Neue Sitten unter Klinsmann
Spielerberater als Stammgäste

Kurz vor dem Confederations Cup wissen einige deutsche Nationalspieler noch nicht, wo sie in der in Zukunft spielen werden. Jürgen Klinsmann sieht es locker.

DÜSSELDORF. Kevin Kuranyi ist ein gläubiger Mensch. Bei seinen Reisen um die Welt führt er stets eine Bibel mit sich, und jeden Abend vor dem Einschlafen betet Kuranyi zu Gott. In diesen Tagen bittet der Fußballprofi vom VfB Stuttgart darum, "dass er mir die Kraft gibt, die richtige Entscheidung zu treffen". Die Frage, die Kuranyi belastet, ist, ob er in Stuttgart bleiben soll oder zu Schalke 04 wechselt. Die dritte Möglichkeit, einen Wechsel zu Olympique Lyon, hat der Stürmer im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr bereits verworfen.

Am liebsten würde Kuranyi über dieses Thema gar nicht mehr reden: "Je mehr Meinungen man einholt, desto schwieriger wird es." Nur mit seiner Familie will er sich nach dem Länderspiel gegen Russland (Mittwoch, 20.45 Uhr, live im ZDF) noch abschließend beraten und dann am Ende dieser Woche seine Entscheidung verkünden - gerade rechtzeitig vor dem Beginn des Confederation Cups und damit ganz im Sinne der sportlichen Führung der Nationalmannschaft. "Es ist aber auch nicht tragisch, wenn es nicht klappt", sagt deren Manager Oliver Bierhoff. "Wir haben kein Problem damit, wenn Spielerberater oder Vereinsvertreter im Mannschaftshotel auftauchen."

Das war früher anders. Berti Vogts wollte für die WM 1998 nur Spieler nominieren, die für die neue Saison bereits fest unter Vertrag standen. Durchhalten konnte er diese Vorgabe dann allerdings nicht. Seine Rigidität in dieser Frage war auch der schlechten Erfahrung während der EM 1996 geschuldet. Damals hatte der Multifunktionär Gerhard Mayer-Vorfelder in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes dem gleichnamigen Präsidenten des VfB Stuttgart erlaubt, im Quartier der Nationalmannschaft Andreas Köpke als neuen Torhüter des VfB vorzustellen. Köpke hatte den Vertrag allerdings noch nicht unterschrieben, weil er mit einem Wechsel zum FC Barcelona liebäugelte. Als ihn Barca am Ende doch nicht haben wollte und der VfB sich in Person von Mayer-Vorfelder hintergangen fühlte, blieb Köpke nur der Wechsel nach Marseille. Und er war vom eigenen Vorgesetzten der Lächerlichkeit preisgegeben worden.

Inzwischen wird das Thema sehr viel unaufgeregter behandelt. Das beste Beispiel für den neuen Geschäftsgeist ist Torsten Frings. Während der WM 2002 verkündete er seinen Wechsel zu Borussia Dortmund und bei der EM 2004 den Wechsel zu Bayern München. Die Ungewissheit um die eigene berufliche Zukunft, "die wühlt mich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht auf", sagt Frings, der vor der Rückkehr zu Werder Bremen stehen soll. "Das würde nur unnötige Energie verschwenden."

Bundestrainer Jürgen Klinsmann, als Spieler ein Vielwechsler, akzeptiert die Realität, wie sie ist. "Das ist allein Sache der Spieler", sagt er. Ohnehin ist er der Auslöser der Großrotation im Kader der Nationalmannschaft. Wer bei der WM dabei sein will, muss in seinem Klub Stammspieler sein, besser noch eine tragende Rolle spielen und im Idealfall sich auch international weiterbilden können. Auch deshalb wechselt Mike Hanke zum VfL Wolfsburg, Thomas Brdaric nach Hannover, Patrick Owomoyela zu Werder Bremen und Thomas Hitzlsperger nach Stuttgart. Wechselkandidaten waren und sind außerdem Jens Lehmann, Robert Huth, Per Mertesacker, Dietmar Hamann, Sebastian Deisler, Torsten Frings und Kevin Kuranyi.

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