Neues Millionenloch?
Schalke beweist gegen HSV große Moral

Auch neue Schlagzeilen über die Finanzmisere auf Schalke bringen die Mannschaft von Trainer und Manager Felix Magath nicht aus der Spur: Sportlich zeigen sich die Königsblauen in einem rassigen Topspiel gegen den Hamburger SV voll auf der Höhe, beweisen große Moral und begeistern die Fans. Dabei kommen ein Bericht über ein angeblich neues dreistelliges Millionenloch zur Unzeit.

GELSENLKIRCHEN. Keiner in Gelsenkirchen hätte mehr einen Cent auf dieses Schalke gesetzt. Nicht bei einem 0:2 zur Pause und das gegen einen personell gebeutelten Hamburger SV, der in dieser ersten Halbzeit so abgezockt und kaltschnäuzig spielte, dass einem angst und bange um die mit großem läuferischen Aufwand, aber im Abschluss bis dahin glücklos agierenden Schalker hätte werden können. Aber sie kamen zurück, glichen aus - und doch schien alles vergebens, als die in der letzten knappen halben Stunde in Unterzahl spielenden Hamburger zehn Minuten vor dem Ende wieder in Führung gingen.

Denn jetzt schien die Niederlage endgültig besiegelt. Erst die beiden Gegentreffer durch Marcus Berg (24.) und Piotr Trochowski (45.), dann die Aufholjagd mit Treffern von Kevin Kuranyi (50.) und Lukas Schmitz (62.), dem eine Notbremse von Rozenhal gegen Kuranyi und damit eine rote Karte für den HSV-Innenverteidiger vorausging, und dann wieder Berg (80.) mit seinem zweiten Treffer – das schien zu viel für einen Abend. Aber dieses Schalke wollte sich partout nicht geschlagen geben. Und so rannten sie, unermüdlich angetrieben auch von den nach der restlos enttäuschenden Vorsaison längst wieder mit der Mannschaft versöhnten eigenen Fans, weiter auf das Hamburger Tor – und wurden für ihre Mühen belohnt. Eine Minute vor Schluss köpfte Kuranyi das 3:3 in die Maschen des HSV.

Gott sei Dank!, mögen sie auf Schalke gestöhnt haben – und das, obwohl in der Nachspielzeit Asamoah sogar noch den Sieg vergab, als er aus vier Metern seinem früheren Mannschaftskameraden Frank Rost freistehend in die Arme köpfte. Nicht so sehr, weil sie eine Heimniederlage vermieden hatten, sondern weil eine Heimniederlage die ganze Not des Klubs hätte noch düsterer erscheinen lassen, als sie es ohnehin schon ist. Am Morgen vor dem Spiel waren erneut Meldungen erschienen, die Finanzsituation des Ruhrgebietsvereins betreffend. Die "Welt am Sonntag" hatte berichtet, dass Schalke wohl nicht nur mit 137 Mio. Euro verschuldet sei, sondern unter der Last weiterer 100 Mio. Euro Verbindlichkeiten leide. Diese 100 Mio Euro, so das Sonntagsblatt, habe der Revierklub in Tochtergesellschaften der Holding KG versteckt, zu denen etwa die Parkstadion KG, die Catering KG und die Rechteverwertungs-GmbH gehören. Einen Insider zitierte die Welt am Sonntag wie folgt: "Das Ziel dieses Systems ist es, das Bargeld immer an die Stelle zu bringen, wo es gerade gebraucht wird." So seien die Tochterunternehmen in den vergangenen Jahren "ausgepresst worden wie Zitronen".

Die Informationen kommen zu keinem guten Zeitpunkt. Die Deutsche Fußball Liga DFL prüft derzeit gerade die Lizenzen von 20 Bundesligaklubs und soll dabei dem Vernehmen nach die von Schalke 04 und die des Zweitligisten 1. FC Union Berlin besonders auf den Prüfstand stellen. Laut FAZ soll die DFL dem FC Schalke vor dieser Saison die Lizenz nur unter Auflagen erteilt haben.

Gefahr für Lizenzentzug oder Strafe sehen die Schalker aber auch mit den angeblich neuen Erkenntnissen zu ihrem Schuldenstand nicht. Zum einen: Die neuen Zahlen seien gar nicht neu, sondern ein Teil der Tilgung der Arena KG für das Stadion, teilte der Verein offiziell mit. "Das ist ein alter Hut, olle Kamellen", wurde Trainer Felix Magath vor wie nach dem turbulenten und hochklassigen Spitzenspiel gegen den HSV nicht müde, in alle ihm entgegengestreckzen Mikrofone zu betonen. Schauen sie mal in die Archive: Der Journalist, der das geschrieben hat, hat genau das gleiche auch schon vor einem Jahr geschrieben."

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