Neauflage des WM-Finales von 1998
Frankreich feiert Zidane, Spanien am Boden

Während die zuvor so hochgelobten Spanier auf gepackten Koffern sitzen, träumt Frankreich vom nächsten Husarenstreich. Das Achtelfinale zwischen Frankreich und Spanien legte viele Emotionen frei.

Ball-Zauberer Zinedine Zidane hat in einer "magischen Nacht" die Zeit angehalten und das Ende seiner glanzvollen Karriere zumindest bis zum Wochenende hinausgezögert. Nun geht es für die Grande Nation in der Neuauflage des WM-Finales von 1998 gegen Rekord-Weltmeister Brasilien. Und wenn es nach dem 34-Jährigen geht, erlebt die französische Nationalmannschaft nach dem 3:1 (1:1)-Achtelfinalsieg in Hannover gegen Spanien auch noch die nächste Woche bei der WM-Endrunde in Deutschland.

"Unser Abenteuer geht weiter, unsere Erinnerungen an Brasilien sind gut", sagte "Zizou", in der Nachspielzeit Torschütze zum Endstand, im Vorbeigehen, huschte in die laue Sommernacht und ward nicht mehr gesehen. Ein Verhalten ganz nach dem Geschmack seines Trainer Raymond Domenech: "Im Viertelfinale am Samstag in Frankfurt müssen wir eine ganz außergewöhnliche Leistung abrufen. Da ist es wichtig, dass unsere älteren Spieler sofort mit der Regeneration beginnen."

Acht Jahre nach dem 3:0-Triumph im WM-Finale von Paris

Acht Jahre nach dem 3:0-Triumph im WM-Finale von Paris gegen die Selecao ist die klägliche Vorrunde der Equipe Tricolore vergessen, die Fans haben sogar schon mehr als die Vorschlussrunde im Blick und intonierten in der mit 43 000 Zuschauern ausverkauften WM-Arena mit Inbrunst und charmantem französischen Akzent: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!"

Mit weniger Dynamik als zu seinen Glanzzeiten, aber unverändert feinem Ballgefühl und sicherem Auge drehte Zidane ein Spiel, in dem lange Zeit die Spanier dominierten. Die in der Vorrunde völlig ungefährdeten Iberer führten durch ein Foulelfmetertor von David Villa (28.) verdient mit 1:0 und waren einem zweiten Treffer näher als die Franzosen dem Ausgleichstor, ehe Jungstar Franck Ribery (41.) egalisieren konnte.

Was nach dem Seitenwechsel passierte, rief selbst beim französischen Rekord-Internationalen Lilian Thuram eine Gänsehaut hervor. "Meine Empfindungen sind noch euphorischer als beim WM-Sieg 1998, weil es diesmal kein Heimsieg war und wir das Trauma von 2002 und die daraus resultierende Blockade endlich abschütteln konnten", erklärte der Innenverteidiger. Mittelfeldspieler Patrick Vieira erzielte per Kopfball (82.) den zweiten Treffer, ehe auch Zidane ins Tor traf.

Das Erfolgserlebnis für seinen Superstar nahm auch Coach Domenech viel vom Druck der vergangenen Wochen: "Es war eine ganz starke Leistung auf die zuletzt harte Kritik. Man konnte sehen, dass er immer noch in der Lage ist, 90 Minuten zu laufen und danach noch ein Tor zu erzielen. Die Fans können von ihm immer noch etwas Besonderes erwarten."

Aragones: "Wir haben taktische Fehler gemacht"

Domenechs Kollege Luis Aragones hingegen wird sich in den nächsten Tagen auf starken Gegenwind einstellen müssen, zu sicher war man in Spanien, bei dieser Weltmeisterschaft den ganz großen Wurf landen zu können. Fehlende Routine seiner jungen Truppe hatte der 67-Jährige als Hauptgrund für die unerwartete Niederlage ausgemacht. "Wir haben taktische Fehler gemacht und waren nicht mehr eng genug an den Gegenspielern", formulierte der Madrilene. Hinzu kam: Anders als Zidane erwies sich die Rückkehr von Spaniens Kapitän Raul nicht als die erhoffte Verstärkung. An seinem 29. Geburtstag war der Publikumsliebling so weit von seiner Bestform entfernt, dass Aragones ihn schon in der 54. Minute vom Spielfeld holte. "In unserer Mannschaft steckt viel Qualität, das verspricht viel für zukünftige Turniere", bilanzierte der Routinier.

Nun ist die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz das nächste sportliche Ziel der Iberer, die Geduld ihrer Anhänger wird weiter auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Mittlerweile 42 Jahre ist es her, als Spanien bei der EM 1964 seinen bislang einzigen internationalen Titel holte. Da waren viele der heutigen Fans noch nicht einmal geboren ...

© SID

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