Nationalmannschaft
Das Ende des Stammspielers

Wenn Michael Ballacks Wade zwickt, kommt Thomas Hitzelspergers große Chance. Eventuell auch beim WM-Qualifikationsspiel gegen Wales. Überzeugt der Stuttgarter Kapitän, könnte sich die Philosophie von Bundestrainer Jogi Löw bestätigen: Jeder ist ersetzbar, keiner ist gesetzt.

DÜSSELDORF. Thomas Hitzlsperger verfügt über eine ganze Reihe unbestreitbarer Qualitäten. Er hat zum Beispiel einen außerordentlich begabten linken Fuß, mit dem er so hart und präzise schießt, dass sie ihn in England einst „The Hammer“ tauften. Daneben kann sich der 26-Jährige beachtlicher läuferischer, kämpferischer und vor allem strategischer Talente rühmen, weshalb er seit dieser Saison nicht nur als Kapitän seines Klubs VfB Stuttgart fungiert, sondern zuletzt auch von Beginn an das Trikot der deutschen Nationalmannschaft überstreifen durfte. Vor allem aber gibt es wohl niemanden, der es schafft, in seinen Interviews so oft das Wort Bundestrainer unterzubringen.

Was er zum Konkurrenzkampf im deutschen Mittelfeld sagt? „Eine Idealsituation für den Bundestrainer“. Ob er angesichts des heutigen Gegners Wales bestimmte Erfahrungswerte aus seiner Zeit auf der Insel anwenden wird? „Ich verlasse mich darauf, was (Chefscout, d. Red.) Urs Siegenthaler und der Bundestrainer sagen“. Ob er sich nach seinem starken Auftritt gegen Russland als Stammspieler sieht? „Ich weiß, dass es da keine Garantien mehr gibt – wie es der Bundestrainer gesagt hat.“

Es hat manchmal also etwas Streberhaftes, wenn Thomas Hitzlsperger, ein gescheiter und offener Typ, über die Aktualität der Nationalelf referiert. Wollte man die Augen schließen und die unterschiedlichen süddeutschen Akzente des Bayern Hitzlsperger und des Badenser Löw ignorieren, könnte man ihn dann fast persönlich sprechen hören, den Bundestrainer. Gestern wiederholte der Musterschüler folglich auch die neue Ideologie der Nationalmannschaft, die sein Lehrer schon am Vortag verkündet hatte: „Das Wort Stammspieler“, sagte Hitzlsperger, „kann man so nicht mehr gebrauchen“. Früher sei von elf, zwölf, 13 Spielern ausgegangen worden, die immer spielten – aber das, „das gibt es nicht mehr“.

Joachim Löw hatte seinerseits gefordert, „wir müssen in Deutschland mal grundsätzlich von dem Gedanken weg kommen, dass wir monatelang mit elf Spielern auskommen.“ Das war auch insofern ein bemerkenswerter Appell, als es ja durchaus Leute gibt, die diesem Gedanken schon früher entsagen wollten als es der Bundestrainer getan hat. Noch vor und bei der EM im Sommer verteidigte Löw das Platzrecht öffentlich heftig umstrittener Akteure, etwa Jens Lehmann oder Christoph Metzelder, wie Urlauber ihr Handtuch auf Mallorca. So sie irgend fit war, spielte meist die immer gleiche Mannschaft – die der WM 2006.

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