Nationalmannschaft
Löw kurz vor Verlängerung

Alle Weichen sind gestellt für zwei weitere Jahre mit Bundestrainer Joachim Löw. Freitag soll alles klar sein. Löw ist sich bewusst: Die Erwartungen an ihn für die WM 2014 sind hoch - trotz Vertragsverlängerung.
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KölnJetzt kann alles ganz schnell gehen. Obwohl sich Joachim Löw an diesem Wochenende nicht mit der Verlängerung seines Arbeitspapiers als Bundestrainer beschäftigen will, sind alle Weichen für eine Vertragsverlängerung bis 2016 bereits gestellt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll bis zum Freitag alles perfekt sein, dann möchte der Deutsche Fußball-Bund den Deal verkünden. „Wir haben schon Gespräche geführt und die Eckdaten festgezurrt“, hat Löw unmittelbar nach dem 3:0-Sieg gegen Irland und der damit erreichten Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Fußball-Traumland Brasilien erklärt.

Die Einigung auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem DFB bis zur nächsten EM in Frankreich steht auch für Löw nicht mehr infrage. Zwar hatte der 53 Jahre alte Freiburger, der 2006 als Assistent von Jürgen Klinsmann begonnen und zwei Jahre später die Chefposition bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft übernommen hatte, immer betont, auch ohne Vertragsverlängerung die fünfte Titelmission angehen zu können. Verbandschef Wolfgang Niersbach will nach den Erfahrungen bei der WM 2010 in Südafrika jedoch unbedingt mit geklärten Verhältnissen nach Brasilien reisen. Der DFB-Präsident hatte die Vertrags-Hängepartie von Löw und der kompletten sportlichen Leitung beim letzten WM-Turnier als störendes Dauerthema empfunden.

„Wir haben am Dienstag noch ein Spiel, danach setzen wir uns zusammen und werden uns zu den spannenden Personalien klar äußern“, kündigte Niersbach nun an. Wahrscheinlich wird er am Freitag in der DFB-Zentrale gleich eine Komplettlösung präsentieren, von der er bisher immer gesprochen hat: Löw-Assistent Hansi Flick rückt nach der WM im kommenden Sommer zum DFB-Sportdirektor auf; Andreas Köpke bleibt Torwarttrainer, Oliver Bierhoff ist als Teammanager weiter für das Markenprodukt Nationalmannschaft zuständig.

„Wir müssen uns auf jeden Fall nochmal zusammensetzen“, hatte Bierhoff allerdings im Vorfeld des Irland-Spiels geäußert. Alle aktuellen Verträge laufen mit der WM-Endrunde 2014 aus. Präsident Niersbach und Generalsekretär Helmut Sandrock sind jetzt in Köln und ab Montag in Stockholm ganz nah dran an der Sportlichen Leitung. „Wir haben ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis“, sagte Bierhoff. Schon ein gemeinsames Essen der Protagonisten in den kommenden Tagen könnte reichen, um die letzten Details zu klären.

Einen vorzeitigen Wechsel von Flick auf den vakanten Direktorenposten beim Verband hatte Löw bereits ausgeschlossen: „Das ist nicht möglich. Das würde dem jeweiligen Amt nicht gerecht.“ Flick habe ihm zwar gesagt, dass er sich gut vorstellen könne, Sportdirektor zu werden. „Aber bis zur WM 2014 wird er auf jeden Fall in unserem Team bleiben“, hat Löw betont. Aktuell will er sich mit den Entwicklungen bis zum Schweden-Spiel am Dienstag nicht beschäftigen. „Von daher war es jetzt überhaupt kein Thema und wird auch morgen und übermorgen überhaupt kein Thema sein“, sagte der Bundestrainer nach dem Irland-Spiel.

Nach Platz zwei bei der EM 2008 und Rang drei bei der WM 2010 nährte der Dämpfer bei der EURO vor einem Jahr bei Löws Kritikern die Zweifel, dass er das DFB-Team nach 18 Jahren Titelabstinenz in Brasilien wieder auf den Thron führen kann. „Jedes Turnier bringt neue Erfahrungen und Erkenntnisse, welche Fehler hat man gemacht, welche Fehler muss man vermeiden“, hielt Löw dagegen.

Der DFB-Chefcoach ist sich der riesigen Erwartungen voll bewusst - ob mit oder ohne neuen Vertrag. „Die Verantwortung und der Druck sind gleich. Wenn Deutschland in ein Turnier geht, will man immer den maximalen Erfolg“, sagte Löw. Gelingt der große Coup, könnte er als WM-Titeltrainer seinen Platz übergeben. Wenn nicht, ist alles möglich. Im November bestreitet Löw sein 100. Länderspiel als Bundestrainer, nur Sepp Herberger (167), Helmut Schön (139) und Berti Vogts (102) haben mehr - und die haben alle einen Titel geholt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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