlichen Motivation: „Wir sind selbst schon von Kindesbeinen dem Panini-Sammeln verfallen und haben uns damals nichts mehr gewünscht, als selbst einmal der Star zu sein und gesammelt und getauscht zu werden.“ Nach Gründung des Unternehmens im vergangenen Sommer gewannen die beiden Wahl-Berliner im Oktober als eins von 25 Start-Ups den Funding-Wettbewerb von Google Deutschland und der GründerGarage Berlin – und sammelten dabei über 6000 Euro, die von Google noch einmal verdoppelt wurden. Das Startkapital wanderte unter anderem in die Erstellung des Designs, in erste Drucke, ins Marketing und in ein Büro. 

Die myfoozaa-Gründer Michael Janek (r.) und Aike Fiedler. Quelle: PR
Die myfoozaa-Gründer Michael Janek (r.) und Aike Fiedler. Quelle: PR

Inzwischen hat myfoozaa bereits die ersten Vereine mit den maßgeklebten Stickern versorgt. Im Dezember wurde das erste Album in der fränkischen Heimat Janekt, bei den Amateurvereinen TSV Aidhausen und FC Nassach, vorgestellt. Für 2013 haben die beiden Existenzgründer große Pläne: „Wir rechnen 2013 mit einem starken Wachstum und einen Umsatz von 200.000 Euro“, verrät Janek. Die genaue Anzahl der bereits eingegangenen Aufträge will der 28-Jährige zwar nicht verraten, „aber wir sind sehr gut in das Jahr gestartet und werden im Sommer zum Hinrundenstart 2013/14 sehr stark ausgelastet sein.“ Gespräche mit Basketball-Bundesligisten und Fußball-Drittligisten laufen bereits. 

Sobald das Projekt einmal in der Breite der deutschen Fußball-Basis angekommen ist, erhoffen sich die beiden Gründe auch positive Effekte für die Amateur-Szene: „Alle Einnahmen aus dem Verkauf der Alben und Sticker kommen dem Verein zu Gute.“ Heißt: Durch das Tauschen und Sammeln soll so auch noch Geld zusammenkommen, das in Mannschaftsfahrten und neue Trikots investiert werden soll.   

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Woher das Konzept stammt ist klar: Das große Vorbild heißt Panini. Das 1954 als Zeitungsvertrieb in Modena gegründete italienische Unternehmen verkauft seit 1961 Klebe-Portraits. Inzwischen hat die Aktiengesellschaft über 850 Mitarbeiter und von den mehr als 800 Millionen Euro Umsatz entfallen 87 Millionen auf die 1974 gegründete deutsche Tochter-GmbH. Dieser Umsatz hängt eng mit den verkauften Klebebildchen zusammen: In Jahren ohne ein fußballerisches Großereignis machen die Sticker 40 Prozent am Gesamtumsatz aus. Zu Welt- und Europameisterschaften sind es satte 60 Prozent – mit dem bisherigen Highlight der WM 2006 in Deutschland, die fast im Alleingang mit 160 Millionen verkauften Tütchen für einen Rekordumsatz von 104 Millionen Euro gesorgt haben. 

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Als Konkurrent wird myfoozaa von Panini allerdings trotzdem nicht betrachtet: „Wir handeln und denken in größeren Kategorien“, erklärt Pressesprecherin Christine Fröhler. Im Gegenteil, das Berliner Start-Up könnte dem Marktführer sogar helfen: „Durch solche Projekte wird das Hobby Sammeln und Tauschen an sich gestärkt, davon profitiert wiederum Panini.“ Auch rechtliche Probleme gibt es keine: Panini besitzt zwar Lizenzverträge mit Uefa und Fifa, die Produktion von Klebebildern an sich ist jedoch nicht geschützt.

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