Nationalmannschaft
Nur noch mit unseren eigenen Schuhen!

Kurz vor dem Länderspiel gegen Schweden (20.45), das zugleich der Einstand für den neuen Bundestrainer Joachim Löw ist, drängt der Streit um das Schuhwerk der Nationalspieler den Sport in den Hintergrund: Ballack & Co. wollen nur noch in ihren eigenen statt mit den Tretern des DFB-Ausrüsters Adidas auflaufen.

BERLIN. Der bizarr anmutende Schuh-Streit ist überraschend schnell beigelegt: Die Nationalspieler haben sich am gestrigen Dienstag Nachmittag mit dem Deutschen Fußball-Bund darauf geeinigt, am Mittwoch im Länderspiel gegen Schweden noch einmal alle in Adidas-Schuhen aufzulaufen. Am 2. September im ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Stuttgart wollen die Profis aber in den Schuhen ihres jeweiligen persönlichen Ausrüsters antreten. Einige Spieler hatten angeblich mit Boykott des Schweden-Spiels gedroht, sollte es vor Anpfiff der Partie keine Lösung geben.

Der ist nun vom Tisch. „Wir sind es den Fans schuldig, nicht mit einer Rumpfmannschaft aufzulaufen“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Zwanziger und sein Co-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder versicherten, dass sie nach dem Schweden-Spiel Gespräche mit den Partnern führen werden. Ziel sei es, „eine einvernehmliche Lösung“ zu finden. Zwanziger beauftragte Generalsekretär Horst R. Schmidt, umgehend Gespräche mit Ausrüster Adidas zu führen. Der bis 2010 datierte Vertrag lässt es derzeit nicht zu, dass die Spieler mit anderen, aus ihren Klubs gewohnten Schuhen spielen dürfen.

Angeführt von WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, Torwart Jens Lehmann und Christoph Metzelder hatten die Nationalspieler gefordert, bei Länderspielen künftig ihre eigenen Schuhe anziehen zu dürfen. Hinzu gesellten sich Ersatzkeeper Hildebrand, Tim Borowski und Arne Friedrich, die Gladbacher Jansen und Neuville, die Dortmunder Odonkor und Kehl, die allesamt in ihren Vereinen mit Puma-, Nike- oder Lotto-Schuhen Fußball spielen. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen die Nationalspieler die Schuhe des Verbandes schnüren und damit erhebliche Einbußen bei Verträgen mit ihren Ausrüstern hinnehmen müssen.

Sogleich war im Boulevard von „Streik der WM-Helden“ und vom „Schuhkrieg“ die Rede und sogar davon, dass die Spieler gar nicht erst gegen die Schweden spielen würden. „Bis jetzt ist noch keiner abgereist“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff am Dienstagmorgen noch süffisant, er dachte wohl, dass er und Bundestrainer Joachim Löw in diesem Fall am längeren Heben sitzen. Ganz nach dem Motto: Wer streikt, der fliegt! „Die Spieler wollen spielen und sie werden spielen. Wir sollten uns die WM-Stimmung nicht kaputt machen“, forderte hingegen Zwanziger.

Dabei ist der Konflikt, einerseits im Nationaltrikot die Ausrüsterverträge des DFB erfüllen, andererseits aber die eigenen Sponsoren präsentieren zu müssen, bestenfalls für die beiden Neulinge Manuel Friedrich und Malik Fathi neu. „Diese Diskussionen gibt es schon seit Jahrzehnten, das hat uns auch in den vergangenen zwei Jahren begleitet“, sagte Bierhoff. Nur, dass sich dieses Mal die gesamte Mannschaft für eine freie Schuhwahl ausgesprochen habe. Bierhoff bestätigte etwa, dass der vor der WM aussortierte Dortmunder Christian Wörns sich geweigert hatte, in den Schuhen von Adidas zu trainieren und zu spielen.

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